Den Wellness-Atem einfach mitnehmen

Trend Immer mehr Entspannungsoasen entwickeln neue Konzepte für Menschen, die der Alltagshektik langfristig etwas entgegensetzen möchten. Ein Haus im Vorarlberg bei Bregenz setzt auf „MentalSpa“.
  • Zum Spa gehört ein Garten. Hier kann man Atemübungen machen. Oder einfach auch nur Zeitung lesen oder gar nichts tun. Fotos: dot
  • Diana Sicher-Fritsch im Gepräch. Foto: MentalSpa-Resort Fritsch am Berg
  • Tiefblau: der Pool im Spa.
  • Das „Fritsch“. Foto: Petra Rainer
  • Durchdacht und nicht überlaufen: der Spa-Bereich im „Fritsch“.

Drei Tage beim Wellness Körper und Geist Ruhe gönnen. Saunieren, spazieren, dinieren. Dann ist man wieder gerüstet für den Alltag und dessen Belastungen: Stress, Lärm, Druck. Der normale Wahnsinn. Ein wenig Sport hier und da, dann wird es schon gehen. Meistens allerdings nicht für lange. Nach ein paar Wochen ist mancher schon wieder reif für die Insel. Nachhaltig sind die Auszeiten nicht für jeden. Weil dem so ist, gehen immer mehr Wellness-Hotels mittlerweile andere Wege und haben ihr Angebot ausgeweitet. Weg vom einfachen Entspannen und Verwöhnen, hin zum Einüben von Gewohnheiten und Änderungen des Lebensstils.

Neue Wellness-Trends

„Die ersten Wellness-Hotels beschäftigen nun neben Masseuren und Kosmetikerinnen auch Lifestyle-Coaches“, so Lutz Hertel, geschäftsführender Vorsitzender des Deutschen Wellness-Verbandes e.V. „Wellness“ gehöre mittlerweile als Leistungsbaustein zum Angebot fast aller Urlaubshotels. Der Trend geht jedoch zur Wellness als „lifestyle“ und „mindset“ – Pool, Sauna, Kosmetik und Massage allein machen ohnehin noch kein Wellness-Hotel, so Hertel.

Mental-Spa im Vorarlberg

Mit einem anderen Wellness-Konzept will auch ein Haus im Vorarlberg seinen Gästen mehr bieten. Im „Fritsch am Berg“ haben Diana Sicher-Fritsch und ihr Mann zwar die ganze Wellness-Palette, wie Sauna, und Aroma-Dampfbäder, ein tiefblaues Schwimmbecken und einer ruhigen Liegewiese in einem klug durchdachten und weitläufigem Spa im Programm – aber auch einiges mehr. „Mental Spa“ heißt das Konzept des Hauses, das direkt am Pfänder inmitten knallgrüner Wiesen mit gemütlich grasenden Kühen liegt. Mit denen teilt man sich von der Aussichtsterrasse und den meisten Zimmern einen spektakulären Blick auf Bodensee und Berge.

Wenn man sich diesen Blick denn auch verdient hat. Denn vor dem Ausruhen kommt die Arbeit. Das gilt in Baden-Württemberg wie in Bregenz und seinem Umland. „Schaffe schaffe, Hüsle baua“ – ist auch Vorarlberger Lebensprinzip, wie Diana Sicher-Fritsch, frisch gebackene European Spa-Managerin des Jahres 2018, erklärt. Es dürfte also kein Zufall sein, dass man genau dort Wellness mit ein wenig Arbeit und System verbindet. Der Mental-Begriff komme aus dem Sport und dort beinhalte er Bewegungsabläufe und Strukturen, Wiederholungen im Geiste und im realen Leben, so Diana Sicher-Fritsch. „Meine Intention ist es, den Menschen Wege aufzuzeigen, wie sie Wellness mit nach Hause nehmen können. Im Denken, Fühlen und Handeln.“

Entspannt dank Bio-Feedback

Nicht immer sei Sport für ausgelaugte Menschen nach Feierabend noch möglich, der Gang zum Psychologen für ausgebrannte Menschen der erste Weg,. „Ich bringe den Leuten bei, wie sie ihre Last tragen können, und biete ihnen dafür auch die Hilfsmittel.“ Nicht aus dem Bauch heraus mit Küchenpsychologie. Die Vorarlbergerin ist diplomierte Expertin für Burnout-Prävention und Stress-Prophylaxe, Mental-Coach, und Biofeedback-Trainerin. In Österreich sei ein Diplom wie dieses Voraussetzung für den Einsatz für Biofeedback, so Diana Sicher-Fritsch.Eine Biofeedback-Analyse, die Messung bestimmter Vitalwerte, gehört beispielsweise auch zum dreitägigen Gesundheitspaket „Messbar entspannt“. Vorgespräch, Messung, Training, Messung und am dritten Tag eine weitere Messung, mit der Diana Sicher-Fritsch herausfinden möchte, welche Entspannungs– und Atemtechnik nun die effektivste ist.

„Ich arbeite nicht esoterisch“, sagt die zweifache Mutter. Nach dem ersten „Messbar entspannt“-Gespräch wird der Wellness-Suchende mittels Biofeedbach-Elektroden untersucht. Werte wie Temperatur im Finger als ein Stress-Indikator, die Pulsamplitude als Indikator für die Entspannungsfähigkeit, die Muskelspannung werden ermittelt und über Nacht ausgewertet. Da kann schon mal rauskommen, dass die Kiefermuskulatur über Maßen angespannt, die Atmung grundsätzlich viel zu schnell ist. Echter Stress für das Herz-Kreislaufsystem, weil der Puls immer versuche, sich der Atmung anzupassen, so Diana Sicher-Fritsch. In einem solchen Fall gibt es unter anderem eine gezielte Atemübung mit auf den Weg, die man mit drei mal fünf Minuten wie weniger Gesundheitsbewusste ihre Zigarettenpause in den Alltag einbauen kann.

Bahn frei für die „innere Heidi“

Und die man schon mal im Spa üben kann. Dort kann man sich getrost den ganzen Tag aufhalten. Zwischen Aroma-Dampfbad und ein paar Bahnen im Pool darf man mit „bad hair“ und im Bademantel am Spa-Buffett Obst und Salate genießen und anschließend auf der Liegewiese unterm Pfänder beim Atmen den Vögeln beim Zwitschern zuhören und dabei die „innere Heidi“ wecken – auch wenn im Hotel eigentlich nur Erwachsene wellnessen dürfen.

Genuss aus der Region

Das Abendessen sollte man sich trotz mentaler Entspannung auf keinen Fall entgehen lassen. Das wissen auch die Menschen aus der Umgebung, die im Sommer nicht nur von der Terrasse den Blick auf den Bodensee genießen. Spontan einen Platz ergattert man am Wochenende nur durch Zufall. Das Viersternehotel mit den modernen, aber stilvoll und gemütlich eingerichteten Zimmern mit viel Holz und Kaffeemaschine, die auch für Allergiker geeignet sind, wird von Weinliebhaber Thomas Fritsch geführt. An den Töpfen hat Franz Fritsch das Sagen. Eine leichte, raffinierte Küche mit Zutaten aus der Region ist seine Handschrift. Ob a la carte oder beim fünfgängigen Menü, das Hotelgäste dazu buchen können – Genuss ist Programm.

Dabei gibt es den Seeblick nochmals gratis dazu. Und schon atmet es sich ruhiger. Ob man das auch zuhause tut, liegt wie bei so vielem, dann aber doch an einem selbst.

Dagmar Oltersdorf

© Schwäbische Post 03.08.2018 14:48
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