Gewissenloses Verhalten

Zum Bericht über den Tod eines Katers in der GT vom 9. Januar:

„Ein verantwortungsvoller Finder einer hilfebedürftigen Katze ruft das Tierheim an. Ist dort niemand zu erreichen, bekommt man den Rat, sich an die Polizei zu wenden. So tat es auch die aufmerksame Finderin von Kater Tigger am Silvestermorgen – im Vertrauen auf die Polizei als Freund und Helfer. Die Polizisten kamen, packten die Sache an und die Katze ein. Doch dann geschah das Unfassbare: Anstatt den Tierarzt mit Notdienst anzufragen (die entsprechende Praxis ist zirka 500 Meter entfernt, Dr. Kopp war durchgehend erreichbar) oder bei der Tierklinik Reiff (diese muss durchgehend besetzt sein) nachzufragen, fuhren zwei Polizisten mit der Katze in den Wald, erschossen sie dort und ließen den Kadaver einfach liegen.

Für Tierbesitzer absolut grausam, für die Polizei unter Umständen günstig, da durch das 'Verschwinden' des Kadavers nicht die angebliche 'Notlage' für den 'Gnadenschuss' nachgewiesen werden kann. Das Tierschutzgesetz regelt eindeutig, dass Wirbeltiere nur getötet werden dürfen, wenn eine entsprechende Befähigung vorliegt. Da unsere Polizisten keinerlei tiermedizinische Fachkenntnis besitzen, liegt diese Befähigung hier in keinster Weise vor.

Das Tragen einer Schusswaffe ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. In dem Fall nahm sich ein Mensch, ohne jegliche Notlage, das Recht heraus, ein Leben auszulöschen. Hier wird der Polizist, dein Freund und Helfer (ein Berufsstand, den ich achte und bewundere), zum Richter über Leben und Tod. Ich hoffe, dass die Besitzer von Tigger nicht aufgeben und dass sie diese unfassbare und grausame Tat zur Anzeige bringen. Ein Richter soll deutlich machen, dass das Leben eines Tieres in unserer Gesellschaft über der gewissenlosen Wild-West-Manier eines Polizisten angesiedelt wird.“

© Schwäbische Post 10.01.2018 15:59
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