„Buchen sollst Du suchen“ ist falsch

Verhaltenstipps Ein heftiges Sommergewitter kann Wandernde, Radfahrende oder Badende plötzlich überraschen. Dann ist guter Rat teuer, denn alte Regeln und Merksätze sind oft nicht korrekt oder gar gefährlich.
  • Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-mag

Es gibt viele Ratschläge, was man bei einem Gewitter nicht tun darf und wo man Schutz suchen sollte. Andreas Friedrich, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes, klärt auf:

Frage: Ich befinde mich während eines Gewitters zu Hause. Was muss ich unternehmen?

Antwort: Man sollte für Sicherheit sorgen, wenn es in der Nähe blitzt. In der Nähe heißt für mich, wenn zwischen einem Blitz, den man sehen kann, und einem Donner drei Sekunden oder weniger vergehen. Das Gewitter ist nun weniger als einen Kilometer entfernt. Dann sollte man die Antennenstecker ziehen und empfindliche Geräte vom Stromnetz trennen. Sonst können Überspannungsschäden durch direkte Blitzeinschläge auftreten. Aber eigentlich ist man im Haus sicher, denn Häuser haben Blitzableiter.

Frage: Was sollte ich besser nicht tun?

Antwort: Man sollte nicht auf den Balkon oder die Terrasse gehen. Dort kann man vor allem auch durch die Folgen eines Blitzeinschlags in der Nähe geschädigt werden. Spielen wir mal ein Szenarium durch: Ein Baum steht hinter dem Haus, in diesen schlägt ein Blitz ein. Hier kann es zu einer regelrechten Explosion kommen, der Baum kann brennen, und es können Gegenstände durch die Luft fliegen. Daher sollte man sich besser auch nicht direkt hinter einem Fenster aufhalten.

Alternativen sinnvoll

Frage: Ich bin im Freien und finde auf die Schnelle keinen gemauerten Unterschlupf. Wohin sollte ich gehen?

Antwort: Wenn man draußen in der Landschaft ist, sollte man in eine Mulde oder Senke gehen – und möglichst nicht auf einer in der Höhe exponierten Gegend sein. Denn der Blitz schlägt immer in das höchste Ziel einer Umgebung ein. Wichtig ist auch, dass es in der Senke nicht feucht ist – steht hier Wasser oder der Boden ist sehr nass, kann sich Spannung im Boden sehr gut übertragen. Und: Feuchtigkeit zieht den Blitz in gewisser Weise auch an.

Körperhaltung entscheidend

In so einer Senke sollte man dann möglichst in die Hocke gehen, die Füße eng zusammenstellen und die Hände um die Knie geben. So bietet man dem Blitz nur eine geringe Angriffsfläche.

Wichtig ist hier, dass die Füße zusammen sind, damit man eine geringe Schrittspannung hat. Das ist auch ein gefährliches Phänomen: Schlägt ein Blitz in der Nähe ein, treten im Boden sehr starke Spannungsunterschiede auf. Hat man dabei die Füße weiter auseinander, können Gesundheitsprobleme auftreten – etwa Herzprobleme. Das ist auch der Grund, warum bei einem Blitzeinschlag ganze Kuhherden auf der Weide verenden - sie haben eine recht große Schrittspannung.

Frage: Wie sieht es mit Bäumen aus?

Antwort: Man sollte möglichst von einzelnen Bäumen Abstand halten. Der Baum ist ein bevorzugtes Ziel im flachen Gelände – wie Masten, Türme oder Hochspannungsleitungen auch. Ist man im Wald, wo viele Bäume nebeneinander stehen, sollte man nicht direkt neben einem Baum stehen, sondern besser zwischen mehreren Bäumen, die niedriger sind als andere Bäume in der Umgebung.

Vorsicht mit Bauernregeln

Übrigens: Diese Regel von früher, „Buchen sollst du suchen und Eichen solltest du weichen“, stimmt nicht. Bäume können immer vom Blitz getroffen werden.

Frage: Kann man abschätzen, wie weit ein Gewitter weg ist?

Antwort: Da hilft eben diese Faustformel, die auch für das Haus gilt: Wenn zwischen einem sichtbaren Blitz und einem Donner drei Sekunden vergehen, ist das Gewitter weniger als ein Kilometer entfernt. Es gibt aber inzwischen gute Methoden, wenn man ein Handy hat: Warnwetterapps zeigen jeden Blitz und geben Vorhersagen, wohin die Blitze ziehen. dpa

© Schwäbische Post 05.07.2019 15:22
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