„Friede beginnt bei jedem Einzelnen persönlich“

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Volkstrauertag am Sonntag auf dem Waldstetter Friedhof

So hat die Gemeinde Waldstetten an die unzähligen Toten durch Krieg und Terror gedacht.

Waldstetten. Der Friedensgedanke stand an allererster Stelle bei der Feierstunde zum Volkstrauertag in Waldstetten. Dies zeigte sich sowohl in der Liedauswahl der Solistin Dorothee Schock und Pianist Samuel Fauser, als auch in der Rede von Bürgermeister Michael Rembold und der von Pfarrer Jörg Krieg gewählten Bibelstelle.

Mit „Schalom heißt Friede“ richtete Pfarrer Krieg dann auch seine Worte an die Besucher der Feierstunde. Schon Jesus habe vorgelebt, „wenn Ihr ein Haus betretet, grüßt die Bewohner mit dem Friedensgruß.“ Der Volkstrauertag zeige die Welt, in der wir leben. „Doch sie ist nicht ohne Hoffnung“, ist sich Pfarrer Krieg sicher und zitierte die endzeitliche Friedensvision des Propheten Jesaja, in der es heißt, dass Gott die Völker richten und zurechtweisen werde, „daraufhin werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

Viele mussten ihr Leben lassen

„Der Friede ist wie eine Blume – sie erfreut unsere Herzen. Wird sie gepflegt und bekommt Sonne und Wasser, dann gedeiht sie“, begann Rembold seine Rede in der Aussegnungshalle. Für ihn bedeute Friede, im Gespräch zu bleiben und die Hand zu reichen. Nur wenn die Menschen mit sich im Reinen seien, können sie Frieden leben. „Friede beginnt bei jedem Einzelnen persönlich“, stellte er klar. Und der Volkstrauertag sei Mahnung, betonte Rembold. In Waldstetten für die 70 Vermissten und Gefallen im Ersten Weltkrieg sowie die 182 Vermissten und Gefallenen im Zweiten Weltkrieg. „Viele junge Menschen mussten dabei ihr Leben lassen. Die Erinnerung an sie darf nie ausbleiben.“ Daher seien die Namen all dieser Männer auf dem Ehrenmal in Waldstetten und Wißgoldingen verewigt.

Bürgermeister Rembold dankte allen vorherigen Generationen für deren Aufbauarbeit nach den Weltkriegen zum Wohle der jüngeren Generation und betonte nochmals: „Der Friede ist ein zartes Pflänzchen und baut auf Vertrauen auf. Dialog, Gespräche und Diplomatie müssen an erster Stelle stehen.“

Wie jedes Jahr beteiligte sich eine Klasse der beiden örtlichen Schulen mit einem Beitrag an der Feierstunde. In diesem Jahr waren es Romy Jennes, Philine Karipoglou, Justija Zubaviciute, Marlin Gebhardt und Maximilian Weirich von der Gemeinschaftsschule Unterm Hohenrechberg mit ihrer Lehrerin Hrisanti Walter. Sie rezitierten beeindruckend den Zeitzeugenbericht des 20-jährigen Gmünder Soldaten Alfred Wiedmann, in dem dieser seine Erlebnisse als Westwall-Arbeiter zwischen Juni 1939 und seinem Einzug als Kriegsfreiwilliger zum Arbeitsdienst im September 1939 schilderte.

Bevor Pfarrer Andreas Braun die Besucher zum Entzünden ihrer mitgebrachten Kerzen am Friedenslicht einlud, sprach er ein Gebet zum Gedenken an die unzähligen Toten durch Krieg und Terror. Anschließend begab sich ein Trauerzug aus Fahnen- und Standartenträgern sowie der Bürgerschaft zum Ehrenmal, wo in diesem Jahr erstmals ein aus Kerzen gelegter Friedensengel wartete. Diesen Teil der Feierstunde umrahmte das Blechbläserensemble des Musikvereins Waldstetten. Die Schülerin Romy Jennes sowie der Jugendbeiratsvorsitzende Tim Reißmüller hatten zwei emotionale Gedichte mitgebracht, die zum Nachdenken anregten.

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