Wenn die Natur Begegnungen schafft

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Thilo Störzer und Daniela Eisele sind die Kümmerer der Aktionsgruppe Natur im Wißgoldinger Quartiersprojekt "Wir leben Dorfgemeinschaft"; die Gruppe will den Wißgoldingern niederschwellige Angebote vor der Haustür bieten.
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Die Aktionsgruppe Natur im Wißgoldinger Projekt „Wir leben Dorfgemeinschaft“ will gemeinsame Erlebnisse vor der Haustür bieten und dafür Themen aus dem Dornröschenschlaf wecken.  

Waldstetten-Wißgoldingen

Man kommt an der Natur hier nicht vorbei“, sagt Thilo Störzer. Und ist sich darin einig mit Daniela Eisele. Beide sind in Wißgoldingen aufgewachsen und hegen spürbar Begeisterung für das, was andere als, wie Thilo Störzer sagt,  „Schwäbische Highlands“ oder „Schwäbische Toskana“ bezeichnen. Daniela Eisele hat im April den Vorsitz im örtlichen Obst- und Gartenbauverein übernommen, zuvor hatte ihn ihr Vater inne. Und Thilo Störzer hat insbesondere während der Corona-Pandemie erlebt, dass etwa mit seinen jetzt fünf- und achtjährigen Söhnen in der Natur trotz Absonderung noch viele Aktivitäten möglich sind, fotografiert außerdem leidenschaftlich gern und empfindet die Natur um Wißgoldingen - „das Juwel vor der Haustür“ -  als erholsam und wohltuend. Mit dieser Grundeinstellung engagieren sie sich als Kümmerer in der Aktionsgruppe Natur im Quartiersprojekt „Wir leben Dorfgemeinschaft“.

Um die 50 Ideen habe eine gute Handvoll Interessierter beim Auftakttreffen der Aktionsgruppe Natur Ende April zusammengetragen, erzählt Daniela Eisele. Zur Umsetzung in die Praxis eindeutig zu viel, aber „wir wollten keine gedankliche Einschränkung“, sagt Thilo Störzer. Klar war: Niederschwellige Angebote für die Wißgoldinger sollen es sein und Naturschutz soll eine elementare Rolle spielen, sagt Daniela Eisele. Aus der Vielfalt haben die fünf bis sieben Mitglieder der Aktionsgruppe, die sich regelmäßig treffen, „prominente, hervorstechende Aktionen“ herausgepickt. Ein Projekt pro Quartal habe sich die Gruppe vorgenommen. Los ging‘s mit einer Wanderung unter dem Motto „Was blüht denn da?“ Wobei, weit gekommen sei die etwa 20-köpfige Gruppe nicht, sagt Daniela Eisele, die als ehrenamtliche Streuobst-Pädagogin die Führung übernommen hatte. So viel gab’s am Wegesrand zu entdecken und zu benennen, dass die Wegstrecke am Stuifen ziemlich kurz ausfiel.

Im Herbst soll nun eine Führung zum Thema Pilze folgen, allerdings fehle dafür noch ein Experte, sagt Störzer und nennt Wildkräuter als mögliches Ersatzthema. Ebenfalls auf der Ideenliste stehen Besuche in einer Imkerei oder Schäferei ebenso wie die mögliche Pflanzung einer Feldhecke. Thilo Störzer kann sich auch das Thema Naturfotografie vorstellen und bringt außerdem eine Zukunftsidee für ein Sommerferienprogramm ins Spiel: einen Rundgang für Kinder mit einem Erlebnispädagogen und entsprechenden Aktionen am Stuifen.

 Worauf auch immer das Programm der Aktionsgruppe hinausläuft, „das gemeinsame Erleben macht’s aus", sagt Daniela Eisele. Ebenso gehe es um Bewusstsein für die Zusammenhänge in der Natur.  Und darum, zu verstehen, warum manche Dinge nicht mehr so gut funktionieren.  Wobei sie etwa das Thema Nachhaltigkeit - wie der Name schon sagt - eher beim Verein "Nachhaltige Zukunft Waldstetten" sieht. Grundsätzlich sollen die Angebote der Aktionsgruppe Natur offen sein für alle Altersgruppen. Eine Wildkräuterwanderung etwa werde oft mit Senioren als Interessenten verknüpft. Daniela Eisele unternimmt solche Aktionen mit Schulklassen, hat sie aber auch schon für die Wißgoldinger Stuifen-Hexen angeboten. Die Herangehensweise ans Thema ist logischerweise unterschiedlich und erstere machen zum Abschluss ein Picknick mit Kräuterquark und Co., letztere kochen mit den gesammelten Kräutern. 

Strukturen stärken, Begegnungen ermöglichen

Abzugrenzen, was das vom Land geförderte Quartiersprojekt erreichen soll, das seit Anfang des Jahres bis Herbst 2023 läuft, sei wichtig gewesen, sagt Thilo Störzer.  Strukturen stärken und Begegnungen ermöglichen, nennt er als Eckpunkte. Aktionen könnten folglich Themen aufgreifen, die sich im Dornröschenschlaf befinden, die nicht erkannt wurden oder für die sich keiner zuständig fühlt.  Wichtig sei auch, „keinen blinden Aktionismus“ an den Tag zu legen, betont Daniela Eisele, sondern „mit Maß und Ziel“ vorzugehen. Sie erklärt das am Beispiel Feldhecke. Die schütze vor Bodenerosion und biete vielen Insekten, Kleinsäugern und Vögeln einen Lebensraum. Herangehen könnte man an das Thema mit einer Heckenwanderung. Daraus entwickeln könnte sich, gemeinsam einen solchen Heckenstreifen anzulegen. Bevor es losgeht, müsste allerdings geklärt sein, ob dafür ein Grundstückseigentümer den Platz zur Verfügung stellt und ob es hinterher auch Leute gibt, die sich um die Pflege der Hecke kümmern, zählt Daniela Eisele auf.  

Ebenso wichtig ist den Kümmerern der Grundsatz: keine Konkurrenz zu den Vereinen. Einen Baumschnittkurs etwa, wie ihn der Obst- und Gartenbauverein anbiete, werde die Aktionsgruppe Natur sicher nicht anbieten, sagt Daniela Eisele. Nach Ende des Projekts können Themen wie etwa Wanderungen beim Dorfverein verbleiben, oder Vereine könnten sich derer annehmen. Vielleicht gehört dann auch die Pilzwanderung zu den regelmäßigen Angeboten. Eine solche soll es nun erstmals am 30. September geben, weitere Infos folgen. An einem Freitag übrigens, wie alle Angebote der Aktionsgruppe. Von „Fridays for nature“ spricht deshalb Thilo Störzer. Und meint damit nicht nur die warmen Monate, sondern ist überzeugt: „Natur kann man in jeder Jahreszeit erleben.“      

Wer sich für die Aktionsgruppe Natur und ihre Ideen interessiert oder sich gern einbringen möchte, erreicht die Kümmerer per E-Mail an: : fridayfornature@web.de.

Die Gmünder Tagespost stellt in lockerer Folge die Arbeit der sieben Aktionsgruppen im Wißgoldinger Projekt „Wir leben Dorfgemeinschaft“ vor. Wer an diesem Bürgerprojekt mitwirken möchte, kann sich für weitere Auskünfte bei Quartiersmanagerin Magdalene Rupp unter der Telefonnummer (07171) 40357 oder per E-Mail an: magdalene.rupp@haus-lindenhof.de melden.                

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