Keine Anlage aber drei Eichen

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Ein Blick zurück: Erschüttert blicken die Leinzeller 2017 auf die Verwüstung, die die Bagger hinterlassen haben (oben). Ralph Leischner und Edgar Neumair zeigen, wo die Eichen gepflanzt werden.
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Warum die Baugenehmigung für die Wasserkraftschnecke am Leinwehr nun zur Freude aller erloschen ist und was als Ausgleich gefordert ist.

Leinzell

Die Entscheidung ist da - das Landratsamt habe sie in diesen Tagen verkündet, freut sich Bürgermeister Ralph Leischner: Die Baugenehmigung für eine Wasserkraftschnecke unter der Leinbrücke beim Wehr ist erloschen. „Das ist eine gute Nachricht“, sagt Leischner.

Zustande gekommen ist sie, weil die Firma Wasserkraft Oberland aus Pullach „nach reiflicher Überlegung und unter Berücksichtigung der neuesten Daten, der Kostenentwicklung und der Fördermöglichkeiten“ festgestellt habe, dass das Projekt nicht mehr rentabel sei und sie es deshalb nicht mehr weiter verfolgen werde.

Das Vorhaben hat sich damit für die Firma aber noch nicht ganz erledigt. Denn, so erinnert Ralph Leischner sich noch gut an den Beginn der Vegetationsperiode im März 2017, als die Oberland-GmbH ohne jegliche Rücksprache mit der Gemeinde den Bereich am Leinwehr großflächig roden ließ und dabei nicht nur Hecken und Gestrüpp beseitigt hatte, sondern auch eine über 300 Jahre alte Eiche, weil diese beim Bau den Maschinen im Wege gestanden wäre. Er habe sich deshalb mit der Unteren Naturschutzbehörde darauf verständigt, dass dem Unternehmen eine Ausgleichspflanzung auferlegt wird. „Drei größere Stieleichen - für jeweils 100 Jahre eine - halten wir für angemessen“, findet Leischner, wohl wissend, dass trotzdem hunderte Jahre ins Land gehen, bis die jungen Bäume ein gleichwertiger Ersatz sind. „Aus Sicht der Verwaltung ist dies eine geeignete Ausgleichsmaßnahme, um auch zu dokumentieren, dass bei Rodungen in Zukunft sensibler vorgegangen werden muss - und nur in Absprache mit der Gemeinde“, sagt Leischner. Dass das Pflanzgebot nun in die Rücknahme der Genehmigung eingeflossen ist, ermögliche es der Gemeinde, die Umsetzung auch einzufordern, dankt Leischner besonders dem Vertreter des Wasserwirtschaftsamts.

„Ich finde, das ist eine gute Vorgehensweise“, sagt Gemeinderat Edgar Neumair, der 2017 als Sprecher der Bürger auftrat, die sich über das Vorgehen der Wasserkraft Oberland empört haben. Im Prinzip sei er nicht gegen Wasserkraft unterstreicht Neumair. Aber die sei eben nur dort sinnvoll, wo sich auch ausreichend Energie gewinnen lasse. Deshalb ist er froh, dass die Richtlinien geändert wurden und der Bau einer Anlage allein wegen der Fördermittel damit nicht mehr zu befürchten sei. Längerfristig, überlegen Leischner und Neumair, werde man nun auch prüfen lassen, ob es sinnvoll ist, das Leinwehr zurückzubauen oder durchgängig zu machen.

Das ist für jeweils 100 Jahre ein neuer Baum.“

Ralph Leischner, Bürgermeister

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