Schnitzel im Lamm - einmal im Monat

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Lamm in Spraitbach: Nur noch ein Wochenende im Monat leuchten die Wirtsräume einladend nach aussen
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Warum das Lamm in Spraitbach die Öffnungszeiten reduziert hat und was die Wirtin Ute Artmann-Kunz für die Zukunft plant.

Spraitbach

Mit dem Jahresbeginn haben sich im Spraitbacher Traditionsgasthaus Lamm die Öffnungszeiten geändert, Wirtin Ute Artmann-Kunz öffnet für die Zukunft nur noch an einem Wochenende im Monat und gibt damit einigen „Stammtischen“ die Möglichkeit, ihre regelmäßigen Treffen abzuhalten.

Denn Ute Artmann-Kunz ist eine Gastwirtin, wie aus dem Lehrbuch. Für ihre Gäste hat sie sich zeit ihres Lebens ins Zeug gelegt, die Gasträume ständig jahreszeitlich ansprechend dekoriert und dafür gesorgt, dass nur gutbürgerliche Hausmannskost auf die Teller kommt.

Beurkundet ist, dass Utes Urgroßvater Gottfried Kunz im Jahre 1853 als der „erste Lammwirt“ in den Spraitbacher Chroniken auftaucht. Ute selbst ist als Gastwirtskind aufgewachsen. „Ich bin schon in jungen Jahren den Eltern zur Hand gegangen“, erzählt sie. Selbst den Betrieb einmal zu übernehmen, stand aber nie auf Utes Lebensplan. Rund 35 Jahr lang war das Lamm gut verpachtet, bis Familie Kunz einem „Mietnomaden“ aufsaß, der seine Pacht nicht zahlte. Und das ausgerechnet zu der Zeit, als Familie Kunz gerade einen größeren Umbau am Gebäude stemmen musste. „Die Finanzierung stand auf der Kippe“, erzählt Ute, der am Ende nichts anderes übrig blieb, als 2004 selbst in die Gastronomie einzusteigen.

„Vom ersten Tag an waren die Gasträume voll“ erinnert sich die Wirtin, die in den Anfangszeiten noch einer Festanstellung nachging. Diese Zeit ist Ute als anstrengend, aber auch schön in Erinnerung geblieben. Das rege Vereinsleben der Gemeinde fand nach den Trainings- oder Übungsstunden am späten Abend regelmäßig seinen Abschluss im Lamm, Utes Wecker klingelte morgens trotzdem.

Ute Artmann-Kunz zog die Reißleine und stieg aus dem Angestelltenverhältnis aus, widmete sich ganz der Aufgabe als Gastwirtin. Im Lamm sei immer etwas los gewesen, erzählt sie. Viele schöne Veranstaltungen wurden hier abgehalten. Der traditionelle Rathaussturm mit den „Landeiern“ wurde hier gefeiert. Es gab Karaokeabende und Live-Auftritte von Künstlern wurden im Lamm präsentiert. „Einmal war sogar Elvis hier“, erzählt Ute lachend vom Auftritt eines Doubles des Weltstars, das für Stimmung sorgte. Der angeschlossene Biergarten lud an schönen Tagen Radfahrer und Spaziergänger auf eine Erfrischung ein.

Für die Unterhaltung ihrer Gäste war Ute stets kreativ und ideenreich. Die erste Halloween-Party im Umland gab es im Lamm. Und während all der Jahre stand die Chefin selbst hinterm Herd. Mit Erfolg. Es habe Stammgäste gegeben, die extra eine weite Anfahrt in Kauf genommen haben, um Utes Rehbraten zu genießen.

Kurze Nächte, Küchendienst und daneben noch alles Schriftliche. Das war „jede Menge Arbeit“ aber „nie eine Last“. Im Verlauf der Jahre konnte sie viele Spraitbacher Jugendliche beim „Erwachsen werden“ begleiten, kleine Erstkommunikanten, die zehn Jahre später offiziell das erste Mal Alkohol in der Öffentlichkeit bestellen konnten. Corona sei nicht der Grund, warum die Öffnungszeiten jetzt auf ein Wochenende im Monat reduziert wurden, erklärt Ute, Artmann-Kunz. Klar, die ständig wechselnden Verordnungen seien nervig gewesen. Aber jetzt ist die Lammwirtin eben in einem Alter, in dem sie einmal an sich denken möchte und sich ihre Träume und Wünsche erfüllen will. Urlaube, Freunde im Ausland besuchen und Reisen. Auf vieles musste in den vergangenen Jahren verzichtet werden. Immer ging die Wirtschaft vor, selbst das Skifahren musste Ute sich verbieten: Ein gebrochener Knochen hätte für sechs Wochen Ausfall gesorgt. Irgendwann müsse einfach ein Schlussstrich gezogen werden, findet die stets fröhliche Gastwirtin.

Wie es jetzt mit dem Lamm weiter geht? Das sei noch nicht entschieden, sagt Ute Artmann-Kunz. Ob sie die Wirtschaft weiter verpachtet, konnte sie noch nicht entscheiden. Die schlechte Erfahrung mit dem Mietnomaden sitzt tief. Dies Speisekarte für dieses Jahr steht aber bereits fest. Fest steht damit auch: Die legendären Schnitzel soll es an allen Öffnungstagen geben.

„Die viele Arbeit war nie eine Last“.

Ute Artmann-Kunz,, Lammwirtin

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