Die Wachsblume als Lückenfüller

Gartengestaltung Das unverwüstliche Sommergewächs verspricht eine lang anhaltende Abfolge unterschiedlich gefärbter Blüten über graugrünem Laub.
  • Ein ungewöhnliches Farbspiel zwischen Türkis, Stahlblau und Violettrot zeigen die Blütenstände der Wachsblume. Foto: Agnes Pahler

Was für eine Karriere für eine Blume! Vom Wildwuchs zwischen Ölbäumen in Italien zum geschätzten Blümchen in gepflegten britischen Gärten und nun das blühende Highlight in mitteleuropäischen Beeten, die bald wieder unter Sommertrockenheit leiden werden.

Vor einigen Jahren hatte man den Namen wie einen Geheimtipp weitergegeben: Große Wachsblume, mit wissenschaftlichen Namen Cerinthe major. Das meist einjährige Gewächs erweist sich als ausgesprochen genügsam, und es blüht wochenlang. Wachsblumen sind verwandt mit dem Borretsch, und wie alle Mitglieder dieser Pflanzenfamilie bilden sie an der Triebspitze einen gekrümmten Blütenstand, an dem sich nach und nach stets neue Röhrenblüten bilden. Spektakulär verläuft deren Entwicklung bei der als Saatgut häufig angebotenen Sorte „Purpurascens“, denn die roten Knospen öffnen sich violettrot zwischen blauen Hochblättern, später verfärben sich die rund eineinhalb Zentimeter langen Blüten violett und tiefblau, dadurch zeigt jeder Blütenstand einen reizvollen Farbübergang. Die Farben heben sich vor dem graublaugrünem Laub besonders schön ab.

Auf den rundlichen, festen Blättern beruht die unverwüstliche Natur der Wachsblumen. Denn der graue Wachsbelag schützt das Gewebe vor Austrocknung bei starker Sonneneinstrahlung und in trockenem Boden. Im Beet bildet das gräuliche Blattwerk einen interessanten Kontrast zu grün- oder rotlaubigen Nachbarn.

Zuerst haben Reisende von Besuchen in britischen Gärten Samen als Souvenir mitgebracht. Inzwischen können wir Saatgut von Wachsblumen auch in Deutschland kaufen.

Keimen schnell und kraftvoll

Die Anzucht ist wirklich kinderleicht. Die großen Samenkörner verlangen nicht viel Fingerspitzengefühl. In feuchte Erde ausgesät, keimen sie innerhalb weniger Tage, der Keimling schiebt sich kraftvoll aus seiner Samenschale, die Jungpflanzen wachsen zügig heran. Wer im Haus ausgesät hatte, kann bereits nach drei oder vier Wochen erstarkte Pflänzchen ins Freie setzen, die ab einer Höhe von 30 cm zu blühen beginnen. Eine Direktsaat aufs Beet gelingt ebenfalls gut, sie kann zwischen April und Juni erfolgen. Die Stängel der Wachsblume strecken sich auf eine Höhe bis 45 cm. Mit ihren vielen Blüten können sie sehr schwer werden und kippen dann leicht, vor allem wenn der Wassernachschub nachlässt und das Gewebe schlaff wird. Die Pflanzen stehen stabiler, wenn sie eine Stütze erhalten. Dafür schneidet man verzweigte Äste von Sträuchern ab und stutzt sie zurecht. Ein verlängertes Stück schiebt man möglichst tief in die Erde, den Stängel legt man in die Astgabel ein, der dadurch standfest bleibt. Anfangs sieht man die Stützen im Beet noch, im Verlauf der Wachstumszeit verdecken die Blätter das Korsett. Das ist britisches Gärtner-Knowhow.

Mittelknospe herausbrechen

Kompakter und weniger kippgefährdet bleiben die Pflanzen, wenn man in der Anfangszeit die Mittelknospe ausbricht. Dadurch bilden sich viele Seitenknospen, die Pflanzen bleiben niedriger, wachsen buschiger, blühen aber etwas später, dafür hält die Blütezeit länger an. Mit dem Abblühen sinkt die Attraktivität der Wachsblumen: Das Laub wird dürr, nachdem die Blütenfarben geschwunden sind. Man kann im Frühsommer verblühte Gewächse zurückschneiden, meist bilden sich am Grund neue Knospen und die gebildeten Stängel setzen erneut zum Blühen an.

Aus den abgeblühten Blütenständen fallen dicke schwarze, runde Samen heraus, die im selben Jahr noch keimen und wachsen.

Pflanzen überleben den Winter

Erstaunlicherweise ist überall zu lesen, dass die ein- bis zweijährigen Wachsblumen nicht winterhart sind. Die einzelne Pflanze stirbt oft nach der Blüte ab, allerdings hinterlässt sie im Beet etliche Nachkommen. Stehen die Jungpflanzen ungeschützt im Beet, erfrieren sie mit ziemlicher Sicherheit bei unserer Winterwitterung.

Doch bereits eine schlichte Abdeckung mit Reisig schützt die jungen Blattrosetten. Man nimmt die Abdeckung ab, sobald sich im Spätwinter steigende Temperaturen ankündigen. Darunter kommen saftige graugrüne Rosetten hervor, die im März zu wachsen beginnen und gegen Ende April schon blühen. Erfolgt nach dem Abblühen im Mai ein Rückschnitt, bleibt genug Erholungs- und Anlaufzeit für eine zweite Blüte in einer Wachstumszeit. Außerdem hinterlässt die erste frühe Blüte bereits wieder zahlreiche neue Sämlinge.

Das bedeutet im Klartext: Samen von Wachsblumen kauft man nur einmal, sie pflanzen sich durch Selbstaussaat zuverlässig fort. Die Sämlinge sind kräftig und wüchsig genug, dass man sie ohne großen Pflegeaufwand verpflanzen und weiterverschenken kann. Eine Blume fürs Kinderbeet ebenso für den Vorgarten von Leuten, die immer vielbeschäftigt sind und das Gießen gelegentlich vergessen.

Platz an der Sonne ist unbedingt erforderlich

Anbau Damit sie viele Blüten ausbildet, braucht die Wachsblume einen Platz an der Sonne.
Sie kommt mit prallsonnigen Standorten zurecht, dort sollte man ihr aber bei längeren Trockenphasen gelegentlich eine Dusche am Abend gönnen.
Der Boden kann sandig oder lehmig sein, auf jeden Fall braucht er eine lockere Struktur, so dass Niederschlagswasser rasch abläuft. Wo die Wachsblume wächst, entsteht bald ein üppiges Bild wie in englischen Rabatten oder an mediterranen Wegrändern.

© Schwäbische Post 01.06.2018 11:58
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