50 glückliche Ehejahre: Wie der Trompeter sein Mädel fand

+
Bei Elke und Sigurd Wengert ist immer etwas los
  • schließen

Die Frage „Wo drückt der Schuh?“ ist für das Gögginger Ehepaar Wengert sprichwörtlich der Wegweiser für 50 glückliche Ehejahre. Am Samstag feiern sie Goldene Hochzeit.

Göggingen. Langeweile - dieses Wort kennt keiner im Hause Wengert in der Gögginger Stuifenstraße. Das soziale Engagement des Ehepaares Elke und Sigurd Wengert lässt nicht einmal Zeit, die geplante Kreuzfahrt zur Goldenen Hochzeit anzutreten. Elke Wengerts Tierauffangstation ist zur Zeit mit weit über 300 Igeln derart überfüllt, dass an Reisen nicht zu denken ist. Ob Ehemann Sigurd Wengert vor 53 Jahren geahnt hat, was auf ihn zukommt?

Alles begann auf einem Gartenfest in Obergröningen, die 15-jährige Göggingerin Elke Reupke wollte sich als Bedienung etwas Geld verdienen, um ihren ersten Nordseeurlaub zu finanzieren. Mit neuen Schuhen angetan, war das junge Mädel schon in den frühen Morgenstunden auf den Beinen, um bei den Vorbereitungen zum Fest zu helfen. Die neuen Schuhe waren schön, die sich bald entwickelnden Blasen an den Füßen weniger. Der Vereinskassier fackelte nicht lang, ging zu den Musikern des MV Untergröningen, um jemanden zu finden, der Elke zum Schuhe wechseln kurz heimfahren könne. Die Aufgabe übernahm Sigurd Wengert aus Reichertshofen. Er hat Elke nicht nur an jenem Tag heimgebracht, sondern begleitet sie jetzt seit 53 Jahren.

Der talentierte Trompeter war abends oft mit Kapellen auf Tanzveranstaltungen und Hochzeiten unterwegs, Elke begleitete Sigurd, so oft es ging. Und bald, gerade 18 Jahre alt geworden, trat Elke mit Sigurd in Hohenstadt vor den Altar. „Ich brauchte noch die Unterschrift meiner Eltern“, erinnert sie sich lachend.

Wohnen auf dem Bauernhof

In dem alten Bauernhof in Reichertshofen habe man schön gewohnt, erzählt das Paar, Sohn Torben kam in dieser Zeit zur Welt und die Wengerts begannen, über einen Hausbau in Göggingen nachzudenken.

Im Fünfjahresabstand folgten auf Torben, Tatjana und Sigurd. Das fürsorgliche Herz von Elke veranlasste das Paar, zu den eigenen drei Kindern, drei weitere als Tagespflegekinder in ihrem Haus aufzunehmen. „Es war immer etwas los“, erzählen die Wengerts. Manchmal saßen zwölf Personen zum Mittagessen am Tisch, meint Elke.

Gegenseitige Unterstützung

Die Kinder wurden größer. Elke startete noch einmal beruflich durch und begann eine einjährige Ausbildung zur Fußpflegerin in Stuttgart. Spannend wurde es in der Paarbeziehung, als Sigurd nach 40 Jahren Tätigkeit in der ZF seinen Ruhestand antrat und sofort die „Haushaltsführung“ nebst putzen und kochen übernehmen wollte. „Nach 14 Tagen, in denen es tägliche Suppe gab“, hat Elke dann doch ihr Veto eingelegt. Gemeinsam wurde ein Arrangement gefunden, das bis heute wunderbar funktioniert. Elke konnte ihre Arbeit in ihrer Fußpflegepraxis ausweiten, Sigurd sorgt für einen reibungslosen, blitzsauberen Haushalt.

Mit dieser Rückendeckung durch ihren Mann, konnte die rührige Elke ihren vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten mit gutem Gewissen nachgehen: 30 Jahre war sie Vorstand der Burgstuhlhexen; trotz vollen Terminkalenders findet Elke die Zeit, ihrer Leidenschaft als Theaterspielerin auf der Igginger Laienbühne nachzugehen; ihre langjährige Erfahrung als Sterbebegleiterin führte dazu, dass sie Gründungsmitglied des Gmünder Hospizes ist. „Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und für die sozial Schwachen da sein - das ist das Lebensmotto der Wengerts.

Soziales Engagement

Seit 15 Jahren leitet Elke zudem die Wassergymnastikgruppe „Wasserpatscher“ im Leinzeller Hallenbad. Dass viele der älteren Teilnehmerinnen bald aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr die Stunden im Wasser genießen können, mag sie so nicht akzeptieren und ist jetzt permanent auf der Suche nach Spendern und Unterstützern, die Geld für den Erwerb einer Hebehilfe, einem Schwimmbadlifter, spenden.

Tiere, Garten und Pflanzen sind Elkes ganze Leidenschaft, in die sie viel Zeit und noch mehr Geld investiert. „Ich wäre gerne Floristin geworden“, erzählt sie. Tiere mag und pflegt sie schon immer. In das Vögel aufpäppeln und Igel füttern musste Sigurd erst „hineinwachsen“, der Landwirtssohn kannte damals nur Nutztiere. Elke hat dann mit seiner Unterstützung eine Wildtierauffangstation aufgebaut, die weit über den Kreis hinaus bekannt ist. Dass sie sich auf ihren Mann verlassen kann, der ihr mit dem Haushalt den Rücken freihält, sei ein großes Pfund. Denn die aktuell 324 Igel in der Auffangstation fordern ihren Einsatz Tag und Nacht.

Fehlt dem Paar etwas? „Wir sind wunschlos glücklich“, sagen beide. Auch die ausgefallene Kreuzfahrt ist längst verschmerzt. Stattdessen ist eine gemütliche Kutschfahrt mit den Kindern und den sechs Enkelkindern vorgesehen.

Das junge Glück vor 50 Jahren

Zurück zur Übersicht: Göggingen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare