Die kleine Städtereise nach Bayern

Tour fünfzehn In Nord-Süd-Richtung liegt Ellwangen am viel befahrenen Jagsttal-Radweg. Aber auch der Blick nach Osten lohnt sich: Mit einer 60-Kilometer-Runde lässt sich eine kleine Rad-Städtereise nach Bayern schaffen.
  • Schön, aber ein bisschen holprig: die historische Innenstadt in Dinkelsbühl und ihr Kopfsteinpflaster.

Ellwangen

Ab nach Osten

Start der Tour ist auf dem Marktplatz in Ellwangen. Durch die Apothekergasse fahren wir los, dann den Radweg in östliche Richtung. Über die Kreuzung, in der Schlossvorstadt zum Wanderweg (blaues Dreieck), der an den Schlossweihern vorbei leicht aufwärts führt. Der Weg ist etwas holprig, aber dafür vollkommen autofrei. Auf der Höhe angekommen überqueren wir die Straße, dann folgen wir weiter dem blauen Dreieck (bis zu einem Linksabzweig im Wald, wo der Weg zum Wandern, aber nicht zum Radeln einlädt). Hier fahren wir lieber geradeaus weiter, ein Stück der Autobahn entlang, dann links (700 Meter nachdem wir die A 7 berührt haben) zum Schlierbachsee. Den See lassen wir links liegen und radeln zur Rötlenmühle – und zum ersten Mal ist hier, auf einem kleinen Radwegschild, unser erstes bayerisches Ausflugsziel Dinkelsbühl angegeben. Nach Rötlen folgen wir der Straße nach Pfahlheim. Dort umfahren wir den Ort links. Nach der Straßenüberquerung folgen wir dem gekennzeichneten Limes-Wanderweg, der bald auf einem Wiesenweg am Waldrand verläuft, ehe wir Halheim erreichen.

Wie ein langer ruhiger Fluss

Wer eine Sehenswürdigkeit nach der anderen am Wegesrand sehen will, für den ist eine Tour durch die Gegend zwischen Ellwangen und Dinkelsbühl nicht das richtige. Eher für Leute, die Filmtitel wie „Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss“ mögen. Es lohnt sich dennoch die Augen offen zu halten für die kleinen Dinge am Wegesrand, zum Beispiel einen schön gepflegten, aus Buchen gewachsenen Torbogen am Kirchhof in Halheim. 500 Meter nach dem Ortsausgang links ab, wir passieren den Platz, wo zur Zeit der Römer ein Kastell stand. Eine von Hecken umstandene Wiese zeigt die Größe der kleinen Siedlung an. Es ist ein Denkmal der minimalistischen Sorte, man könnte auch sagen, realistischen Sorte: Nach 2000 Jahren ist halt meistens nicht mehr viel übrig von menschlichen Errungenschaften. Wir folgen hier dem Limeswanderweg, der bald über einen Höhenrücken führt, von dem aus man gleichzeitig über fränkische und schwäbische Höhen sieht – links erblickt man die Berge rund um Dinkelsbühl, rechts sieht man zurück bis zu den Albhängen bei Aalen. Dann geht’s auf einer Straße abwärts bis Dambach. Dort folgen wir dem ausgeschilderten Radweg Richtung Mönchsroth.

Nach Dinkelsbühl

Von Mönchsroth aus sind es noch gut vier Kilometer bis Dinkelsbühl, auf einer Radweg-Autobahn, deren Frequenz man auch daran ablesen kann, dass vor dem Ortsausgang ein Gasthaus mit dem Prädikat „radlerfreundlich“ wirbt. Der gut ausgebaute, aber ein bisschen langweilige Radweg bringt uns direkt aufs südliche Stadttor von Dinkelsbühl zu, das Nördlinger Tor. Die wenig aufregende Anfahrt lohnt sich: Dinkelsbühl ist ein malerisches Mittelalter-Städtchen, „Deutschlands schönste Altstadt“ kann man auf einem Schild lesen. Wobei man womöglich in der Radlergruppe zu diskutieren anfängt, ob’s nicht zu sehr Richtung Puppenstube geht, dass die Geschäftshäuser nur in historisierender Frakturschrift beschriftet sein dürfen. Was übrigens bei einem asiatischen Restaurant oder einem Kebap-Imbiss extra exotisch aussieht. Andererseits, warum dem Auge nicht mal eine Pause gönnen vom üblichen H&M-, dm-, müller-Schilderwald süddeutscher Innenstädte; Neonreklame sucht man im historischen Zentrum vergebens. Straßen, auf denen man als Radler nicht vom Kopfsteinpflaster durchgeschüttelt wird, allerdings auch.

Schleife über Rechenberg

Für den Rückweg nehmen wir eine andere Strecke, fast noch schöner als vorhin. Durch eine verkehrsarme Gegend – die vielleicht wichtigste Voraussetzung, die Radfahren zum ungetrübten Genuss macht. Zudem mit wenig Anstrengung zu radeln, weil nahezu flach.

Zuerst, vom Stadttor aus, 800 Meter auf dem Hinweg zurück, dann rechts ab, dem Radweg-Schild folgen. Am Walkweiher vorbei, nach Sittlingen, Langensteinbach und Grobenhof. Von Grobenhof weiter im Rotachtal in Richtung Wört, kurz vor dem Ort an der Jammermühle links, um der Hauptstraße zu entkommen. Von Wört in Richtung Konradsbronn, auf dem Radweg weiter bis Georgenstadt. Hier starten wir die lohnenswerte Schleife nach Norden, die das Ende der Tour noch ein wenig hinauszögert: Nach wenigen Kilometern steht man plötzlich vor einer recht großen Kapelle mitten im Wald, dem Wallfahrtsort „Matzenbacher Bildkapelle“. Dann folgen ein paar hundert Meter auf einer dieser ausgewalzten Windrad-Transport-LKW-Pisten, später auf schöner Schotterabfahrt ins Tal nach Rechenberg.

Von hier aus kann man sich kaum mehr verfahren: Einfach dem schönen Rotbachtal abwärts folgen bis zur B 290, dort auf den Jagsttal-Radweg, der uns über Rindelbach wieder nach Ellwangen zurückbringt.

Die GPS-Daten zum Download:

© Schwäbische Post 31.07.2018 14:52
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