Kreativer Sprung auf den Logenplatz

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Die elisabethanische Zeit ins Moderne übersetzt: So überzeugte Nicole Worbis die Kostümjury des virtuellen Opernballs.
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Wie die Abtsgmünderin Nicole Worbis den virtuellen Opernball des Stuttgarter Staatstheaters erlebt hat und warum für sie ein kleines Märchen wahr geworden ist.

Abtsgmünd

Es war ein wunderbares Abenteuer, das Nicole Worbis am Faschingsdienstag erlebt hat. Fast schon traumhaft, weil die Abtsgmünderin dafür nicht mal ihre Wohnung verlassen musste - und irgendwie ein modernes Märchen, weil dieser Abend bis heute nachwirkt und sie sich mit ihrer Tochter Zoë jetzt noch auf ein weiteres Abenteuer freuen kann.

Und so hat sich die tolle Geschichte zugetragen: Wie alle Menschen in diesen Zeiten hauptsächlich in den virtuellen Raum verbannt, hat Nicole Worbis am Rosenmontag dort in den Veranstaltungstipps geschmökert. Und ist auf das Angebot der Stuttgarter Staatsoper gestoßen. „Virtueller Opernball“ stand dort in verlockenden Lettern. Bei Nicole Worbis, die elf Jahre in Stuttgart gelebt und damals oft die Oper besucht hatte, siegte die Neugier. Ganz spontan hat sie sich angemeldet.

Als per Mail die Bestätigung kam, hat sie dann auch entdeckt, dass es auf diesem Opernball einen Kostümwettbewerb gibt. Zuerst, erzählt die Abtsgmünderin, sei ihr das unwichtig gewesen - „denn ich bin eigentlich keine Faschingsnärrin“. Dann allerdings, spät in der Nacht, hat sie entdeckt, dass es als ersten Preis Operntickets für eine Loge direkt über dem Orchestergraben zu gewinnen gab. Wäre das eine tolle Überraschung für Zoë! Die Elfjährige spielt Geige und wünscht sich, seit sie Mozarts Figaro zum ersten Mal gehört hat, dass sie irgendwann mal in die Oper darf. „Und Karten für Plätze, auf denen man etwas sehen kann, gehen richtig ins Geld“, weiß die Mama.

Gegen 16 Uhr, gut drei Stunden vor Beginn des virtuellen Opernballs, hat Nicole Worbis sich am Faschingsdienstag dann ans Kostüm gemacht. „Mir kommen auf den letzten Drücker immer die besten Ideen“, erzählt sie. Und diesmal habe sich Elisabeth I in ihre Fantasie geschlichen. Denn Nicole Worbis übersetzt im wirklichen Leben hauptberuflich Filme - zur Faschingszeit in diesem Jahr gerade eine Serie über diese britische Herrscherin. „Zoë fand sie von Anfang an schrecklich. Aber mich hat der große Kragen irgendwie inspiriert“, erzählt Nicole Worbis. Und beschreibt dann, wie sie die Einzelteile zusammengesucht hat für ihr Kostüm: eine verrückt gemusterte Strumpfhose, ein schwarz-weißes Streifenshirt, mit weißen Pompons, die sie mit Sicherheitsnadeln befestigt hat. Im Bad, vor dem Spiegel, habe die Kreativität schließlich ein Eigenleben geführt: Das weiße Gesicht, passend zur elisabethanischen Zeit, kombiniert Nicole Worbis mit schwarzen Lippen, einem schwarzen Balken unter den Augen, den sie mit Glitzer abmildert und mit Gelb über den Augen kombiniert. Aus einer Federboa hat sie ein bisschen Material für die Wimpern und die Augenbrauen abgezwackt und „als Kontrast zum übertriebenen Make-up“ fixiert sie die Haare streng.

Nicole Worbis in ihrem Kostüm.

Mit dem Ergebnis zufrieden, stürzt die Abtsgmünderin sich in den virtuellen Opernball, der 1300 Besucher zählt, die als Icons durchs imaginäre Staatstheater ziehen, sich auf Dancefloors bewegen, klassischer Musik lauschen und sogar miteinander unterhalten können. „Immer, wenn sich Icons begegnet sind, ging eine Art Breakout-Room auf, in dem man sich dann gegenseitig gesehen hat und unterhalten konnte. Manchmal waren es ganze Gruppen“, erzählt Nicole Worbis. Noch heute ist sie ganz begeistert davon, wie viele Leute sie „getroffen“ hat - auch Leute, die zuhause in Ballkleid, Frack und Zylinder tanzten.

Genau den richtigen Eindruck hat Nicole Worbis dann in der Garderobe hinterlassen, wo sie der Kostümjury ihr selbst entworfenes Outfit präsentiert hat. „Als am Ende des wunderbaren Abends die Sieger verkündet wurden, rechnete ich mit einer Magnum-Flasche“ - also etwas zwischen Platz zehn und Platz vier. Bei der Verkündung der letzten drei Plätze hat die Abtsgmünderin dann jeweils den Atem angehalten. Doch weder die exklusive Museumsführung, noch der Besuch von Musikern des Staatsorchesters landeten bei ihr. Sondern das moderne Märchen wurde Wirklichkeit. Nicole Worbis und Zoë dürfen tatsächlich eine Opernvorstellung aus einer Loge über dem Orchestergraben erleben - sobald Oper wieder möglich ist. „Eine Hoffnung in dieser Coronazeit. Die Kleider haben wir uns schon gekauft“, erzählt die Mama. Die Vorfreude ist riesig.

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