Apotheke in Leinzell hört auf

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Die Tage der Schwaben Apotheke in der Ortsmitte sind gezählt. Zum Jahresende will Klaus-Peter Rupp aufhören. Bislang ist noch keine Nachfolgeregelung erkennbar
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Der Betreiber geht in den Ruhestand. Keine Nachfolge in Sicht. Schwächt das E-Rezept als bevorstehende Neuerungen die Versorgung mit Medikamenten im ländlichen Raum?

Leinzell. Das ist der aktuelle Stand: zum 31. Dezember, mit dem Ablauf des Geschäftsjahres, wird Dr. Klaus Peter Rupp seine Schwaben-Apotheke in Leinzell schließen. Der Apotheker geht in Ruhestand - „das ist ja nichts Besonderes“, sagt er auf Anfrage.

Stimmt. Trotzdem bedauert Bürgermeister Ralph Leischner diese Nachricht sehr. Lange habe er gehofft, dass sich eine Nachfolgeregelung finde, gesteht er und wäre glücklich, wenn sich da noch etwas tun würde. Für diesen Fall sagt er auch die Unterstützung der Gemeinde zu.

Was sich allerdings so vernehmen lässt aus der Branche, deutet eher in eine andere Richtung. Apotheken auf dem Land spüren, ebenso wie die Patienten, die Folgen des Hausärztemangels. Apotheker Wolfgang Frei aus Abtsgmünd weiß von zehn Praxen in der Region, für die derzeit keine Nachfolge gefunden werden könne. Fehle der Arzt, könne das längerfristig auch das Aus für die Apotheke bedeuten.

Nicht alle Patienten haben ein Smartphone."

Holger Fuhr, Apotheker

Ab Januar kommt das elektronische Rezept

Zumal diese sich zurzeit für eine weitere Herausforderung rüsten (müssen): Ab dem 1. Januar 2022 soll das elektronische Rezept kommen. Dafür müsse eine Telematik-Infrastruktur aufgebaut werden, erklärt Katina Lindmayer als Sprecherin der Landesapothekenkammer und kann sich durchaus vorstellen, dass eine solche Veränderung der gewohnten Arbeitsabläufe zunächst für Vorbehalte sorgt. Aber die Apotheken bekämen Unterstützung über den jeweiligen Anbieter, der ihr Warenwirtschaftssystem betreut, erklärt sie. Angeschafft werden müssten ein sehr sicherer Router (Konnektor), eine Institutionenkarte und ein Heilberufsausweis für jeden Beschäftigten. Auch die Kammer unterstütze ihre Mitglieder, bis das System laufe, versichert Katina Lindmayer und meint: dann nämlich sei es bequemer als das seitherige. Rezepte könnten nicht mehr so leicht gefälscht werden, alle Beteiligten seien automatisch miteinander verknüpft und auch der Patient müsse sich nur an ein neues Formular gewöhnen. Denn wer kein systemfähiges Handy habe, erhalte das E-Rezept aus ausgedruckten QR-Code.

Wolfgang Frey bezweifelt, dass dieser Weg so ganz schnell funktioniert. Dem Abtsgmünder Apotheker zufolge sind noch längst nicht alle Arztpraxen technisch auf das E-Rezept eingestellt - was nicht an den Ärzten liege, sondern daran, dass die Heilberufsausweise nicht geliefert werden können; noch wüssten zudem die allerwenigsten Patienten, dass sie ein NFC-fähiges Smartphone benötigen, um die bundesweit einheitliche e-Rezept-App der gematik GmbH herunterzuladen und eine NFC-fähige Gesundheitskarte inklusive PIN von ihrer Krankenkasse, die sie einsetzen müssen, um ihr E-Rezept zu verwalten. „Es ist wahrscheinlich, dass die meisten Patienten noch länger mit ausgedruckten QR-Codes kommen“, vermutet Frey - wobei wohl noch nicht geklärt sei, wer den Rezeptausdruck bezahle. Nicht jeder besitzt ein Smartphone

Mit dieser Einschätzung ist Frey nicht allein: „Ich denke, dass es noch einige Zeit das ausgedruckte Rezept und den Code auf dem Handy parallel geben wird“, sagt Holger Fuhr, Besitzer der Oberen Apotheke in Schwäbisch Gmünd und Sprecher der Zunft in der Region. Denn für eine rein digitale Handhabung müssten eben alle - die Apotheken, die Ärzte und die Patienten, mit modernen Systemen ausgestattet sein. Schon bei den digitalen Corona-Impfzertifikaten zeige sich, dass viele Patienten das derzeit noch nicht sind. „Längst nicht jeder hat ein Smartphone“.

Dass einzelne Apotheken wegen der Einführung des E-Rezepts das Handtuch werfen, das glaubt Holger Fuhr nicht - dazu sei die digitale Ausstattung der Apotheken auch mit dem Warenwirtschaftssystem schon zu weit fortgeschritten. Beim einen oder anderen könne das aber der letzte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringe.

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