Die Bunte–Blüten–Versuchung

Urlaub Ableger, Stecklinge oder gar ganze Pflanzen sind als Andenken an die Ferien nur bedingt geeignet. Viele Probleme können daraus erwachsen.
  • Die Alstroemerien aus Südamerika (Bild linkst) gedeihen in britischen Gärten prächtig. In Deutschland sind sie meist nicht winterhart. Oputunien stehen unter Artenschutz (Bild oben). Kermesbeere ist winterhart.
    Fotos: (2)Pahler/pixabay

Die Versuchung ist groß: Wir sehen im Urlaubsland schön blühende Pflanzen oder Gewächse mit besonderer Wuchsform, und wir möchten sie unbedingt mit nach Hause nehmen.

Was für ein tolles Souvenir wäre eine Pflanze noch in Jahren, wenn sie herangewachsen wäre und einen noch immer erinnerte an diese wunderbare Pension in Andalusien mit der netten Besitzerin und dem herrlich gepflegten Garten, denn von dort stammt der kleine Steckling, der zu Hause dann so gut gedieh.

Kakteen sind geschützt

Das Mitführen von Pflanzen bei der Heimreise unterliegt Beschränkungen, daraus macht der Zoll zu Beginn der Hauptreisezeit ausdrücklich aufmerksam. Grundsätzlich dürfen keine Pflanzen aus der Natur entnommen und mitgebracht werden, die unter Artenschutz stehen. Darunter fallen laut Gesetz „Kakteen oder kakteenähnliche Pflanzen, Tillandsien und Orchideen“.

Genehmigung für den Zoll

Geschützte Pflanzen und Tiere benötigen für die Zollabfertigung grundsätzlich eine artenschutzrechtliche Genehmigung. Die aber können nur von den zuständigen Behörden des Urlaubslandes stammen. Das muss man bedenken, wenn Händler versprechen, eine „Ausfuhrbescheinigung“ auszustellen, denn diese ist wertlos.

Jedem, der unberechtigterweise Pflanzen, Tiere oder - wichtig! ? aus ihnen hergestellte Produkte einführt, droht eine Geldstrafe, die Ware wird beschlagnahmt. Zusätzlich gibt es Bedenken wegen eventuell verschleppter Krankheiten oder Schädlinge.Man kennt inzwischen viele Beispiele von Schaderregern, die über den internationalen Handel, vielleicht auch über mitgebrachte Pflanzen, in Regionen der Welt eingeschleppt wurden, wo sie keine natürlichen Gegenspieler vorfanden und dadurch zum Problem wurden.

Am bekanntesten ist der Buchsbaumzünsler, der sich seit dem Jahr 2007 von der Rhein ebene aus verbreitet und Buchssträucher vernichtet. Er wurde mit Pflanzenlieferungen aus China eingeschleppt, wie Pflanzenschutzexperten annehmen. An regionales Klima angepasst Unabhängig von den rechtlichen Bestimmungen muss man sich überlegen, inwieweit die Mitnahme von Pflanzen aus anderen Ländern überhaupt sinnvoll ist. Allzu gern spüren wir mit Feigen, Oliven oder Zistrosen den Urlaubswochen in südlichen Ländern nach.

Diese Gewächse sind jedoch an die regionalen Verhältnisse angepasst. Während Zistrosen im Mittelmeerraum (und auf den britischen Inseln) herrlich blühen, halten die meisten Arten und Sorten die winterlichen Fröste in Mitteleuropa nicht aus. Nur wenige Auslesen können wir hierzulande im Freien ziehen, und auch bei ihnen muss es sich um Gewächse handeln, die in hiesigen Breiten vermehrt und kultiviert worden sind. Nur dann ist der pflanzliche Organismus an unser Klima angepasst.

Klimagefälle passt nicht

Auch winterharte Gehölzarten, die südlich der Alpen gewachsen sind, halten unseren Wintertemperaturen nicht stand. Schwierigkeiten bereiten auch mitgebrachte Obstgehölze, die unter deutscher Obhut partout nicht fruchten wollen. Die Weinrebe aus der Türkei zum Beispiel reift in der kürzeren Vegetationszeit hierzulande nicht aus.

Der angestammte Lebensraum ist kaum zu ersetzen

Transporte von Pflanzen kommen nur innerhalb von Europa in Betracht. Doch auch dann muss man sich vor Augen führen, dass bei uns sich manches anders entwickeln wird als in der Heimat. Herrlich blühen zum Beispiel nur die Hortensiensträucher, die auf saurem Boden wachsen, wie wir sie beispielsweise in der Bretagne oder in Irland vorfinden. In den kalkhaltigen Böden Süddeutschlands verwischt sich der Farbton hin zu Rosa. Wir müssen dann mit der Zugabe von Aluminiumsulfat nachhelfen, aber so prächtig wie im Urlaubsland wird sich der Strauch nicht entwickeln. Pflanzen gehören in ihren Lebensraum. In der Kultur können wir nur versuchen, die Bedingungen in die gewünschte Richtung zu lenken.

© Schwäbische Post 03.08.2018 14:48
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