50 Jahre Priester in der Welt von heute – „So sei es“

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Auf dem Sportplatz in Leinzell, dort wo er vor 50 Jahren seine Primiz gefeiert hatte, hielt Franz Pitzal auch den Jubiläumsgottesdienst zur Erinnerung an seine Priesterweihe vor 50 Jahren.

Leinzell. Weltoffen, menschenfreundlich, humorvoll, bescheiden und treu, diese Charaktereigenschaften werden dem 85-jährigen Pfarrer Franz Pitzal zugeschrieben. Als Heimatvertriebener kam Franz Pitzal 1946 von Tschechien nach Deutschland - nach Leinzell.

Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Uhrenmonteur. Seine Bestimmung sah der junge Franz Pitzal schon immer darin: „Ich will mit Menschen arbeiten“. Dem Spätberufenen-Seminar schloss sich das Abitur an, darauf folgte das Studium der Theologie unter anderem bei Joseph Ratzinger. Am 4. Juli 1971 wurde Franz Pitzal in Aalen zum Priester geweiht. Seine erste Messe, die Primiz, feierte der junge Geistliche am 11. Juli 1971 in Leinzell auf dem Sportplatz. Nach 50 Jahren kehrte der Priester am Sonntag, auf den Tag genau, dorthin zurück, um seinen Gottesdienst zur 50-jährigen Priesterweihe und zur goldenen Primiz zu feiern.

Musikalisch begleitet vom Leinzeller Musikverein und dem Bläserquintett Swabian Brass wollte der 85-jährige mit dem Jubiläumsgottesdienst an diesem „denkwürdigen Tag“ nicht sich selbst feiern, sondern „das Gemeinsam in den Mittelpunkt stellen“. Es sollte ein Tag sein, der „alle zusammenführt und Menschlichkeit aufkommen lässt“. Etwas, das mit der Zeit etwas verloren gegangen sei.

Alles sollte so sein wie vor 50 Jahren, meinte der Priester. Der Altar mit Blick auf die Georgs-Kirche, das Schloss und seine alte Schule waren geschmückt. Ein Kreuz aus Altmetall im Hintergrund, die Primizkerze, ein Geschenk eines jungen Mädchens, und der damals schon vorhandene schlichte Emaillebecher, mit dem der Jubilar seit 50 Jahren jede Messe begeht. Auch die Stola war dem Priester vor vielen Jahren als Geschenk überreicht worden.

Im Hintergrund waren Plakate mit Pfarrer Pitzals persönlichen Schlagwörtern befestigt, „die den priesterlichen Dienst ausmachen“. „Solidarität“ brauche es in der Welt von heute immer mehr; den Menschen „Würde geben“ - das müsse ebenso in die ganze Welt hinausgetragen werden wie „Menschlichkeit“, ein Wort, das es mehr denn je zu bedenken gebe. Nur mit „Toleranz“, auch Andersdenkenden gegenüber, könne Frieden in der Welt aufkommen. Mit der „Ökumene“ könnten Christen gemeinsam den Weg des Evangeliums einschlagen. Zwar sei man hier noch lange nicht auf einem „gemeinsamen Nenner“, aber nur so könnte den Menschen „weltweit“ geholfen werden.

Schon bei der Entscheidung, Priester zu werden, wusste Franz Pitzal: „Das ist kein einfacher Weg“. Über die Jahre habe sich das „Heute“ gewandelt, Menschlichkeit lasse nach, die religiösen Werte bauten ab und die Armen werden immer ärmer. Wie er es bei seinem „Dienstantritt versprochen hat“, möchte Pitzal weiter dagegen arbeiten auch wenn „Bewegung, Unruhe und Dynamik“ die Wegbegleiter seines priesterliche Lebens waren.

In Leinzell liegen auch die Ursprünge seiner Leidenschaft für Krippen. Mit der von Franz Pitzal ins Leben gerufenen „Renninger Krippe“ konnten weit über 10 Millionen Euro zur weltweiten Unterstützung von Menschen in Not gesammelt werden. Die Kollekte des Jubiläumsgottesdienstes soll in Hilfsprojekte in den Südsudan fließen.

50 Jahre Priester im Wandel der Zeit zu sein, bedeute „ständiges Umdenken und Verlässlichkeit“ und „die Worte auch in Taten umsetzen“. Seine Predigt beendete Pfarrer Pitzal mit „so sei es“ und „Amen“.

Für den Leinzeller Bürgermeister Ralph Leischner war der Sonntag der besondere Tag an dem „unser Pfarrer Pitzal“ sein goldenes Primizjubiläum feiert. Auch die Feier zur 40-jährigen Primiz habe Pfarrer Pitzal in Leinzell zelebriert. Das zeige: „Leinzell ist immer seine Heimat geblieben“. Pfarrer Pitzal ist und bleibe ein „jenischer Fiesel – ein Leinzeller Junge“.

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