Interview

„Müssen zurück auf die Straße“

  • Helena Marschall organisiert die „Fridays for Future“-Demos mit. Foto: Yann Schreiber/afp
Digital und global: Aktivistin Helena Marschall erzählt, wie „Fridays for Future“ mit der Corona-Pandemie umgeht.

Wie funktioniert Klimaprotest in Corona-Zeiten?

Helena Marschall: Wir haben zunächst Klimastreiks digital veranstaltet und Kunstaktionen initiiert. Im April haben wir über 10 000 Plakate vor dem Reichstag ausgelegt. Mittlerweile demonstrieren wir wieder auf der Straße – mit kleineren Gruppen, Abstand und Schutzmasken.

Und wie funktionieren Schulstreiks, wenn Schulen geschlossen sind?

Wir haben uns freitags in Video-Chats getroffen und gemeinsam protestiert. Das war eine wirklich coole Vernetzung. Doch letztendlich ist der Schulstreik nicht mehr so relevant für uns.

Warum?

Die Protestform hat am Anfang unglaublich polarisiert. Mittlerweile wird der Streik kaum noch beachtet. Viele interessiert es leider nicht, dass junge Menschen aus Angst vor der Klimakrise ihre Bildung aufs Spiel setzen. Daher konzentrieren wir uns nun mehr auf andere Aktionsformen. Schulstreiks alleine reichen nicht mehr.

Erreichen Sie die Menschen noch? Die Bevölkerung scheint die Klima-Debatte ja wieder zu verdrängen.

Da stimme ich überhaupt nicht zu. Es war natürlich wichtig, dass wir versucht haben, schnellstmöglich mit der Pandemie klarzukommen. Der Klimawandel ist deswegen gesellschaftlich aber nicht unwichtiger geworden. Umfragen zeigen: Über die Hälfte der Deutschen macht die Klimakrise von allen gesellschaftlichen Problemen am meisten Sorgen. Wenn es darum geht, wie wir die Welt nach Corona gestalten wollen, muss das 1,5-Grad-Ziel der allerwichtigste Aspekt sein.

Wie hat die Corona-Krise die Bewegung selber verändert?

Die Pandemie hat nochmal gezeigt, wie allumfassend globale Krisen sind. Für uns hat die Krise auch Zeit zum Reflektieren gegeben. Davor befanden wir uns ja eigentlich nur im Vollsprint.

Sie planen einen globalen Klimastreik im September. Ist das nicht unverantwortlich?

Wir müssen die Situation im Blick behalten. In stark betroffenen Regionen werden Straßenproteste nicht möglich sein. Auch andernorts achten wir darauf, dass die Hygiene-Maßnahmen eingehalten werden. Das ist mühsam. Aber wir müssen wieder auf die Straße gehen. Wir haben keine andere Wahl. Wir können es uns nicht leisten, die Klimakrise zu verschleppen. Christian Kern
© Südwest Presse 31.07.2020 07:45
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