Das Waldstetter Rathaus als Ort des Miteinanders

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Architekt Michael Pfeifer (r.) überreicht den symbolscihen Schlüssel fürs Interimsrathaus an Bürgermeister Michael Rembold.
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Der Interimssitz der Waldstetter Verwaltung ist nun offiziell seiner vorübergehenden Bestimmung übergeben.

Waldstetten. „Wir danken sehr für die Einladung zur Einweihung des neuen Beichtstuhls“, freute sich der katholische Pfarrer Dr. Horst Walter für sich und seinen evangelischen Kollegen Jörg Krieg. Und nein, Sie sind nicht im falschen Artikel: Die beiden Waldstetter Pfarrer segneten am Freitagnachmittag selbstverständlich das neue Interimsrathaus an der Bettringer Straße. Walter griff lediglich eine Feststellung von Bürgermeister Michael Rembold auf, der zur Einweihung des Übergangsrathauses festgestellt hatte, „für mich ist das Rathaus eine Art Beichtstuhl“. Denn: Die Leute schütteten bisher im alten Rathaus ihre Sorgen aus. Und das soll auch im neuen so bleiben, wünscht sich der Bürgermeister. „Das Rathaus ist für mich nicht die Behörde, sondern ein Haus des Bürgers“, wo es Rat gibt und man sich versammelt. Ein Rathaus sei eine der letzten Anlaufstellen mit Ansprechpartnern in Zeiten der Digitalisierung. Die Bürgerschaft solle das Haus gemeinsam mit der Verwaltung in Besitz nehmen. Dass das Rathausteam hinter diesem Wunsch steht, davon zeugte eine Staffelei neben dem Rednerpult, darauf ein Foto von der ganzen Mannschaft, versehen mit dem Spruch "Wir sind für euch da". Aus der Kraft solchen Miteinanders ließen sich auch Konflikte gemeinsam lösen, sagte Rembold.

Des Bürgermeisters Freude über die Einweihung wurde lediglich dadurch getrübt, dass pandemiebedingt gerade mal 75 geladene Gäste zur Feier ins Zelt neben dem Neubau geladen waren. "Nach Waldstetter Verhältnissen wäre es so, dass heute ein Volksfest stattfindet", spielte Rembold auch in diesem Zusammenhang auf das herrschende Gemeinschaftsgefühl an. Das zumindest mit einem Tag der offenen Tür an diesem Samstag von 14 bis 18 Uhr gepflegt wird. Doch das neue Rathaus steht für noch mehr: "Es ist ein Symbol für verständnisvolles, achtsames soziales Miteinander", sagte Rembold. Denn wenn das Rathausteam letztendlich ins neu zu bauende Rathaus im Ortskern umziehen kann, werden aus den Verwaltungsräumen Sozialwohnungen. Darüber hinaus ersetzt das Interimsrathaus nicht nur das baufällige Haus, in dem bisher Geflüchtete und sozial schlecht Gestellte untergebracht waren. Es spart auch eine Menge Kosten für Container, in die die Verwaltung stattdessen übergangsweise hätte ziehen müssen. "Sie dürfen stolz sein, was Sie beschlossen haben", sagte Rembold darum an den Gemeinderat gewandt. Und war gleichfalls stolz, dass die geplanten Baukosten in Höhe von 3,2 Millionen Euro ebenso wie die veranschlagte Bauzeit eingehalten worden sind. So überreichte Architekt Michael Pfeifer gleichsam zufrieden den zu einem symbolischen Schlüssel geformten, großen Hefezopf.

Kürzeste Dienstwege

Dass es von Vorteil ist, dass die Verwaltung weiterhin gemeinsam mit den Mitarbeitern der örtlichen Polizeidienststelle im gleichen Gebäude arbeitet, unterstrichen sowohl der Bürgermeister als auch der Amtsleiter des Gmünder Polizeireviers, Markus Deuter. "Der kurze Dienstweg ist hier in Waldstetten wahrlich sehr kurz", lobte er. Darum könne die Interimszeitruhig länger dauern, denn mit dem neuen Rathaus werden diese Wege geringfügig weiter. Deuter betonte, dass wie die Waldstetter Verwaltung sich auch seine Mitarbeiter "als bürgernahe Polizei" verstehen. Und er gratulierte Frank Belstler, der Anfang 2020 eigentlich nur für ein Jahr zum Polizeiposten Waldstetten abgestellt wurde und nun seit kurzem dauerhaft dessen Leitung übernommen hat.

Die Grußworte von CDU-Staatssekretär Norbert Barthle, der für alle Abgeordneten sprach, klangen deutlich nach Abschied, denn er tritt "nach 8400 Tagen" nicht mehr als Bundestagskandidat an. Oft sei er in dieser Zeit nach Waldstetten gekommen, denn "die Waldstetter können vieles gut und besonders gut feiern", scherzte er. Und meinte dann wieder ernsthaft, dass Waldstetten eine der begehrtesten Gemeinden in der Region sei. Und das liege auch "an der klugen Kommunalpolitik". Denn das Geld für das Interimsrathaus sei gut angelegt. Dass die Waldstetter wegen der pandemiebedingt eingebrochenen Einnahmen den Bau des neuen Rathauses noch schieben und sparsam mit den Steuergeldern der Bürger umgehen, findet er richtig. Und ein bisschen klang er dann doch nach Wahlkampf, denn das Lob für die energiesparende Bauweise des Interimsrathauses verknüpfte er mit dem Problem des Klimawandels, das man europa- und weltweit in den Griff bekommen müsse, darum sei wichtig: "Gehen Sie wählen."

Die Gäste, beschwingt von den Darbietung der beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" jüngst ausgezeichneten Percussionisten der Musikschule Waldstetten, folgten zunächst einmal den beiden Geistlichen zur Segnung der Räume im Interimsrathaus, das, betonte Pfarrer Krieg, "ein Haus für alle Menschen" jeglichen Glaubens und jeglicher Herkunft sein soll. Anja Müller

Einweihung im für Waldstetten sehr kleinen Kreis: 75 geladenen Gäste waren bei der offiziellen Übergabe und Segnung des Interimsrathauses dabei.

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