Warum anwaltliche Hilfe im Mietrecht oft wichtig ist

  • Abbildung 1: Das Mietrecht kann im Einzelfall mitunter problematisch sein.

Das Mietrecht ist in Deutschland recht engmaschig geschrieben und bietet Mietern allerhand Absicherungen. Dennoch beachtet es nicht, dass viele Mieter sich eher in Notsituationen befinden und somit nicht einfach die Wohnung wechseln können. Für viele Bürger ist das Gesetz auch schwer verständlich, wodurch sie ihre Rechte nicht mühelos geltend machen können. Grundsätzlich ist es vielfach sinnvoll, anwaltliche Hilfe einzuholen – gerade dann, wenn erste Klärungen scheiterten. Und sobald der Klageweg eingeschlagen werden muss, ist die anwaltliche Vertretung selbst vor Amtsgerichten nützlich. Dieser Artikel erklärt, wann ein Anwalt unverzichtbar ist und warum es keine gute Lösung ist, die Angelegenheit eigenständig zu klären.

Wann Mieter einen Anwalt brauchen
In vielen Fällen dient der Rechtsanwalt überhaupt nicht der rechtlichen Klärung, sondern der eigentlichen Erklärung und Beratung der Mieter. Sicherlich ist es für einen Mieter einfach, online nach dem BGB zu suchen und die Paragrafen durchzulesen. Doch diese auch zu verstehen und korrekt auf den eigenen Fall zu beziehen, ist gar nicht so einfach. Zumal gerade in Onlineforen oder Netzwerken überaus eigenwillige Rechtsauffassungen geäußert werden, die einer Klärung der Sache nicht nachhelfen können. Grundsätzlich gibt es aber durchaus etliche Fälle, in denen fachkundige juristische Beratung nützlich ist:

  • Mieterhöhung – ist diese unzulässig oder wirkt sie sehr hoch, ist die Beratung von einem Rechtsanwalt sinnvoll. In der Tat sich nicht alle Mieterhöhungen zulässig, doch sind die Faktoren für Mieter oft nur schwer zu begründen.
  • Modernisierungsmaßnahmen – auch hier, gerade bei den oft folgenden Mieterhöhungen, ist der Rechtsanwalt notwendig.
  • Kündigungen – Vermieter können Mietern nicht einfach so kündigen. Trotzdem gibt das Mietrecht dem Vermieter Gründe an die Hand, beispielsweise, wenn die Miete über zwei Monate nicht gezahlt wurde oder wenn der Mieter wiederholt und wiederholt angemahnt massiv gegen die Hausordnung verstoßen hat. Gerade bei fristlosen Kündigungen sollte immer ein Anwalt aufgesucht werden. Ein noch heikleres Thema ist die Kündigung aufgrund Eigenbedarfs oder nach dem Besitzerwechsel des Hauses. Hier werden tatsächlich immer wieder unwirksame Kündigungen geschrieben.
  • Nebenkosten – bei sehr hohen Nebenkostenabrechnungen und dementsprechenden Forderungen sollte ebenfalls ein Anwalt ins Boot geholt werden.
  • Beschwerden/Mängel – hat der Mieter sich bereits über den Nachbarlärm beschwert oder Mängel angezeigt und es wurde nicht reagiert, ist ein Anwalt notwendig.

Grundsätzlich gilt: Bevor eine eigenständige Mietminderung vorgenommen wird, sollte immer ein Anwalt aufgesucht und mit dem Fall betreut werden. Mietminderungen können, sofern sie unberechtigt sind, durchaus in einer fristlosen Kündigung aufgrund des Mietverzugs enden. Zudem ist die Minderung der Miete nicht problemlos und in allen Fällen möglich. Wer sich hier also Ärger ersparen will, der sucht einen Anwalt auf oder holt mindestens den Mieterschutzbund mit ins Boot.

