Das Rad dreht sich technologisch weiter

Fahrradtechnik Reifen werden schlauchlos, Schaltungen sind funkgesteuert und das E-Bike baut seine Vorherrschaft in den meisten Segmenten aus. Experten erläutern die neuesten Entwicklungen auf dem Markt.
  • Foto: Sebastian Hofer/www.pd-f.de/dpa-mag

Wer beim Radfahren sportlich unterwegs ist, möchte nicht, dass ihm andere davon fahren. Tatsächlich gibt es derzeit einige innovative Produkte und zukunftsträchtige Trends aus den Bereichen Mountainbike (MTB) und Rennrad, um am Puls der Zeit zu bleiben. „Es geht in Richtung komfortables Fahren,“ sagt Tobias Hempelmann vom Verband des Deutschen Zweiradhandels.

Form verändert sich

Für Rennräder bedeutet das: Die Rahmengeometrie verändert sich, wird kürzer, der Lenker sitzt etwas höher und die Reifen werden breiter - ein Phänomen, das auch der demografischen Entwicklung geschuldet ist. „Wer heute noch fährt, wäre früher in dem Alter wohl nicht mehr gefahren“, so Hempelmann.

Darüber hinaus weist der VDZ-Mann darauf hin, dass die Scheibenbremse bei den Rennrädern nun ihren Durchbruch geschafft hätte. Martin Utz vom Bayerischen Radsportverband stimmt dem zu und erklärt, warum es einige Zeit gedauert hatte, bis die Scheibenbremse im Sportbereich eine echte Alternative zur Felgenbremse wurde. «Erst hat man sich gesträubt. Denn die Scheibenbremse hat einen kürzeren Bremsweg.» Nachkommende Fahrer mit Felgenbremse könnten leicht auffahren. Beim gemeinsamen Fahren stiege dadurch die Unfallgefahr. „Mittlerweile verschwindet das alte System jedoch zusehend.“ Die Scheibenbremse ist inzwischen sogar bei Wettbewerben erlaubt.

Entwicklung bei Reifen

Auch in Sachen Reifen tut sich gerade einiges. „Sogenannte Gravel-Rennräder erschließen den Fahrspaß auch abseits des Asphalts“, stellt Arne Bischoff vom Pressedienst Fahrrad (pd-f) fest. Während noch vor fünf Jahren Reifen mit 25 Millimetern als breit galten, messen die Reifen der Gravel-Rennräder bis zu 50 Millimeter.

Bei den Reifen ein Trend: Tubeless-Systeme, also Modelle ohne Schlauch, der somit auch nicht mehr platzen kann. Die Vorteile sind so groß, dass auch Hobbyradsportler - stärker noch im MTB- als im Rennradbereich - mehr und mehr darauf setzen.

Preise immer interessanter

Der Preis eines kompletten Tubeless-Systems sei etwa identisch mit der klassischen Schlauchvariante. so Bischoff. Die Tubeless-Montage dauert allerdings etwas länger als beim klassischen Schlauch, man muss öfter nachpumpen und etwa jedes halbe Jahr die Dichtmilch tauschen.

David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) kennt zwei weitere große Themen, die die Radsportszene bewegen: „Die Digitalisierung und die Elektrifizierung.“ Der Experte erklärt, dass es im Bereich der digitalen Vernetzung verschiedene Systeme für verschiedene Zwecke gibt. Als Beispiel nennt er verschiedene Systeme, die es im Fachhandel zu kaufen gibt. Die Halterung wird am Lenkrad angebracht und verbindet das Fahrrad mit dem eigenen Smartphone, das mittels einer App quasi zum Bordcomputer wird. Während der Fahrt sind Geschwindigkeits-, Strecken-, Höhen-, Wetter-, Fitness-, oder Leistungsdaten abrufbar. Auch eine Navigationsfunktion ist enthalten.

Bordcomputer im Trend

Als zweites Beispiel nennt Eisenberger einen eigenständigen Bordcomputer, der ohne Smartphone funktioniert. Die Funktionen und Möglichkeiten sind ähnlich.

Im Bereich Elektrifizierung spricht Eisenberger ebenfalls von einem Trend sowohl bei den MTBs als auch bei den Rennrädern. Dem Zweiradexperten Arne Bischoff ist das ebenfalls aufgefallen: „Ab einem Preisbereich von etwa 3.000 Euro ist das E-MTB auf bestem Wege, seinen unmotorisierten Bruder in den Verkaufszahlen zu überflügeln.“ Beim Rennrad sei die Motorisierung noch nicht ganz so weit fortgeschritten. „Doch auch dort werden die Motoren wichtiger.“ Und: Inzwischen gibt es auch erste elektronische Funkschaltungen. dpa

© Schwäbische Post 05.07.2019 15:12
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