In Schechingen sind die ersten Ukrainer eingezogen

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Ein gut verständliche Mappe mit vielen wichtigen Informationen hat Lisa Papp. die Leiterin der Gemeinschaftsunterkunft, für die Ankömmlinge aus der Ukraine zusammengestellt. Foto: aks
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Im ehemaligen Seniorenheim hat der Landkreis eine Gemeinschaftsunterkunft für rund 50 Geflüchtete eingerichtet. Nach wochenlangem Umbau hat jetzt der Betrieb begonnen.

Schechingen

Er hat irgendwie Symbolkraft, der rote Teppich. Ursprünglich hat er Bewohner und Gäste des Seniorenheims willkommen geheißen. Seit wenigen Wochen gibt er den ersten 22 Flüchtlingen aus der Ukraine nun das Geleit vom Eingang, die Treppe hinauf, in den Gemeinschaftsraum. Hier durften die Familien ankommen, nach ihrer Flucht vor Bomben und Granaten an der Kriegsfront in ihrem Heimatland.

Friedliche Stille herrscht im großen Gebäude an diesem Nachmittag. Lisa Papp, die in Doppelfunktion das Wohnheim leitet und erste Ansprechpartnerin der Bewohner ist, blättert im Willkommensordner, den sie eigens für die Neuankömmlinge zusammengestellt hat: Darin geht es um die Anmeldung bei der Gemeinde. Um Busverbindungen. Um Einkaufsmöglichkeiten. Um Sprachkurse. Um Krankenversicherung, Jobcenter, Schule oder Kindergarten. Aber auch um die Hausordnung oder die Regeln für die Mülltrennung. Mit diesem Ordner und einem Haustürschlüssel begrüßt Lisa Papp die Menschen, die nun erst mal eine Bleibe in Schechingen gefunden haben.

Ganz normale Menschen, herausgerissen aus ihrem ganz normalen Leben. Einige, erzählt Lisa Papp, arbeiten sogar noch für ihren Arbeitgeber in der Ukraine. Homeoffice über tausende Kilometer. Diese Geflüchteten bezahlen im Übrigen selbst für ihren Aufenthalt in der Gemeinschaftsunterkunft und für die notwendigen Versicherungen.

Alle Ankömmlinge in Schechingen hat die Sozialpädagogin als sehr selbstständig und engagiert erlebt. Alle seien begierig, eine Arbeit zu finden, und oft sieht sie sie mit ihren Laptops im Gemeinschaftsraum sitzen, wo sie selbstständig die deutsche Sprache lernen. Obwohl sie weder russisch noch ukrainisch spricht, gebe es keine Schwierigkeiten mit der Verständigung, erzählt Lisa Papp. Einer der älteren Geflüchteten habe in der Schule Deutsch gelernt und spreche das noch bemerkenswert gut, erzählt sie. Zwei der Bewohner sprechen sehr gut Englisch.

„Es läuft“, sagt Lisa Papp, die in den nächsten Tagen nun noch mal bei den direkten Nachbarn des Wohnheims klingeln will - einfach um zu hören, ob aus deren Sicht alles in Ordnung ist und ob es Anregungen gibt. Auch über Mithilfe aus der Gemeinde würden sich alle freuen, sagt die Sozialpädagogin. Bedarf gebe es einfach in Form von Gelegenheiten, im Alltag Deutsch zu sprechen. Bei einem Spaziergang. Oder auch mal beim Kaffeetrinken. Auch Fahrdienste seien willkommen. Ober bei einer Hausaufgabenunterstützung für die Kinder.

Alles, was wegen der langen Umbauzeit aufgeschoben wurde, könne nun anlaufen, sagt Lisa Papp auch mit Blick auf diejenigen, die ihre Unterstützung schon angeboten haben. Auch die Kirchengemeinde warte auf Informationen, ergänzt Pastoralreferentin Beate Jammer auf Anfrage. Hier gebe es durchaus die Bereitschaft, sich einzubringen. In der jüngsten Sitzung des Kirchengemeinderats sei das Thema angesprochen worden. In der Tiefe könne man aber erst planen, wenn man mehr wisse.

Bürgermeister Stefan Jenninger - aus familiären Gründen derzeit eine Woche nicht im Rathaus - wird das Wohnheim besuchen, sobald er wieder im Dienst ist. Vonseiten der Anwohner habe er bislang keinerlei Beschwerden vernommen und ist überzeugt, dass dies auch so bleiben wird. Denn „persönliche Erfahrung ist der Feind des Vorurteils“, zitiert er den Volksmund. Nach wie vor halte er die Wohnheim-Lösung für die beste Nutzungsvariante des ehemaligen Seniorenheims. Zumal derzeit auch Verhandlungen geführt werden, dass einige der Plätze für Asylbewerber, die Schechingen noch stellen müsse, hier eingerichtet werden. Und ganz besonders lobt der Bürgermeister die Zusammenarbeit mit Lisa Papp, die mit ihrer Zuarbeit für die Anmeldung das Bürgerbüro gewaltig entlaste.

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