Fritz Hilbert wird 70 Jahre alt und freut sich auf „70+1“

  • Weitere
    schließen
+
Der Jubilar Fritz Hilbert arbeitet noch immer gerne im Hintergrund in der Bäckerei mit. „Das macht mir Spaß“, verrät er.
  • schließen

Warum der Bäckermeister aus Holzhausen gleich mehrere Feste feiern könnte und Optimist bleibt.

Eschach. Erzählen kann er jede Menge Geschichten - auch von rauschenden Geburtstagsfesten. Seinen 70. Geburtstag wird Fritz Hilbert aber nur im engsten Familienkreis mit seinen vier Kindern und vier Enkeln feiern können. „Coronabedingt“, sagt er und freut sich deshalb schon heute auf eine rauschende Party zu „70+1“. Ganz Optimist ist der Jubilar überzeugt, dass im nächsten Jahr wieder was geht in dieser Hinsicht.

Zumal die Familie Hilbert dann noch mehr Feste nachzuholen hat: Denn immer gleichzeitig mit Vater Fritz feiert Bäckermeister Torsten seinen Geburtstag: Der 42. ist es in diesem Jahr. Außerdem gibt es die Landbäckerei, in deren Geschäftsführung Patrick Hilbert als dritter Bäckermeister mitwirkt, in diesem April seit 20 Jahren am Kreisel in Holzhausen. Auch das wäre ein Grund zu feiern, wenn man dürfte.

Eine mutige Entscheidung

Es habe, erzählen Luise und Fritz Hilbert, damals, 2001, durchaus Mut gebraucht, aus den angestammten und seit 22 Jahren von der Familie mitten in Eschach betriebenen Bäckereiräumen hinauszuziehen und mit der Landbäckerei am Kreisel zu starten. Im Rückblick aber sei das genau die richtige Entscheidung gewesen. Sohn Torsten war damals 22 Jahre alt. Und voll eingebunden in die Entscheidung der Eltern.

Und so beginnt die Geschichte: Geboren ist Torsten Hilbert exakt in dem Jahr, in dem der damals in Hüttlingen als Bäckermeister beschäftigte Fritz Hilbert einen Anruf erhielt, der die Familienplanung glattweg über den Haufen warf. „Wir hatten erst die Kinder bekommen wollen und dann die Selbstständigkeit in Angriff nehmen“, blickt Luise Hilbert auf bewegte und arbeitsreiche Jahre zurück. Doch der örtliche Eschacher Bäcker Erwin Berroth wollte sich zur Ruhe setzen und bot dem in Holzhausen geborenen Fritz Hilbert seine Backstube an. „Ich wollte immer in meine Heimat zurück“, erzählt dieser. Das junge Paar hat die Chance ergriffen und hochschwanger hat Luise Hilbert die Eröffnung in der Ortsmitte aktiv begleitet.

22 Jahre später folgte der Umzug wenige 100 Meter weiter und damit endgültig nach Holzhausen. „Da werden alle vorbeifahren, keiner wird anhalten und einkaufen“, hätten etliche Eschacher damals gewarnt, erzählt Fritz Hilbert. Die Entwicklung gab dem tatkräftigen Bäckermeister allerdings recht. Dass zwei Söhne in seine Fußstapfen traten und sich so gut verstehen, dass die gemeinsame Geschäftsführung reibungslos läuft, erlaubt es dem Vater heute, kürzer zu treten.

In der Backstube hilft er trotzdem noch mit. „Ich mag nicht mehr ganz vorne stehen. Aber die Arbeit macht mir Spaß“, erzählt der Jubilar. Morgens, in aller Herrgottsfrühe, schmiert er zum Beispiel stundenlang Butterbrezeln, die dann im stark frequentierten Stehcafé verkauft werden. Samstags sind es bis zu 2500 Brezeln und rund 1500 Briegel in allen Variationen, die in der Bäckerei umgesetzt werden. Voll im Einsatz ist in der Regel dann das ganze Team - „alles in allem zehn Leute“, sagt Fritz Hilbert, der sich immer auch gerne in der Ausbildung engagiert hat. Zum festen Stamm der Belegschaft gehört im übrigen auch Gertrud Mutter, die im Mai vor 20 Jahren bei der Landbäckerei als Verkäuferin angefangen hat und deshalb bald ihr Dienstjubiläum feiern darf.

Seine Berufswahl hat Fritz Hilbert nie bereut. Vieles kann er erzählen, aus den bewegten Jahren. Da wurden dereinst zum Beispiel die Hilbertschen Brezeln und Briegel von Martin Lang nach Brüssel chauffiert, was maßgeblichen Einfluss auf die Bestimmungen zur Auszeichnung der Zutaten in der EU-Lebensmittelrichtlinie gehabt habe. Oder auch, dass die Hilbertschen Brezeln immer wieder als Beispiele bester schwäbischer Lebensart in die ganze Welt verschickt wurden oder als Mitbringsel sogar nach Südafrika gelangt sind.

Ein begeisterter Musiker

Was Fritz Hilbert sich zu allen Geburtstagen gewünscht hat - und nun erst recht zum 70+1? Zünftige Blasmusik. Der begeisterte Musiker, Mitglied in etlichen Musikvereinen der Region und 50 Jahre lang aktiver Tubaspieler beim Musikverein Holzhausen, freut sich immer über ein Ständchen. Und hat das manchmal auch schon im Radio hören dürfen.

Sicher auch zur Gratulantenschar würden die Getreuen des Fritzenvereins zählen oder die Mitglieder der Dorfgemeinschaft Holzhausen. Oder auch viele Freunde aus der weiten Umgebung und viele Kunden. Sie alle werden coronabedingt nur aus der Ferne Glück wünschen können. Und sich freuen auf das Fest „70+1“. Anke Schwörer-Haag

Zurück zur Übersicht: Schwäbischer Wald

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL