Staatsgeld bremst Strompreise

Nur fast elf Milliarden Euro vom Bund verhindern, dass die EEG-Umlage Anfang 2021 explodiert.
  • Ökostromlieferanten: Windräder vor der Insel Rügen. Foto: Jens Büttner/dpa
Anfang 2021 sinkt die EEG-Umlage für Ökostrom von derzeit 6,76 Cent pro Kilowattstunde auf 6,5 Cent. Das hatte die Bundesregierung im Rahmen des Konjunkturpakets versprochen. Jetzt steht fest, wie viel dafür der Bund zuschießen muss: 10,8 Milliarden Euro. Das gaben die vier großen Übertragungsnetzbetreiber am Donnerstag bekannt. Ob der Strompreis dadurch unterm Strich sinkt, ist fraglich, weil dafür noch andere Posten eine Rolle spielen.

Eigentlich müsste die Umlage auf 9,65 Cent erhöht werden. Denn durch Corona sind die Preise an der Strombörse in Leipzig deutlich gesunken. Da die Betreiber älterer Solar- und Windkraftanlagen 20 Jahre lang garantierte Abnahmepreise bekommen, erhalten sie zum Ausgleich mehr Geld aus dem EEG-Topf. Der neue Zuschuss des Bundes kommt aus dem Konjunkturprogramm sowie aus der neuen CO2-Abgabe für Brennstoffe, die 2021 eingeführt wird. Anfang 2022 sinkt die EEG-Umlage auf 6,0 Cent.

Die EEG-Umlage macht etwa ein Viertel des Strompreises aus. Ein wichtiger Faktor ist daneben das Netzentgelt für den Transport des Stroms, das je nach Region unterschiedlich ist. Der baden-württembergische Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW hat eine Preiserhöhung von durchschnittlich zehn Prozent angekündigt. Ein Teil dieses Entgelts entfällt allerdings auf die örtlichen Stromversorger, also oft die Stadtwerke, die eigene Kalkulationen anstellen. Insgesamt zeichnet sich nach Einschätzung des Vergleichsportals Verivox eine leichte Erhöhung ab.

Ob der einzelne Haushalt unterm Strich weniger für seinen Strom zahlt, hängt viel von seinem Geschick ab. Der Stromversorger müsste eigentlich den gesunkenen Börsenstrompreis an seine Kunden weitergeben. Er ist aber nicht dazu gezwungen. Deswegen kann sich der Wechsel des Tarifs oder des Stromversorgers lohnen, der bei Preiserhöhungen möglich ist. Dieter Keller
© Südwest Presse 16.10.2020 07:45
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