Ein Sport über alle Generationen hinweg

Sport Der Golf-Club Hochstatt nahe Neresheim bietet Golffreunden rund 100 Hektar Fläche, um sich auszutoben. Was dort zählt ist die familiäre Atmosphäre.
  • Fotos: Benedikt Walther
  • Bill Pringle saust mit dem Elektro-Golfwagen über den Platz.

Melissa steht konzentriert auf dem Abschlag des Golf-Clubs Hochstatt. Sie hält den Schläger fest in den Händen. Die Schirmkappe auf dem Kopf, visiert sie kurz ihr Ziel an. Ein kleines Fähnchen weht im Wind. Sie holt aus, mit einer schwungvollen Bewegung schlägt sie den Ball in Richtung der Fahne. Athletisch verharrt sie eine halbe Sekunde in der Endposition nach dem Golfballschlagen, die Arme bis über den Rücken, den Fuß leicht angewinkelt.

Neben der Zehnjährigen steht Bill Pringle. Der gebürtige Schotte wiegt den Kopf. „Mach’s noch einmal“, sagt er und korrigiert die Haltung des jungen Mädchens. Er ist ein Pro, so nennt man Berufsgolfer.

Nicht teurer als Skifahren

Melissas Mutter Jacqueline Völker schaut nach ihrer Tochter. 2013 hat die Faszination Golfen für die kleine Melissa begonnen. Bei einem Feriencamp des Golf-Clubs Hochstatt hat sie den Sport für sich entdeckt. „Wir kommen aus Gerstetten und fühlen uns hier sehr wohl“, betont die Mutter. Einmal pro Woche geht Melissa ins Jugendtraining. „Sie ist ein ruhigeres Kind, daher passt Golf, denn dort ist sie auf sich selbst angewiesen und es redet ihr keiner rein“, erklärt die Mutter. „Man spielt gegen den Platz auf seine Weise“, schiebt die Tochter hinterher. Seit zwei Jahren macht sie sogar bei Turnieren mit, ist ehrgeizig und arbeitet an sich, um selbst voran zu kommen. Ob das Hobby teuer sei? „Auch nicht teurer als Skifahren“, betont Völker.

Bill Pringle verabschiedet den Nachwuchs in die Mittagspause und schnappt sich einen der kleinen Elektro-Golfwagen. Er tritt aufs Gas und saust geräuschlos an einem Mitarbeiter vorbei, der auf einem Fahrzeug sitzt, das die Bälle einsammelt, die überall auf dem Gelände verstreut liegen.

Früh die Passion entdeckt

Seine ersten Berührungspunkte mit dem Golfen hatte der Pro bereits mit elf Jahren. Beim Schnupperkurs in sechs Unterrichtsstunden lernte er das Fundament zum Golf: Griff, Haltung, Ausrichtung. „Eine grobe Idee, wie man den Schläger schwingt“. Damals geht Bill auf die Wiese und schießt auf Kühe. „Wenn ich in etwa die Kuh treffen kann, werde ich das Grün auch noch treffen“, erinnert er sich an seine Gedanken. Den Golfschläger stibitzte er aus der Tasche des Vaters. „Er hat auch gespielt, aber nicht sehr gut“. Als Kind machte er gerne den Caddy, trug die Tasche auf dem Golfplatz und verdiente sich damit ein paar Pfund. „Da konnte ich mir ein Rennrad kaufen, denn eigentlich wollte ich gar nicht Golf spielen“, gesteht er. Doch da der Hintern so sehr schmerzte, nach dem Fahrradfahren, schwenkte er wieder um zum Golfen.

Wenn ich in etwa die Kuh treffen kann, werde ich das Grün auch noch treffen.

Bill Pringle Pro

Er spielte sich durch die unterschiedlichen Ränge. Mit 15 bekam er die Möglichkeit, als Lehrling im Prestwick Golfclub zu beginnen. „Das ist der Golfplatz, auf dem die British Open begonnen haben“, erzählt er. „Überall in Schottland gibt es sehr gute Golfclubs, sehr vornehm, sehr privat, 20 Jahre Aufnahmefrist – da kann man nicht einmal als Millionär kommen und sagen, man hat Geld. Man muss anstehen wie alle anderen und warten“. Das sei ein elitärer Golfclub, ganz anders als der Golfclub bei Neresheim, dort lege man Wert auf eine familienfreundliche Atmosphäre.

