Ersatzteile von Amazon

  • Ein Pilot der Flugbereitschaft steht auf dem Flughafen neben einer Global 5000. Foto: Jochen Lübke/dpa

Jetzt hat es also den Entwicklungsminister getroffen. Nachdem die Kanzlerin schon verspätet in Buenos Aires ankam, weil ihr Flugzeug kaputt war, und zuvor schon in Indonesien Mäuse Kabel an Olaf Scholz‘ Flugzeug anknabbert hatten, steckt nun Gerd Müller in Malawi fest. Ein fehlendes Ventil verhinderte seinen Weiterflug nach Sambia.

Der Minister fürchtet nun um den Ruf der Bundesrepublik. Die Pannen der Flugbereitschaft hätten eine „enorm negative Symbolwirkung für das High-Tech-Land Deutschland“, stellte Müller fest. Die Sambier trauten ihren Augen kaum, dass fehlende Ventile deutsche Minister lahmlegen können.

Was also tun, um die Ehre des Landes zu retten? Wie so oft bietet auch hier die Digitalisierung Lösungen: Man könnte die Flieger doch einfach mit einem Bestellknopf des Online-Händlers Amazon ausstatten. Jedes Mal, wenn etwas kaputt geht, drückt man einfach drauf und bekommt das Teil geliefert. Es gibt ja praktisch nichts, was der US-Riese nicht im Angebot hat.

Einen kleinen Haken hat das Ganze natürlich: Der Knopf verrät einem nicht den Preis der Ware. Man müsste sich schon auf die Integrität des Konzerns verlassen. Aber wieso sollte man dem datensammelnden, steuer- und tarifflüchtigen US-Riesen auch misstrauen? Immerhin hätte Müller das Ventil noch am selben Tag gehabt. Und der Ruf Deutschlands wäre gerettet.

Igor Steinle
© Südwest Presse 11.01.2019 07:46
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