Gasthaus mit langer Geschichte

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Vor dem achten Schild am Traditionsgasthaus Adler, GR Erich Pommerenke, BM Johannes Schurr, Ulrich Rupp und GR Sarah Heide
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Mit der achten Info-Tafel würdigt Spraitbach den Traditionsgasthof „Adler“. Die Aktion ist Teil der Feiern zum 725-jährigen Bestehen der Gemeinde.

Spraitbach

Bis zum 25. Dezember feiert Spraitbach sein 725-jähriges Dorfjubiläum, nicht mit einem großen Dorffest, sondern mit einem Geschichtspfad, der jeweils am 7. und 25. eines jeden Monats erweitert wird und auf Vergangenes oder Umgenutztes in der Gemeinde verweisen soll.

Am Mittwoch wurde die Info-Tafel am „Adler“ in Spraitbach enthüllt. Die Gaststätte blickt auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurück. Im 16. Jahrhundert wurde der Adler erstmalig urkundlich als „Schildwirtschaft“ erwähnt. Die wechselhafte Geschichte des Gasthauses wurde von Ulrich Rupp in umfangreicher Recherchearbeit aufgearbeitet, lobt Bürgermeister Johannes Schurr und das, obwohl Rupp als Arbeitsgruppenleiter des Musikvereins Spraitbach gerade mitten in der Planung zum 100-jährigen Bestehen des Spraitbacher Musikvereins steht.

Rupp zeigt sich verantwortlich für die Aufarbeitung der Geschichten der„Gasthausherrlichkeiten“ in der Gemeinde. Der „Adler“ ist in der Reihe der „Spraitbacher Zeitgeschichte“ der erste noch in Privatbesitz befindliche Ort und ein sichtbares Zeichen für die Geschwindigkeit in der die Zeit vergeht, erläutert Rupp. Der „Adler“war seit seines Bestehens ein „dominantes Gebäude“ von zentraler Bedeutung. Aus Urkunden vom 16. Jahrhundert geht hervor, dass über die damalige Schildwirtschaft „Adler“ die Grundherrschaft und niedere Gerichtsbarkeit vom Kloster Lorch ausging. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Adlerwirtschaft vom damaligen Schultheiß Kuhn aufgekauft und in eigener Person betrieben. Seitdem gab es damals in Spraitbach keine Polizeistundemehr und die Amtshandlungen wurden nicht mehr im Rathaus, sondern in der Wirtsstube des Schultheißen erledigt. 1880 wurde das Anwesen von Jakob Bauer erworben und als „dingliche Wirtschaft“ bis 1937 betrieben und danach bis 1978 von dessen Sohn Georg Bauer als Gasthaus und Metzgerei fortgeführt. Ein einschneidendes Ereignis war der 5. Januar 1946, bei dem durch ein Großfeuer das gesamte Gebäude ein Raub der Flammen wurde. Dabei wurde eine wertvolle Bibel von 1639 in letzter Sekunde aus dem Feuer herausgeholt. Noch im gleichen Jahr wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, dabei musste die Eingangsecke nach hinten verschoben werden, da die Einfahrt auf die Reichsstraße mit Langholz fast unmöglich war. Sämtliche Spraitbacher Zimmerleute halfen beim Abzimmern des Holzes auf dem Festplatz in der Hagenbuche zusammen.

Postbus nach Gschwend

Ab 1948 hatte die Arztpraxis von Dr. Kinkel ihre ersten Praxisräume im Gasthaus zum Adler, Dr. Kinkel ordinierte im Nebenzimmer der großen Wirtsstube. Die Wirtsstube diente als Wartezimmer und war für viele Kranke ein angenehmer Aufenthaltsraum nach dem Sprechstundenbesuch, wobei manches Viertele Remstäler genossen wurde. In den Zeiten, als Spraitbach noch keine Apotheke sein eigen nannte, konnten im Adler die ärztlichen Verordnungen abgegeben werden, mit dem Postbus wurden diese nach Gschwend zum Apotheker gefahren, tags drauf wurden die Medikamente im Adler angeliefert, Im Jahre 1978 erfolgte die Übergabe des Betriebs von Georg Bauer auf die Tochter Renate, diese führte die Gaststätte bis ins Jahr 1995, „mit ihrem ganzen Herzblut“ wie Gemeinderätin Sarah Heide erzählt. Bei ihr war jeder Gast willkommen, durch ihre Freundlichkeit und große Portionen bleibt sie unvergessen. Bis 2016 waren das Ehepaar Arthur und Ella Scheu Inhaber der Gaststätte.

Am Samstag, 25. September, steht eine große Enthüllung mit buntem Rahmenprogramm bevor. Die Landfrauen und der Schachverein sorgen für das leibliche Wohl, Beginn ist um 11 Uhr, die Örtlichkeit wird noch bekannt gegeben.

„Tochter Renate führte die Gaststätte mit ihrem ganzen Herzblut.“

Sarah Heide, , Gemeinderätin

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