Polarlichter: Wissenswertes rund um das Naturschauspiel

Sie schimmern hell am dunklen Himmel, bilden Schleier sowie Bögen und verzaubern Reisende von Minute zu Minute neu. Polarlichter, auch Aurora Borealis oder Nordlichter genannt, gehören zu den spannendsten Naturphänomenen, die die Nordhalbkugel zu bieten hat. Dieser Artikel verrät Ihnen, wo sie besonders gut zu sehen sind, wie sie entstehen und was es mit ihren spektakulären Farben und Formen auf sich hat.

Wo können Polarlichter beobachtet werden?

Magnetisch geladene Partikel bewegen sich bei der Entstehung von Polarlichtern entlang der Erdatmosphäre in Richtung der Pole. Daher können Nordlichter im sogenannten Polarlichtoval hervorragend observiert werden. Teile, die zum südlichen Pol wandern, erzeugen dort ebenfalls Lichter, die Aurora Australis genannt werden.

Die Nordlichter aber sind es, die für wahre Touristenströme sorgen. Sie sind vor allem während der Polarlichtsaison zwischen September und April optimal zu sehen. Betrachtet werden können sie in verschiedenen Regionen unterhalb des Polarlichtovals. In Europa sind das beispielsweise:

Island

In Island sind Polarlichter während der Saison sehr gut zu verfolgen. Das Phänomen ist bei geeigneten Bedingungen überall auf der Insel sichtbar, es gibt jedoch Orte, an denen die Sichtung aufgrund der Naturkulisse eindrucksvoller ausfällt. Der Thingvellir Nationalpark ist ein solcher Platz. Vor der Reise lohnt es sich, die große Auswahl der besten Polarlichter-Touren ab Reykjavík zu durchsuchen und nach eigenen Vorlieben zu entscheiden.

Schwedisch-Lappland

In Schwedisch-Lappland, insbesondere in der Nähe von Abisko und Kiruna, hoffen viele Reisende auf eine Sichtung. Belohnt werden sie für den langen Weg bei gutem Wetter mit einem intensiven Farbschauspiel.

Finnisch-Lappland

Auch Finnisch-Lappland gehört zu den beliebtesten Orten für eine Beobachtung. Vor allem in Nellim nahe des Inarisees sowie in Utsjoki, Ivalo und Kakslauttanen sollen die Lichter zu erspähen sein.

Norwegen

Wer Polarlichter in Norwegen erleben möchte, sollte sich im Norden des Landes aufhalten. Die Stadt Tromsø gilt als besonders begehrt, aber auch in Alta und entlang der historischen Postschifflinie Hurtigruten sind Polarlichter während der Saison ein gerne gesehener Gast.

Grönland

Bei Grönland verhält es sich wie mit Island. Die komplette Insel ist ein guter Platz, um Polarlichter zu sehen. Das Innere der Insel ist für Urlauber allerdings nicht befahrbar, weswegen Beobachtungen an der Küste, beispielsweise auf der Insel Ammassalik erfolgen.

Svalbard

Die norwegische Inselgruppe Svalbard (auch als Spitzbergen bekannt) liegt ebenfalls unterhalb des Polarlichtovals. Hierhin zieht es Reisende nicht nur wegen der Aurora Borealis, sondern auch, weil dort Eisbären gesichtet werden können.

Abgesehen von den bereits genannten Regionen treten Polarlichter zudem in Alaska, Sibirien, Kanada und auf den Färöer Inseln in Erscheinung. Spannend für Interessierte dürfte die Live-Prognose des Space Weather Prediction Centers sein, die die aktuelle Aktivität bildlich darstellt und eine 30-Minuten-Vorhersage ermöglicht.

Wie entstehen Polarlichter?

Verantwortlich für die Entstehung von Polarlichtern ist die Sonne. Auf ihrer Oberfläche kommt es regelmäßig zu Eruptionen, bei denen Röntgenstrahlen und elektrisch geladene Teilchen gen Erde geschleudert werden. Sobald diese Teilchen auf das Erdmagnetfeld treffen, wird dieses ein wenig zusammengedrückt. Dabei gelangt ein Teil der Partikel bei seiner Reise in Richtung Pol in die obersten Schichten der Atmosphäre (auch Ionosphäre genannt) und ionisiert dort Gasmoleküle.

Infolgedessen verändert sich die Verteilung der Elektronen vorübergehend. Bei der Rückkehr wird elektrische Strahlung in Form von Lichtenergie freigesetzt, die dann vom Boden aus als Polarlicht erkennbar ist. Wie hell die Aurora Borealis ist und wie groß das Areal ausfällt, in dem sie beobachtet werden kann, wird von der Intensität des Sonnensturms bestimmt. So kam es nach einer besonders heftigen Eruption 2015 sogar in Deutschland zu Sichtungen.

Die Farben und Formen des Polarlichts

Welche Farbe Polarlichter haben, ist abhängig von der Gattung der Gasmoleküle, mit denen die elektrisch geladenen Partikel des Sonnensturms zusammentreffen. So können Sauerstoffatome sowohl grünes als auch rotes Licht erzeugen. Das Ergebnis hängt meist mit ihrer Höhe in der Atmosphäre zusammen. Stickstoffatome wiederum senden blaues und violettes Licht aus, was vor allem bei starken Sonnenstürmen zu sehen ist. Darüber hinaus gibt es Polarlichter, die für das menschliche Auge nicht erfassbar sind, da sie beispielsweise ultraviolettes Licht erzeugen oder im Röntgen- oder Langwellen-Bereich liegen.

Grundsätzlich können Polarlichter nicht nur nach Farben, sondern auch nach Formen unterschieden werden. Experten nutzen für die Unterteilung verschiedener Erscheinungen die sogenannte „Vallance-Jones Classification“, die zwischen Bögen, Bändern, Flächen, Strahlen und Koronen differenziert. Auch die Form steht in direktem Zusammenhang mit der Art und der Intensität des jeweiligen Sonnensturms. Wer selbst einmal Polarlichter beobachten möchte, sollte sich am besten vorab mit dieser Klassifikation beschäftigen und schauen, welche Formen er erkennen kann.

Bildquelle: Pixabay user:Noel_Bauza

© Schwäbische Post 24.08.2018 09:45
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