Selbst bei den Franzosen wenig bekannt

Kulinarik Der Südwesten Frankreichs mit der Gascogne bietet viel
  • Foto: Gerhard Bläske

Dass Alain Brumont ausgerechnet in diese Eiche ein komfortables Baumhaus bauen ließ, ist kein Zufall. Der Blick von hier oben ist großartig. Er schweift weit über grüne Hügel und Täler, kleine Wäldchen und Felder. In der Ferne erstreckt sich die Gebirgskette der Pyrenäen und in der nahen Umgebung liegen Brumonts Weinberge. Sein Chateau Bouscassé Vieilles Vignes wurde 1991 zum besten Wein der Welt gekürt und in Blindverkostungen schlagen seine Weine oft die besten Bordeaux-Weine aus dem Feld.

Wer durch die von tief eingeschnittenen Tälern durchzogene Landschaft radelt oder mit dem Auto fährt, tut das auch irgendwie wegen Brumont. Denn in seinem Gefolge haben auch viele junge Winzer auf die typischen Rebsorten dieser Region wie den stark tanninhaltigen Tannat gesetzt und produzieren auf den teilweise steilen und von Felsen durchsetzten Hängen bisweilen Spitzenqualitäten.

Weinprobe und leckere Wurst

Beim Radeln auf den kleinen Straßen bleibt es jedem selbst überlassen, an wie vielen Weingütern er haltmacht und verkostet. Die lokale Landwirtschaft mit ihren oft deftigen Wurst-Spezialitäten sorgt für eine entsprechende Grundlage. Die Region zwischen Bordeaux und den Pyrenäen ist selbst in Frankreich relativ unbekannt. Leute wie Brumont oder André Dubosc haben ihr eine neue Identität gegeben durch die Rückbesinnung auf alte Stärken und durch die Wiederanpflanzung alter Rebsorten, die fast verschwunden waren.

Auch Dubosc, Sohn eines Winzers, der in Montpellier Weinbau studiert hatte, setzt seit den 70er Jahren konsequent auf Tannat und die süffige weiße Rebsorte Colombard. Es gelang ihm, die drei Winzergenossenschaften des Departements Gers, etwa 20 Kilometer nördlich von Madiran - Plaisance, Aignan und Saint-Mont zur Weinkooperative Plaimont zu vereinen. Er veranlasste die Weinbauern, alkoholarme Massenrebsorten, die vor allem der Erzeugung von Armagnac dienten, herauszureißen.

Die Heimat des Musketiers

Die Landschaft ist hier sanfter, weniger steil. In Saint-Mont wird gerade ein Kloster aus dem 16. Jahrhundert hergerichtet. Die Weinkooperative von Plaimont hat es gekauft, um ein Hotel mit Restaurant einzurichten. Es soll Schaufenster für den Wein sein, vom Tischwein bis zum Spitzenwein Chateau Sabazin. Noch etwas weiter nördlich liegt die Gascogne, Heimat des Musketiers D’Artagnan. Hier werden vor allem günstige Weißweine produziert. Die Dörfer der Gascogne ähneln häufig Festungen, sind meist rund angelegt, und, wie etwa Lectoure oder Montréal, zum Schutz gegen Überfälle oft heute noch von mächtigen Mauern umgeben. In der Regel liegen in der Mitte ein arkadengesäumter Platz und eine festungsähnliche Kirche, die im Bedarfsfall eine letzte Zuflucht war.

Die „Route des Bastides“ verbindet einige der schönsten dieser Festungen, die meist auf Hügeln errichtet sind und weite Blicke in die Landschaft erlauben. Die Region, die weder über Autobahnen noch über Bahnlinien verfügt und kaum Industrie hat, bietet noch andere Spezialitäten. Die Winzer von Plaimont sind seit jeher Partner des inzwischen weltberühmten Jazz-Festivals im kleinen Dorf Marciac. Mehr als 200 000 Besucher kommen jeden August, um Jazz-Größen wie Brad Mehldau, Wynton Marsalis, Chick Corea, Stacey Kent oder Gregory Porter, aber auch das Off-Jazz-Festival zu erleben. Gerhard Bläske

© Schwäbische Post 19.10.2018 15:56
1701 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.