Der Geschichtspfad führt nun auch zum „Ochsen“

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Geschichtspfad Spraitbach
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Das Spraitbacher Gasthaus existiert seit mindestens 454 Jahren.

Spraitbach. Die elfte Station des Spraitbacher „Jubiläums-Geschichtspfads“ führte zum Gasthaus „Ochsen“ an der Mutlanger Straße. Neben dem traditionsreichen „Adler“ der sich nur einen Steinwurf vom „Ochsen“ befindet, wurde damit die zweite Gasthausherrlichkeit der Gemeinde in den Pfad aufgenommen, der an Altes, oder einmal Dagewesenes, erinnern soll.

Die Vielzahl der Besucher, die der Schildenthüllung beiwohnen wollte, überraschte und freute Bürgermeister Johannes Schurr. Einen besonderen Gruß konnte Schurr an die anwesenden Ehrengäste, den ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde, Ulrich Baum, und den CDU-Landtagsabgeordneten Tim Bückner richten.

Ein großer Knall

Noch vier Enthüllungen stehen bis zum großen Finale am 25. Dezember an, meinte Schurr, der für das 15. Schild versprach, das werde ein „großer Knall“. Was sich dahinter verbirgt, wollte er nicht verraten.

Mit viel Mühe hat sich der Spraitbacher Ulrich Rupp einmal mehr auf Spurensuche der Spraitbacher Gasthausherrlichkeit gemacht und längst vergangene Zeiten ans Tageslicht befördert, um so für die Beschriftung der Infotafel zu sorgen. Für Schurr war dies ein dickes Dankeschön wert. Die Geschichte des „Ochsen“ reicht demnach mindestens zurück bis ins 16. Jahrhundert. Der damalige Grundherr war das Spital in Schwäbisch Gmünd, aus diesem Grund konnte der „Ochsen“ den Titel eines „gmündischen“ Wirtshauses tragen. Es ist beurkundet, dass das Spital am 18. April 1567 einen Vertrag mit dem damaligen Inhaber über ein Schankrecht schloss, das dem Spraitbacher Vogt kraft seines Amtes zukam.

Dringliche Geschäfte

Das heutige Altgebäude wurde im Jahr 1759 errichtet, wie ein über dem Eingang angebrachter Erbauungsstein beurkundet. Im Jahr 1877 erwarb Georg Unfried das Anwesen und führte den Betrieb als „dringliche Wirtschaft“ bis ins Jahr 1933. Was die Gäste taten um bis 1936 einem „dringlichen Geschäft“ nachzugehen ist nicht überliefert, denn erst 1936 wurde unter Hermann Unfried ein Abort mit Pissoir eingebaut sowie ein Hausbackofen angebaut. 1946 kamen zwei Fremdenzimmer im Dachgeschoss dazu, im Obergeschoss wurde ein Saal zum Tanzboden ausgebaut.

1960 übernahm Hermann Unfrieds Tochter Gudrun Schwarz den Betrieb. Unter ihrer Leitung erhielt das Gasthaus 1990 durch Um- und Anbau, mit der Errichtung eines Nebenzimmers sowie Wohnungen und Gästezimmern sein heutiges Erscheinungsbild. Sie habe ihr ganzes Leben im „Ochsen“ verbracht“ erzählt Gudrun Schwarz, erst mit den Eltern und ab 1960 als „Ochsen-Wirtin“. 2001 ging Gudrun Schwarz nach 41 Jahren im Betrieb in den Ruhestand. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, besucht sie ihr ehemaliges Gasthaus immer noch, schmunzelt Gudrun Schwarz. „Sie ist für uns ein Ehrengast“, lachen die neuen Betreiber, das Geschwisterpaar Monika und Michael Bender und ihre Eltern Ute und Wolfgang Bender.

Frühschoppen und Steuer

Wenn das alte Fachwerkgebäude reden könnte, wüsste es sicherlich viele Geschichten zu erzählen. Einige Anekdoten konnte Ulrich Rupp immerhin aus alten Archiven kramen. So war es in den 1950er-Jahren offenbar üblich, dass der damalige Viehhändler August Hirner einmal im Monat beim sonntäglichen Frühschoppen den Erlös aus dem verkauften Vieh an die einheimischen Bauern im „Ochsen“ ausbezahlte. Mit diesem Geld konnten die Bauern wiederum gleich vor Ort an den Gastwirt und damaligen Gemeindepfleger Hermann Unfried ihre Gemeindesteuern begleichen. Ebenfalls Tradition: Ein Vierteljahrhundert lang beendete hier die Fasnachtsgesellschaft „Lustige-Schlumpf-Hexen“ mit der „Prinzenbeerdigung“ die Faschingszeit.

Dass „ihr Ochsen“ im Geschichtspfad berücksichtigt ist, freut die Benders sehr, sie hoffen auf viele weitere Jahre mit zufriedenen Gästen.

Andrea Rohrbach

Im Spraitbacher „Ochsen“ spielte sich über die Jahrhunderte viel Dorfleben ab, nun gehört er zum Geschichtspfad.

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