Wo der Geißenbauer und seine Ziegen Platzwart waren

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Bürgermeister Johannes Schurr und eine Abordnung Spraitbacher Fußballer am einstigen Binsenlachstadion.
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Vierte Station des Geschichtspfades erinnert an das „Binsenlachstadion“ - den alten Sportplatz.

Spraitbach. Jubiläum coronakonform - in Spraitbach heißt das, dass zum 725-jährigen Bestehen an jedem 7. und 25. des Monats Tafeln enthüllt werden, die an vergessene oder umgenutzte Orte erinnern. Damit feiert das Dorf „scheibchenweise“, meint Bürgermeister Johannes Schurr bei der Veranstaltung am „Binsenlachstadion“. Dank sinkender Inzidenzzahlen können die Spraitbacher jetzt bei der Aktion und am anschließenden kleinen „Jubiläumsumtrunk“ teilnehmen, ein Umstand, der den Schultes sehr freut.

Das ehemalige Binsenlachstadion liegt in der Eugen-Hahn-Straße, gegenüber dem Gelände des Autohaus Bressem, wo nach der Enthüllung die Bewirtung war. Die neue Info-Tafel steht an einer „Holperwiese“ und weise auf die sportliche Entwicklung der Gemeinde hin, denn Fußball wurde hier nicht erst mit der Gründung des FC Spraitbach 1946 gespielt, sagte Schurr. Bereits in den 1930er Jahren versuchte sich die Dorfjugend am Spiel mit dem runden Leder. Die Pflege des Platzes oblag einem Geißenbauer. Und je nachdem wie groß der Hunger der „tierischen Rasenmäher war“, sei das Binsenlachstadion entweder in einem „schlechten oder miserablen“ Zustand gewesen, beschrieb der Bürgermeister launig.

Wegen steigender Lebensmittelknappheit nach Kriegsende wurden Teile des Stadions in Kleingärten umgewandelt, 36 dieser Gartenanlagen wurden auf der Fläche zwischen Eugen-Hahn-Straße und der Lindensiedlung zugeteilt.

1949 erhielten die Sportler ihre „Farrenwiese“ in alter Größe zurück, die Grasfläche, unterbrochen von großen Sandflächen vor den Toren, wurde im Sportlermund liebevoll zum „Binsenlachstadion“ umbenannt. Und sorgte unter den Spielern und den Landwirten regelmäßig für Ärger: Flog der Ball ins „Aus“ und damit ins benachbarte Ährenfeld, hatte dies ein Labyrinth an Trampelpfaden zur Folge, was die Landwirte nicht witzig fanden. 1965, mit dem Bau des neuen Sportplatzes bei der Schule fiel der Vorhang für das „Binsenlachstadion“.

Die Herkunft des Namens „Binsenlach“ rührt wahrscheinlich aus der Gewanneinteilung vergangener Zeiten. Eine „Binsen-Lach“ war demnach ein sehr nasser Boden, nur hier wuchs die widerstandsfähige Binse, eine Art Sauergrasgewächs. Eine „Lach“ ist im schwäbischen“ schlicht eine Pfütze. Eine Umkleide mit Dusche in unmittelbarer Nähe des alten Stadions gab es damals noch nicht. Teilweise wurde früher von den auswärtigen Spielern der Badzuber im Gasthaus „Adler“ genutzt. Aber egal, unter welchen Umständen die Sportler dem Leder nachjagten, „der Sport stand im Vordergrund“, meinte Bürgermeister Schurr. Andrea Rohrbach

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