Alexander Zverev: So kam es zum bitteren Aus bei Wimbledon

Bis vor kurzem war er noch der Shootingstar der deutschen Tennis-Szene, der auf eine rosige Zukunft auf dem Platz blickte. Doch seine Performance beim jüngsten Wimbledon-Turnier erzählt eine ganz andere Geschichte. Alexander Zverev war schon einige Spiele zuvor nicht zu Höchstform aufgelaufen. Sogar die besten Online Buchmacher in Deutschland rechneten ihm nicht die besten Chancen aus, wenn sie Sportwetten in Deutschland auf ihn anboten. Auch bei Wimbledon konnte er nun keinen Sieg einfahren und schied schon viel zu früh aus dem Turnier aus. Wie es dazu kommen konnte, erläutert diese Artikel.

Persönliche Probleme werfen Zverev aus der Bahn

Das Debakel auf dem Platz ist bei Zverev lediglich eine Reflektion der schwierigen Zeiten, die er gerade persönlich durchmacht. Vergangenen November zerstritt sich Zverev heftig mit seinem Manager Patricio Apey, an den er vertraglich eigentlich bis 2023 gebunden ist. Dieser Vertrag soll nun vorzeitig aufgelöst werden - und das könnte Zverev mehr als nur Nerven und Millionen Euro kosten. Denn gerichtlich kann der Streit erst Ende 2020 verhandelt werden. Bis dahin würde Zverev also ohne Repräsentation im Business überleben müssen - eine nahezu unmögliche Herausforderung. Belastend ist sicher auch, dass ihm in diesen kritischen Zeiten seine Familie nicht voll und ganz zur Seite stehen kann. Sein Bruder Mischa muss sich um seine eigene Profikarriere sowie um seinen kleinen Sohn kümmern und kann Alexander deshalb nur eingeschränkt unterstützen. Zverevs Vater lag während der herben Niederlage bei Wimbledon aufgrund von gesundheitlichen Problemen im Krankenhaus. Auch diese moralische Stütze fehlte dem jungen Hamburger Profi also. Sogar sein Übergangstrainer musste aufgrund einer starken Pollenallergie dem Match fernbleiben.

Das Ende einer vielversprechenden Karriere?

Professionell stehen die Chancen für Zverev derzeit also nicht gut. Selbst wenn er sein Spiel wieder auf das ursprüngliche Niveau heben kann, ist es schwer für ihn, sich ohne adäquate Repräsentation bei relevanten Turnieren zu platzieren. Abgesehen davon ist gutes Spiel nicht nur eine Frage der Technik: Solange ihn gesundheitliche Probleme in der Familie sowie der extreme Druck eines millionenschweren Gerichtsverfahrens psychisch belasten, wird auch das Auswirkungen auf seine Performance haben. Fans befürchten bereits, dass aufgrund dieser Krise die vielversprechende Karriere des Goldjungen viel zu früh enden könnte. Doch noch hat der Weltranglistenfünfte sein Schicksal in der Hand: Er erkannte selbst an, dass er in der ersten Runde bei Wimbledon seinem Gegner Vesely vor allem aufgrund leichtsinniger Fehler unterlegen war. Besonders im Auftakt des Matches zeigte er sich noch gewohnt stark und konnte das beeindruckende Spiel seines Gegners parieren. Wenn es ihm nun gelingt, in zukünftigen Matches konzentrierter bei der Sache zu sein, könnte ein Abstieg noch verhindert werden.

Heilsamer Rückzug steht bevor

Vor dem Hintergrund der Achterbahnfahrt, die derzeit seine Karriere prägt, werden viele Erwartungen an den jungen Profi herangetragen. Um wieder zu sich zu finden und seine Karriere zurück auf den richtigen Weg zu lenken, möchte Zverev deshalb zunächst eine Auszeit nehmen. Bereits bei der Pressekonferenz kurz nach seiner Niederlage verkündete er, sich einige Tage zurückziehen zu wollen, um seine persönlichen und professionellen Probleme anzugehen. Man kann Zverev nur wünschen, dass es danach wieder bergauf geht. Schließlich bleibt er trotz allem ein hervorragender Spieler mit grenzenlosen Potential.

Foto: zhukovsky
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© Schwäbische Post 22.07.2019 11:45
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