Auf Einkaufsrunde bei Tante M

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Einkaufen bei Tante M in Börtlingen.
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Eine Filiale des Nahversorgers könnte diese Lücke in Wißgoldingen schließen. So kauft es sich in dem Selbstbedienungsladen ein – ein Besuch in Börtlingen.

Börtlingen/Wißgoldingen

Sieben Tage die Woche zwischen 5 und 23 Uhr Lebensmittel und die notwendigsten Haushaltswaren einkaufen, das wäre möglich mit einer Tante-M-Filiale in Wißgoldingen, für die die Verwaltung gerade einen Standort sucht. Doch wie funktioniert das Einkaufen, wenn keine Angestellten im Laden sind und niemand an der Kasse die Waren abrechnet? Ein Einkauf in der Börtlinger Filiale soll’s zeigen.

Der Besuch beginnt mit einem Kompromiss, denn zum im Rathausgebäude untergebrachten Laden führt eine Treppe. Für jene, die auf einen ebenerdigen Eingang angewiesen sind, gibt es einen barrierefreien Eingang hinterm Gebäude, der ist allerdings nur zu den Öffnungszeiten des Rathauses zugänglich. Vorne geht’s durch die Schiebetür, hinein in den übersichtlich gestalteten Raum mit den Wänden im Tante-M-typischen roten Backsteindesign. Einen der Einkaufskörbe am Eingang gegriffen und los geht’s. „Knapp 1100 Artikel vom Kaffee bis zur Zahnbürste“ führt jede Tante-M-Filiale, sagt Jochen Schwab. Er betreibt nicht nur die Läden in Börtlingen, Nürtingen und Gruibingen, sondern ist außerdem Leiter Expansion, Franchise und Controlling bei Tante M. Von jedem Produkt stehen ein bis zwei im Regal, sagt er, ein Markenartikel und eine preiswertere  Variante. Das kann beispielsweise der Oriza-Reis und die „gut- und-günstig“-Variante der Edeka sein, die neben Utz die Tante-M-Läden beliefert.

Keine krummen Beträge

Was gleich ins Auge sticht: „Wir haben hier gerade Preise.“ Waren mit den üblichen Schwellenpreisen – beispielsweise 1,99 Euro oder 89 Cent - gibt es nicht. Das liegt an der Möglichkeit, bar zu zahlen. Dafür müssen  Kunden den genauen Betrag  in die Kasse einwerfen, wenn sie nicht mit EC- oder Kundenkarte zahlen, und dafür sollten sie keine krummen Cent-Beträge zusammenkratzen müssen. Die Preise seien trotz der gerundeten Cent-Beträge vergleichbar mit denen bei Edeka oder Rewe, sagt Schwab.

An Müsli, Brotaufstrichen, Nudeln, Backzutaten auf der einen und Gewürzen, Senf, Konservendosen und Suppenpulver auf der anderen Regalseite vorbei geht es zu einer Auswahl Tiefkühlprodukte. Neben Klassikern wie Pizza und Spinat gibt’s dort etwas Besonderes: Eis vom hiesigen Landwirt. Eine Anregung der Kundschaft, die Tante M grundsätzlich gerne umsetze, „wenn‘s machbar ist“, sagt Schwab. Grundsätzlich gilt: Ob ein Produkt im Angebot bleibt, kommt auf die Nachfrage an. „Wir merken schnell, was nicht läuft.“  Im Kühlschrank des Börtlinger Tante M stehen besonders viele Weideglück-Produkte – weil die örtlichen Bauern ihre Milch dorthin liefern, erklärt Schwab. Es kann aber ebenso das Mehl aus der regionalen Mühle oder der Saft vom Produzenten vor Ort sein. „Wir versuchen, so viele regionale Produkte wie irgend möglich unterzubringen.“

Das schwierigste Produkt

Weiter geht’s zum Obst und Gemüse-Regal. „Das schwierigste Produkt bei Tante M“, sagt Schwab. Das zeigt sich an der sparsamen Bestückung mit einigen Möhren, Gurken, Paprika und in Plastikfolie verpacktem Eisbergsalat. Schließlich räumt hier niemand abends die Ware in einen Kühlraum, wenn sich die Türen um 23 Uhr automatisch verschließen.

An der nächste Ecke gibt’s unter anderem Dosenwurst ein kleines Sortiment Backwaren, außerdem eine palettengroße Aktionsfläche, auf der sich zur Zeit weihnachtliche Süßwaren stapeln. Auch eine Grundausstattung an Hygiene- und Reinigungsartikeln sowie Schreibwaren und Haushaltshelfer  finden Kunden hier. Ebenso eine Auswahl an Getränken, nur Alkohol gibt’s in keinem Tante M, schließlich muss das Jugendschutzgesetz auch ohne Kontrolle durch Personal greifen.

Um die nächste Regalecke mit den Knabbersachen geht’s, ganz klassisch, vorbei an Schokoriegeln und ähnlichem  zur Kasse. Dort hält der Einkaufende den Barcode an jeder seiner Waren vor den Scanner. Ist alles erfasst, fällt er auf dem Kassen-Display per Touch die Entscheidung für die Bezahlung in bar, per EC- oder Kundenkarte, zückt das entsprechende Zahlungsmittel für die Kasse oder das Lesegerät und bekommt dann einen Bon ausgedruckt. Kommt jemand nicht mit dem Bezahlen klar, kann er die Hotline-Nummer anrufen, die für alle Fälle an der Kasse steht. Rund 30 Prozent der Kunden in jeglichem Alter zahlen bar, sagt Schwab. Und wirbt für die Kundenkarte. Die kann per EC-Karte oder bar im Laden aufgeladen werden, funktioniert gebührenfrei und ohne PIN. Tante M möchte weg vom Bargeld-Modell. Weil „Bargeldentsorgung“ teuer sei, sagt er. Und, weil das Geld in der Kasse täglich abgeholt werden muss.

Ansprechpartner für die Kunden

So ganz auf sich gestellt sind die Kunden, abgesehen von mehreren Kameras zur Videoüberwachung, sowieso nicht. An sechs Tagen pro Woche  kümmern sich Mitarbeiter im Laden um Bestellungen, machen die Eingangskontrolle an den höchstens zweimal wöchentlich angelieferten Waren, rücken die Produkte in den Regalen zurecht, überprüfen sie auf ihre  Mindesthaltbarkeit und sorgen für Sauberkeit. Außerdem gibt’s Service in Präsenz. „An drei Tagen wollen wir verbindliche Anwesenheitszeiten“, sagt Schwab. Dann finden Kunden Ansprechpartner für jegliche Fragen oder können eine Kundenkarte anfordern. Sind’s nicht die Mitarbeiter, treffen auch mal zufällig Kunden aufeinander. Dann kommt ein Schwatz zum Einkauf dazu.  

Einkaufen bei Tante M in Börtlingen.
Einkaufen bei Tante M in Börtlingen.
Einkaufen bei Tante M in Börtlingen.
Jochen Schwab ist bei Tante M nicht nur zuständig für Expansion, Franchise und Controllling, er kümmert sich außerdem um drei von ihm betriebene Filialen - wie die in Börtlingen.

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