Vorsicht beim Kauf von Markenimitate – wehe, wenn es nicht echt ist

Vorsicht im Urlaub In Frankreich und Italien drohen beim Kauf von Plagiaten empfindlich hohe Strafen.
  • Gegen Markenplagiate gehen manche Länder in der Zwischenzeit rigoros vor. Foto: Pixabay

Die Straßen- und Strandhändler mit ihren Superschnäppchen von der aktuellen Ray-Ban-Brille über den angesagten Gucci-Gürtel bis zum superschicken Prada-Täschchen sind dem neuen italienischen Innenminister Matteo Salvini ein großer Dorn im Auge.

Unter dem Motto „Italiens Strände sollen sicherer werden“ hat er Kontrollen und sehr empfindliche Geldstrafen angekündigt.

Zahlen müssen nicht nur die Händler, sondern auch die Käufer: 100 bis 7000 Euro können als Buße fällig werden. Bejubelt wird Salvini dafür nicht nur von seinen rechtspopulistischen Wählern, die sich an den meist farbigen Händlern stören, auch der italienische Handelsverband Coldiretti begrüßt die Maßnahme gegen Markenpiraterie.

Einnahmen von 22 Milliarden Euro würden mit Plagiaten in Italien erzielt, schätzt er. Und dem Staat entgingen gut elf Milliarden Euro an Steuern. Wichtig zu wissen: Die Strafen werden nicht nur bei einem Kauf von einem Straßenhändler fällig, auch Dienstleistungen wie Zöpfchenflechten und Massagen am Strand sind von dem Bann betroffen.

Kaufversuch ist schon strafbar

Schon der Kaufversuch von nachgemachten Markenprodukten ist strafbar. Ob der Käufer wusste, dass es eine Fälschung war, ob er sie billig beim Straßenhändler oder zum regulären Preis in einem Geschäft gekauft hat, spielt dabei keine Rolle. Wer selbst hereingelegt wurde, der zahlt nur weniger Strafe.

Durchgesetzt werden die Kontrollen bereits in Rimini an der Adria. Täglich klappern dort Polizisten den Strand und die Promenade ab, um den illegalen Handel mit Plagiaten zu unterbinden.

Auch in Frankreich werden Plagiate nicht mehr geduldet. Erkennt ein französischer Zöllner einen gefälschten Markenartikel, wird er beschlagnahmt.

Zusätzlich zahlt der Träger als Strafe den Original-Listenpreis des gefälschten Designerstücks. Und das kann bei imitierten Luxusgütern sehr teuer werden.

Reisende, die zum Beispiel über Paris fliegen, sollten das ständig im Hinterkopf behalten und auf den Kauf von kopierten Sachen verzichten.

Haft bis zu drei Jahren

In Deutschland kommen Urlauber noch glimpflich davon. Zwar sieht Paragraf 143 des Markengesetzes Geldstrafen und Haft bis zu drei Jahren für die Einfuhr von gefälschten Markenwaren vor, es gibt aber Ausnahmen. So wird der „Eigenbedarf“ nicht verfolgt.

Dafür dürfen die gefälschten Schnäppchen keinen „kommerziellen Charakter“ haben und sie müssen im persönlichen Gepäck mitgeführt werden. Knackpunkt ist hierbei der „kommerzielle Charakter“. Bei einem Dutzend gefälschter Rolex-Uhren wird es schwerfallen, dem Zöllner verständlich zu machen, dass sie alle nur für rein private Zwecke gekauft wurden. Gleiches gilt für einen Stapel Herrenhemden von Abercrombie & Fitch.

Lebensgefährliche Ware

Die Folge: Alles wird beschlagnahmt und zusätzlich droht ein Strafverfahren. Selbst wenn das dann später wegen Geringfügigkeit eingestellt werden sollte, bleiben Anwaltskosten und Ärger übrig. Käufern von gefälschten Marken drohen aber noch andere, gefährlichere Gefahren. Für die billige Preise müssen auch billige Materialien eingesetzt werden.

So kommt es immer wieder vor, dass Kleidung allergische Reaktionen hervorruft. Und sogar lebensgefährlich kann der Kauf von allzu billigen Medikamenten sein.

Es gibt Herzmittel, die nur aus Ziegelstaub, gelber Farbe und Möbelpolitur bestehen sollen. Und dann gibt es noch den ethischen Aspekt:

Wer gefälschte Produkte kauft, der sorgt oft für satte Gewinne bei internationalen Verbrechersyndikaten und unterstützt zusätzlich fast immer Kinderarbeit. Rainer Krause

© Schwäbische Post 10.08.2018 17:37
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