In Prestwick spielte Bill Pringle seine ersten Turniere, ging auf Europatournee, später in die ganze Welt. Da er Reisen nicht sehr mag, verschlug es ihn irgendwann nach Deutschland. Vor 38 Jahren startete er seine Karriere in Hanau, über Bad Wiessee und München Eichenried ging es schließlich zum Golf-Club Hochstatt. „Ich habe die Arroganz in München nicht mehr ertragen“, winkt Pringle ab. Leute, die zum Golfplatz gehen und denken, sie seien etwas Besonderes, vor allem Neureiche, haben ihn dazu bewogen, in eine andere Himmelsrichtung zu ziehen. Nahe Neresheim geht es ihm gut: „Hier sind tolle Mitglieder, sie sind sehr umgänglich, bodenständiger“, erklärt er. Die Jugendarbeit hat es ihm besonders angetan. „Wenn ein kleines Kind zu mir kommt und richtig Bock auf Golfen hat, würde ich es spielen lassen“, motiviert der Pro. Interesse sei stets die Voraussetzung. „Die kleine Melissa ist mit fünf gekommen, wir haben angefangen mit einfachen Anweisungen, dass der linke Arm gerade sein muss zum Beispiel.“ Das Kind hat damals nicht zwischen links und rechts unterscheiden können. Doch die Begeisterung hat das wettgemacht. „Man hat es ihr vorgemacht, dann hat sie es nachgemacht.“ Für Deutschland wünscht sich Bill, dass die Plätze kindgerechter werden, kürzere Bahnen zum Beispiel oder anders gemessen wird. „Dass man sagt, das erste Loch ist nicht 150, sondern 80 Meter“, erläutert der Golflehrer.

Und was schätzt der Pro besonders an der Sportart? Anders als beim Fußball, muss man keine Teammitglieder mitschleppen – man ist beim Golf für alles selbst verantwortlich: „Wenn ich etwas schlecht mache, habe ich Pech gehabt, wenn ich etwas gut mache, dann habe ich Erfolg – das kann mir niemand wegnehmen“, erklärt Bill. Außerdem könne man Golf auch noch mit 85 Jahren spielen. So bleibt die Faszination Golfen auch im hohen Alter erhalten.

Ein Einblick ins Clubleben

Der Golf-Club Hochstatt befindet sich 20 Kilometer von Heidenheim, Aalen und Nördlingen entfernt und liegt auf einem Hochplateau zwischen Neresheim und Dischingen. Im Jahr 1981 wurde der Golf-Club gegründet. Das Anwesen „Hochstatter Hof“ wurde vorerst langfristig vom fürstlichen Hause Thurn & Taxis gepachtet. 1984 weihte man die ersten neun Loch ein. Zehn Jahre später rüstete der Club das Ackerland auf und es folgte der 18-Loch-Meisterschaftsplatz. Im Jahr 2004 erwarb der Golf-Club Hochstatt schließlich vom fürstlichen Hause Thurn & Taxis die gesamte Golfanlage mit knapp 100 Hektar. Die Abgeschiedenheit auf dem Hochplateau bietet dem Golfer ungestörte Spielbedingungen abseits von Siedlungen und Straßen, weiß Clubpräsident Egon Maier. Er sitzt im barocken Clubhaus aus dem Jahr 1684, das früher als Sommerresidenz für den Abt von Neresheim diente. Das Gebäude ist das älteste seiner Art auf dem Härtsfeld und wurde durch zahlreiche Renovierungen wieder zu altem Glanz verholfen.

Über die Jahre hinweg ist der Golf-Club Hochstatt gewachsen. Hatte man 1995 noch 500, sind es inzwischen rund 800 Mitglieder.

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© Schwäbische Post 03.08.2018 14:56
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