Es krippelt in den schwäbischen Händen

Handwerk Alle Jahre wieder können in Bayerisch-Schwaben zahlreiche Krippen in Kirchen, Privathäusern und Ausstellungen bewundert werden. Die meisten werden jährlich handgemacht.
  • Foto: Frühauf

Im Arbeitsraum der Krippenfreunde ist es hell - zahlreiche Lampen strahlen von der Decke. Konzentriert sitzen 17 Männer, zwei Frauen und Gabriel über kleine Holzstücke gebeugt und schnitzen wie jeden Dienstag. „Ich mache einen Elefanten für meine eigene Krippe“, erzählt Gabriel, der mit viel Abstand der Jüngste im Raum ist. Zum Handwerk mit der langen Tradition ist er über den Schnitzkurs für Kinder gekommen, den die Mitglieder einmal im Jahr anbieten. In der rechten Hand hält Gabriel sein Schnitzmesser und in der Linken, die zum Schutz in einem Handschuh steckt, sein Holz. Mit dem Messer sticht er vorsichtig kleine Späne ab. Mit etwas Fantasie sind bereits die Vorderbeine des Tieres zu erkennen. Mit Rat und Tat steht ihm Ewald Przygoda zur Seite, der Gabriel gegenübersitzt. Seit knapp zwei Jahren ist der Junge mit dabei. Sein Hobby gefällt ihm gut.

Nicht nur Vollholz-Figuren

„Das Schnitzen hat in Krumbach und Umgebung eine lange Geschichte – eigentlich geht sie bis ins 13. Jahrhundert zurück“, erzählt Heidi Landsperger, die den Krippenfreunden vorsteht. „Den Menschen in der Gegend ging es damals so schlecht, dass sie nach Tirol ausgewandert sind, wo sie Arbeit in den Silberbergwerken gefunden haben.“ Mitte des 16. Jahrhunderts kehrten einige der Auswanderer in ihre Heimat zurück und mit ihnen das Handwerk des Schnitzens. Nicht alle Anwesenden fertigen Vollholzfiguren. „Ich mache eigschleifte“, sagt Landsperger, die zwar in Bayern lebt, bei der sich aber ab und zu auch ein schwäbisches Wort einschleicht. Sie wohnt schließlich dort, wo Bayern schwäbisch schwätzt. In ihrer Kiste liegen mehrere Köpfe neben Händen und Beinen. „Die Gliedmaßen verbinde ich mit Draht“, veranschaulicht die Schnitzerin ihre Technik. Ihre Figuren tragen selbst genähte Kleider.

Seit dem 13. Jahrhundert

Krippen sind seit jeher Ausdruck eines tief empfundenen Glaubens. Bereits der heilige Franziskus arrangierte im 13. Jahrhundert im Wald von Greccio eine lebendige Krippe. Später stellten vor allem die Jesuiten Krippen in ihren Ordenskirchen auf. Im Barock hielt die Krippenfrömmigkeit dann auch im Süden Deutschlands Einzug. Die Marktgrafschaft Burgau, die ungefähr dem heutigen Landkreis Günzburg mit den Städten Krumbach und Ichenhausen entspricht, gehörte damals zu Österreich, wo ab 1782 die Krippen in den Kirchen verboten wurden. Im Frieden von Pressburg 1805 akzeptierte das damalige Kaisertum Österreich seine Niederlage gegen Napoleon Bonaparte und verlor Burgau an das neue Königreich Bayern, in dem bis 1823 ein Verbot von Kirchenkrippen bestand.

Bayerischer Krippenverein

Ich mache einen Elefanten für meine eigene Krippe.

Gabriel?, ? jüngster Krippenbauer

In dieser Zeit gewannen die Hauskrippen an Bedeutung und im Landkreis Günzburg gründete Pfarrer Alois Burger bereits 1917 den bayerischen Krippenverein. Die Krippenfreunde, die Teil des Heimatvereins Krumbach sind, sind noch jung. Sie feiern dieses Jahr gerade mal ihr 20-jähriges Bestehen. Dennoch droht ihnen die Überalterung. Der Verein mit seinen rund 50 Mitgliedern braucht weitere Gabriels.

Früher Figuren gebacken

Der Schüler feilt indes immer noch an seinem Elefanten. Nicht jeder konnte sich früher so ein holzgeschnitztes Tier in den Krippenstall stellen. „Die Bachenen“, also gebackene Figuren kamen auf, erzählt Heidi Landsperger und verweist auf das örtliche Heimatmuseum. Hier führt die Museumsleiterin Anita Roth durch die Ausstellung. Hinter Glas werden auch die original Patrizen (Positivformen) der „Bachenen“ aus Lindenholz gezeigt, von denen es nicht mehr viele gibt. Von der Patrize wird ein Abdruck, auch Model genannt, gemacht, in den der Tonteig kommt. Nach dem Trocknen wird die Figur gesäubert und dann gebrannt. Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Nagelschmied Anton Schnitzler in Krumbach mit der Technik der gebackenen Krippenfiguren.

Noch heute findet man die Teigfiguren vereinzelt auch noch in den Privatkrippen, die bis zum 2. Februar bestaunt werden können. Auch Eugen Miller, der den Krippenfreunden angehört, zeigt seine Simultankrippe gerne. Darin sind gleichzeitig mehrere Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dargestellt. Die Krippenlandschaft steht inzwischen ganzjährig im Windfang seines Eingangs.

© Schwäbische Post 07.12.2018 15:18
656 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.