Das richtige Outfit für ein attraktives Volksfest

Alpenvorland Maria Huber präsentiert Stoffballen in allen Farben.
  • Maria Huber aus Rosenheim hat Erfahrung mit Trachten. Foto: Frühauf

Bei vielen Frauen stehen Trachten hoch im Kurs. Das perfekte Dirndl gibt es bei der Trachtenschneiderin im Chiemsee-Alpenland. „Wer sich in seinem ‚Gwand‘ wohlfühlt, kommt gut rüber“, erklärt Maria Huber den Besuchern. Die Gruppe verbringt ein paar Tage im Chiemsee-Alpenraum und möchte mehr über Dirndl erfahren.

Maria Huber ist Geschäftsführerin vom Stoff-Reich in Rosenheim, ein Stoffhaus mit Dirndlwerkstatt. Sie steht im einteiligen, weinroten Dirndl vor den bunten Regalen des Traditionsgeschäfts, das seit 1886 am Mittertor in der Stadtmitte ist. Über ihrem Kleid sitzt eine hellgrüne Schürze mit Rosenmuster, die lockere, sanft schimmernde Falten wirft – ihre Schleife ist auf rechts gebunden. „Das zeigt, dass ich verheiratet bin. Links bedeutet ledig und mittig lässt die ‚Buben‘ im Ungewissen“, fügt die Chefin hinzu.

Traditionsreiches Geschäft

Die Bayerin steht seit knapp 20 Jahren im Laden von Alois Reich, der hier Ende des 19. Jahrhunderts mit Haushaltsartikeln begonnen hat. Über die Stoffe entwickelte sich das Familienunternehmen hin zum Trachtengeschäft. Maria Huber legt verschiedene Stoffballen auf die Theke und zeigt auf einen glänzenden grünen mit Streifen: „Das ist Kunstseide.“ Sie ähnelt Naturseide, ist aber aus Polyester. „Diese Stoffe sind pflegeleicht und erschwinglich.“ Zwischen 30 und 40 Euro kostet der Meter. Für ein Dirndl benötigt man rund vier Meter Stoff.

Etwas fester fühlt sich der Ballen daneben an. Er ist mit kleinen Rosen bedruckt und ein Gemisch aus Seide und Baumwolle, sogenannte Halbseide, die preislich höher liegt. Wer Seide möchte, muss noch tiefer in die Tasche greifen. „Das feine Gewebe fängt bei rund 60 Euro je Meter an.“ Eine Tracht ist für die Rosenheimer eine Investition, die sich über Jahre hinweg auszahlt. Die Frauen führen ihre Dirndl nicht nur beim Herbstfest aus, sondern zeigen ihre schönsten Stücke auch sonntags bei der Messe. 15 bis 20 Dirndl können da schon zusammenkommen.

Maria Huber jedenfalls lacht bei der Frage nach der Anzahl ihrer Trachten und sagt: „Ja mei, des kann I ned sogn.“ Obwohl das ‚Gwand‘, wie sie es nennt, in und um Rosenheim immer schon gefragt war, wird es immer beliebter. Immer wieder landen auch Erbstücke in der Trachtenwerkstatt, die dem Stoffladen genau gegenüberliegt und wohin die Gruppe jetzt geht. Dort sitzt eine Schneidermeisterin an der Nähmaschine. Gemeinsam mit zwei Gesellinnen und zwei Lehrmädchen sowie einer Teilzeitkraft lassen die Frauen von Montag bis Freitag die Nadeln der Maschinen über die Stoffe schnurren.

Dabei entstehen individuelle Dirndl und Schürzen. Die Trachten betonen die Schokoladenseite der Trägerinnen und kaschieren gleichzeitig Problemzonen – Dank Farben und Muster, dem optimalen Ausschnitt und Rüschen und Schößle an der richtigen Stelle.

Das ist wohl auch der Grund, warum Schlanke wohlgeformter und füllige Frauen schmaler im Dirndl erscheinen sollen. Ein bis zwei Stunden dauert es, um Stoffe und Schnitt für ein Kleid auszusuchen.

Ein diplomatischer Job

Ein Job, der Diplomatie erfordert. Dann wird Maß genommen Nach rund vier Wochen wird noch einmal anprobiert, bevor das Dirndl ausgeführt werden kann. Über 500 Euro kosten die handgefertigten Einzelstücke – nach oben offen. „Ich habe schon versucht, mir Maße durchgeben zu lassen“, erinnert sich Maria Huber mit Schaudern. Das funktioniere einfach nicht. Sie nimmt ein Maßband zur Hand und zeigt, wo genau die Oberweite, die Taille und die Länge der Beine gemessen werden.

Als Nächstes geht es in Richtung bayerische Alpen, genauer zur Kampenwand. Auf der Fahrt diskutiert die Gruppe, ob sich denn ein Dirndl außerhalb von Bayern überhaupt lohne. „Ich habe auch 15 Dirndl im Schrank,“ wirft die Fahrerin Dagmar Beyer ein, die aus Nordrhein-Westfalen stammt. Ihren unschlüssigen Fahrgästen empfiehlt die Wahl-Bayerin den Alpenrock, den gibt es für 100 Euro in den Rosenheimer Trachtengeschäften. Der Rock ohne Schürze, dafür mit Bund und Schließen, kann sogar mit T-Shirt kombiniert werden. Für die Besucherinnen klingt das nach einer Alternative – passend fürs Stuttgarter Fest des Jahres, das Cannstatter Volksfest.

Annette Frühauf

© Schwäbische Post 28.09.2018 17:14
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