Warum nicht einfach selbst klären?
An dieser Stelle kommt es immer mit auf die Art des Vermieters an:

  • Privater Vermieter im Haus – wer mit dem Vermieter direkt im Haus lebt und somit einen recht engen Kontakt hat, der kann stets den einfachen Weg gehen und vorab eine direkte Klärung suchen. Gerade bei Lärm durch die Nachbarn, kleinere Mängel in der Wohnung oder auch rund um die Nebenkostenabrechnung lässt sich hier meist eine Lösung finden.
  • Privater Vermieter außerhalb – das ist schon schwieriger. Kann sich der Vermieter im Haus die feuchte Stelle an der Außenwand oder der Decke mal eben anschauen, muss mit dem Vermieter außerhalb ein Termin vereinbart werden. Auch bei Lärm oder Ähnlichem ist es schwieriger, ihm das zu beweisen. Zumal mit diesen Vermietern ein sehr distanziertes Verhältnis besteht.
  • Großvermieter – Gesellschaften oder Hausverwaltungen sind grundsätzlich ein wenig komplizierter. Einmal ist man als Mieter nur »einer von vielen«, zudem sind die Mietverhältnisse recht distanziert. Da die Gesellschaften zudem ihre Rechte hervorragend kennen und wissen, wie sie sie zu ihren Gunsten einsetzen, klappt die private Lösung selten.

Zuletzt ist der Mieter an sich zwar rechtlich relativ geschützt, doch je nach Wohnort ist er in einer Notsituation. Nicht überall ist es möglich, notfalls umzuziehen oder die Kündigung samt Räumung abzuwarten. Wenn allerdings ein Rechtsanwalt dazwischensteht, besteht auch für den Mieter ein Schutzschirm.

Skurrile Urteile in Sachen Mietrecht
Gerichtlich wurden schon einige Mietrechtsurteile gesprochen, die eher auf der skurrilen Seite einzuordnen sind:

  • Urinprobleme - der Mieter hat trotz Marmorfußboden im Bad stets im Stehen uriniert. Der Vermieter wollte bei Auszug die Kaution einhalten, da der Boden durch den Urin geschädigt war. Das Amtsgericht Düsseldorf entschied, dass die Einhaltung nicht rechtens ist, da der Vermieter den Mieter nicht darauf hinwies, dass solch ein Fußboden besonders pflegsam behandelt werden muss.
  • Tierische Hilfe - eine Mieterin verlor ihre Wohnung, nachdem sie Igel in ihren Zimmern über den Winter aufpeppelte. Die Nachbarn beschwerten sich über den Geruch, der Vermieter handelte schließlich. Das Gericht entschied, dass die Kündigung rechtens sei, da Wildtiere nicht unter die Haustiere fallen.
  • Schnarcherei - Eigenbedarfskündigungen sind gerne mal sonderbar. In dieser Kündigung würde als Grund das massive Schnarchen des Mieters aufgenommen. Die Ehefrau des Vermieters konnte nicht mehr ihre nächtliche Ruhe genießen, weil der Mieter wohl schnarchte, dass sich die Dielenböden bogen. Das Gericht entschied: Kündigung ist rechtens.
  • Münchner Rechte – die Wiesn ist heilig und so mancher Hausmeister wird mit Wiesngutscheinen belohnt. Das machte auch ein Vermieter, der die Sonderleistung an seinen Hausmeister auf die Mieter umlegte. Alle akzeptierten Münchner Gegebenheiten, bis auf einer. Dieser verlor jedoch die Klage vor dem Gericht über ganze 15,10 Euro und musste die Summe nachzahlen. Laut Gericht sei es in München ganz normal, dass Angestellte wie Hausmeister mit »ner Maß und nem Händl« auf der Wiesn beglückt werden.

Fazit - wenigstens eine Beratung nutzen
Mieter sollten bei Unstimmigkeiten lieber einen Anwalt aufsuchen, denn der bloße Besuch allein bedeutet nicht, dass geklagt wird. Oftmals ist es jedoch sinnvoll, einen Fachmann über die Angelegenheit schauen zu lassen, denn im Ernstfall kann der Anwalt nicht nur helfen, sondern vielmehr Unstimmigkeiten mit dem Vermieter abwenden, wenn der Mieter in Foren völlig falsche Vermutungen gelesen hat.

Bildquellen: Abbildung 1: @ Helloquence / Unsplash.com

© Schwäbische Post 09.07.2019 08:45
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