Schließungen von Schulen und Kitas „nur allerletztes Mittel“

Die Kabinettsmitglieder Giffey und Spahn möchten eine Situation wie im Frühjahr unbedingt vermeiden. Laut einer Corona-Studie sind Kinder keine Infektionstreiber.
  • Informierten am Freitag gemeinsam über die Infektionsgefahr in Kitas und Schulen: Familienministerin Giffey und Gesundheitsminister Spahn. Foto: Michael Sohn/AP Pool/dpa
Im Frühjahr stellten Kitas und Schulen mit als Erste ihren Betrieb ein. Das soll dieses Mal anders laufen, versichern Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Bleiben Kitas und Schulen diesmal geöffnet? „Wir möchten den Regelbetrieb so lange wie möglich aufrechterhalten. Kita-und Schulschließungen kommen im Herbst und Winter nur als allerletztes Mittel infrage“, sagte Giffey am Freitag in Berlin. Auch ihr Kabinettskollege Spahn betonte, „klare Priorität“ sei, den Betrieb in den Bildungseinrichtungen ebenso am Laufen zu halten wie das wirtschaftliche Leben. „Leichter verzichten kann man in dieser Situation auf Geselligkeit und Feiern.“

Steigt die Infektionsgefahr, wenn Kinder weiter in die Kita gehen? Nein, betonte Ministerin Giffey. „Kitas sind keine Infektionsherde, und Kinder sind nicht die Infektionstreiber“, sagte sie. Sie berief sich auf eine Studie des Robert-Koch-Instituts und des Deutschen Jugendinstituts, an der inzwischen 12 000 der bundesweit rund 60 000 Kitas teilnehmen. Wichtigste Erkenntnis: Auch in der jetzigen schwierigen Situation werden an Kitas und in Horten pro Woche im gesamten Bundesgebiet im Schnitt nur sechs Corona-Ausbrüche verzeichnet. Ein niedriger Wert, wie Giffey betonte.

Und bei Schülern? Da ist die Lage unübersichtlicher. Laut der Studie bleiben vor allem Kinder bis 13, 14 Jahre weitgehend von Infektionen verschont. Danach nähert sich die Infektionsquote derjenigen von Erwachsenen an.

Wie bereiten sich Kitas auf Herbst und Winter vor? Indem sie die Corona-Regeln so gut wie möglich einhalten: lüften, desinfizieren, die Kinder zum Händewaschen anhalten. Spahn betonte, Eltern müssten ihre Kinder nur zu Hause behalten, wenn diese Fieber hätten, einen trockenen Husten oder den Geschmacks- oder Geruchssinn verloren hätten. „Schnupfen ist kein Problem.“

Welche Vorkehrungen treffen die Schulen? „Lüften bleibt das A und O“, sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). „Räume, die man nicht lüften kann, können auch nicht für den Unterricht genutzt werden.“ Bei höheren Infektionszahlen könne es sinnvoll sein, im Unterricht eine Maske zu tragen. Das müsse man aber von der Lage vor Ort abhängig machen. Lüftungsgeräte seien nur als Ergänzung sinnvoll. Bisher habe allein Bayern ein Finanzierungsprogramm für solche Geräte aufgelegt. Michael Gabel
© Südwest Presse 17.10.2020 07:45
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