Vandalismus - und die Suche nach Lösungsmöglichkeiten

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Ein Beispiel aus jüngster Zeit: Haufenweise Müll ist am und im See hinterlassen worden ist. Mitglieder des Bezirksfischereivereins Lein-Rems und Mitarbeiter der Gemeinde Spraitbach haben sich des Problems angenommen, den Unrat beseitig und hoffen nun, dass das respektiert wird.
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Worüber sich Verantwortliche und Bürger in Kommunen im gesamten Kreis zunehmend ärgern und wie sich sinnvoll gegensteuern lässt.

Spraitbach

Mal sind es aufgeplatzte Müllsäcke, die im Reichenbachstausee „entsorgt“ werden und nicht nur den Fischereiverein ärgern. Dann ist es eine aus der Verankerung gerissene Sitzbank, die den Hang hinunter gekippt wird. Oder es sind die netten Holzfiguren mutwillig beschädigt, die am Parkplatz des Waldkindergartens stehen und den Spaziergängern oder Ankommenden eigentlich ein fröhliches Lächeln entlocken sollen - immer wieder sinnlose Zerstörung. Aus Übermut? Im Vollrausch? Aus Rache? Aus Langeweile?

„Niemand weiß das so genau“, sagt Bürgermeister Johannes Schurr auf diese Fragen und gesteht dann, dass ihm noch die zündende Idee fehle, wie man diesen Vandalismus unterbinden könnte. Ganz offensichtlich gebe es eine gesellschaftliche Entwicklung, in der Respekt und Rücksichtnahme keine Werte mehr darstellen, in der in dieser Hinsicht nicht mehr erzogen wird.

Viele Reaktionsmöglichkeiten habe man schon durchdiskutiert, zählt der Bürgermeister auf: Überwachungskameras, einen kommunalen Ordnungsdienst, Appelle an die Vernunft. „Ich bin kein Freund der Vermeidung“, sagt Johannes Schurr aber auch - sprich: Er will weder die Grillstellen abbauen noch - überspitzt formuliert - den See ablassen. Vielmehr würde er sich wünschen, man könnte sich mit den Übeltätern an einen Tisch setzen und nach Lösungen suchen. Wobei das schon deshalb nicht ganz einfach sein dürfte, weil „ich glaube, dass es nicht nur Spraitbacher sind, die sich hier nicht im Griff haben“.

Denn Übermut, Zerstörung oder auch Partyreste, um die sich keiner der Verursacher kümmert, sind längst nicht nur in Spraitbach Thema. Es ließe sich leicht eine endlose Liste anfertigen, bei der kaum eine Kreisgemeinde ausgenommen wäre. Essingen zum Beispiel schließt deshalb jetzt nachts den Schlosspark. Mutlangen beschäftigt seit etlichen Jahren einen Kommunalen Ordnungsdienst, der an den Wochenenden jede Menge zu tun hat. Weshalb das Team die infrage kommenden Personen und Gruppen mittlerweile ganz gut kennt, wie der Bericht in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats gezeigt hat.

Die Leute zu kennen, zumindest eine Ahnung zu haben, wer es sein kann - das sei ein erster Schritt, solchen Problemen zu begegnen, sagt Diplomsozialpädagoge Michael Baltes, seit Jahrzehnten Chef des Kreisjugendrings. Schon oft haben er und sein Team betroffene Gemeinden bei den dann folgenden Schritten beraten. Diese gründen auf der Strategie, dass nicht zuerst von Erwachsenenseite nach Lösungen gesucht wird, sondern die Jugendlichen und Heranwachsenden quasi in eigener Sache aktiv eingebunden sind.

Was fehlt euch in der Gemeinde? Was könnt und wollt ihr selbst auf die Beine stellen? „Das sind die Einstiegsfragen in diesen Prozess, in den zum Beispiel auch die Jugendleiter in den Vereinen eingebunden werden können“, erzählt Baltes. Der gute Erfahrung damit gemacht hat, wenn solche Veranstaltungen „von außen“ moderiert werden - zum Beispiel von den Experten des Kreisjugendrings. Und auch, wenn die Nachbargemeinden in diesen Prozess gleich mit eingebunden werden. Denn die Jugendlichen kennen sich aus der Schule, weshalb Dorfgrenzen im sozialen Umfeld keine oder eine nur geringe Rolle spielten.

Sinnvoll sei es, meint Baltes, das kommunale Engagement zur Jugendpolitik mit einer Auftaktveranstaltung bewusst in Gang zu setzen. Das könne helfen, Bedarf und Lücken aufzuzeigen, es fördere aber auch den lösungsorientierten Ideenwettbewerb und erleichtere es, jugendgemäße Beteiligungsformen in der Gemeinde dauerhaft zu installieren. Ganz abgesehen davon, dass die Jugendlichen oft am besten wüssten, wie man denen beikommen kann, die auf Zerstörung aus sind - ganz gleich ob aus Langeweile, Frust oder Unmut.

Die Leute zu kennen, ist ein erster Schritt.“

Michael Baltes,, Kreisjugendreferent

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