Auf der Spur des Wappen-Tieres der Staufer

Ausflug Originelle Wandertouren auf den Löwenpfaden im Stauferland.

Holger Bäuerle hat einen Traumjob. „Bei Sonnenschein mit dem Hund die schönsten Wanderwege der Region erkunden – da hat mich jeder beneidet“, erzählt der Tourismusförderer des Landkreises Göppingen. Ziel war wie so oft der Weg, oder genauer: 15 davon. Mit einem Etat von rund 850 000 Euro sollte Bäuerle ein neues Tourismuskonzept für den Landkreis erarbeiten und umsetzen. Und weil dessen Highlights der Albtrauf, die Kaiserberge und die Staufergeschichte sind, sind sein Herzstück Themen- Wege. Deren Löwenanteil wiederum machen die Löwenpfade aus, 15 Rundwanderwege zwischen 3 und 17 Kilometern, von barrierefrei bis anspruchsvoll.

So wie die Spielburgrunde. Stilecht beginnt man sie am Fuße des Hohenstaufen mit einem Blick in den Dokumentationsraum „Die Staufer“ oder in die Barbarossakirche. Die hat der Stauferkaiser allerdings nie betreten, denn sie wurde erst im 15. Jahrhundert gebaut, 200 Jahre nach dem Ende der Stauferherrschaft. Aus den Tiefen der Geschichte führt der Löwenpfad schnurstracks hinauf auf den Hohenstaufen. Der misst zwar nur 684 Meter, aber die haben es in sich. Außer Atem oben angelangt, empfängt Andreas Schweickert die Wanderer mit Geschichten, Gedichten und Kirschkuchen. Der Werbefachmann, Heimatliebhaber, Philosoph und Macher hat sich in den Hohenstaufen verliebt und beschlossen, ihm Leben einzuhauchen. In seiner Berggaststätte, eingebettet in die Ruinen der Staufer-Stammburg, verköstigt er Ausflügler und richtet Firmenevents und Familienfeste aus. Gratis dazu gibt es Heimatkunde. „Der Hohenstaufen war einst Teil des Jurameers. Deshalb findet man hier oben zwei Millionen Jahre alte Fossilien“, weiß Schweickert.

Keine Pläne der Burg erhalten

Von der alten Burg sieht man nichts mehr, denn sie ging in Flammen auf, die Steine wurden zum Schlossbau in Göppingen genutzt. Dessen Oberbürgermeister Guido Till erzählt, dass lange über den Wiederaufbau der Burg diskutiert wurde. „Es existierten keinerlei Pläne, wie das Original aussah. Deshalb verwarf man die Idee“, sagt Till. Und das, obwohl – ungefragt – aus Taiwan ein Angebot für die originalgetreue Ausfertigung der Burg in Plastik kam.

So wird der Hohenstaufen heute nicht von Kunstwelten beherrscht, sondern von Natur. Man sitzt auf der Beinebaumelbank und genießt die Aussicht: hinab ins Filstal und hinüber ins Remstal oder zur Alb mit ihrer spektakulären Traufkante. Ein Mammutbaum spendet Schatten, mächtige Linden beschützen ihn vor den rauen Winden. Zur Blütezeit ist der Aussichtspunkt ein einziges Summen, aus dem Ergebnis gewinnt Schweickert Irenengold, den Hohenstaufenhonig. Man könnte stundenlang hier sitzen, wären da nicht noch einige Wegkilometer, wahlweise über die Spielburg zurück nach Hohenstaufen oder auf der großen Stauferrunde übers Schloss Filseck und die Spielburg zur Burg Wäscherschloss. Alle Löwenpfade eint, dass sie als Qualitätswege zertifiziert sind und damit Abwechslung, Aussicht, viel Natur und wenig Asphalt bieten.

Eine App für die junge Zielgruppe

Insgesamt hat der Landkreis Göppingen 1 200 Kilometer Wanderwege. „Eine ganze Menge“, weiß Holger Bäuerle. Nicht nur, weil er viele davon erwandert hat, sondern weil er sich auch um die Diskussionen mit Grundstückseigentümern, betroffenen Interessengruppen und zuständigen Behörden kümmern musste. Und für „die junge Zielgruppe, die das Wandern gerade für sich entdeckt“, wurde extra eine App entwickelt. „Das braucht’s heute“, meint Bäuerle. Dennoch sei jeder Löwenpfad so ausgeschildert, dass man ihn ohne Karte und GPS wandern kann. An der Wesselbergrunde funktioniert das ganz prima. Folgt man brav dem Löwen, führt der einen kilometerweit an der Albtraufkante entlang zu immer neuen Ausblicken auf die drei Kaiserberge. Oben auf dem Wesselstein ist die Aussicht perfekt. Nur den Beweis, dass es auch Löwen auf den Pfaden gibt, bleibt Bäuerle diesmal schuldig. Denn seine Hündin Lilo will an diesem Sonnentag nicht modeln: Selbst mit gutem Zureden und Wurstbestechung akzeptiert sie nur für einen winzigen Moment, dass ihr das Herrchen eine Löwenmähne umschnallt. Bettina Bernhard

© Schwäbische Post 07.12.2018 15:26
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