Wohin mit dem vielen ausländischen Geld?

Devisen Nach einer Reise bleiben oft Münzen der Fremdwährung im Portemonnaie
  • Reguläre Banken wechseln so manche Münze nicht. Foto: Pixabay

Die Geschäftsstellen der ReiseBank gehören zu den wenigen Anlaufstellen in Deutschland, wo man ausländisches Kleingeld noch loswerden kann“, sagt der ReiseBank-Vertriebsdirektor Thomas Schmidt. Sie nehmen zwar nicht mehrere Kilo alter Münzen an, aber das Kleingeld der Staaten, in die die Deutschen hauptsächlich außerhalb der Eurozone reisen. Die gängigsten Münzen dieser neun Länder werden aufgekauft: Schweizer Franken, tschechische Kronen, polnische Zloty, die Kronenwährungen aus Dänemark, Schweden und Norwegen, der US-Dollar, das britische Pfund und der kanadische Dollar. Die Kunden müssen zwar einen deutlichen Abschlag zahlen, aber das nehmen offenbar viele Münzwechsler in Kauf. „Viele Münzen bieten wir natürlich anderen Kunden auch wieder an“, sagt Schmidt. Reisende haben so bei der nächsten Reise am Zielort ein bisschen Kleingeld parat, um Automaten und Gepäckwagen zu füttern. Die ReiseBank hat Filialen in 50 deutschen Städten und ist an allen großen Flughäfen und Bahnhöfen zu Hause.

Münzen spenden

Wer für die klingenden Souvenirs aus fernen Ländern keine Abnehmer findet, kann mit den kleinen Schätzen dennoch Gutes bewirken. Denn verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen nehmen gerne die alten Restdevisen an und unterstützen damit Hilfsorganisationen. Jährlich rund 30 000 Euro landen allein bei der Welthungerhilfe. „Jeden Tag mehrere Pakete Münzen“ nimmt Iris Aulenbach in der Bonner Zentrale an und ergänzt: „Geld wirft man ja nicht einfach so weg.“ Die Welthungerhilfe tauscht Devisen aus allen Ländern in Euro um. Ist ein Umtausch nicht mehr möglich, gibt sie die Münzen zum Kilopreis ab. Sie nimmt auch alte Münzen und Banknoten aus den Euroländern an. Unterstützt werden mit dem Geld Projektarbeiten der Welthungerhilfe von Äthiopien bis zur Zentralafrikanischen Republik. Wer also die Münzen spenden möchte, der steckt sie in einen Umschlag und gibt sie zur Post.

Noch einfacher werden Flugreisende ihre Münzen am Flughafen in München los. Dort stehen in allen Abflugterminals sowie im Zentralbereich Spendenboxen des Vereins München für Harare. Die Initiative einiger Münchner Stadtratsmitglieder unterstützt seit vielen Jahren Kinder und Jugendliche in Simbabwe.

Wer in Baden-Württemberg seine ausländischen oder alten Münzen loswerden möchte, der findet im Ländle Spendenboxen des Caritasverbandes der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die Boxen stehen in Kirchen und Banken, aber auch in Bäckereien und vielen Geschäften. Ob alte D-Mark, übrig gebliebene Dollar, Yen oder Pfund, alle Münzen dürfen dort eingeworfen werden. Mit der Aktion „Kleine Münze – große Hilfe“ kamen allein im Jahr 2015 rund 12 000 Euro für Hilfsprojekte zusammen, wie Eva-Maria Bolay von der Pressestelle des Caritasverbandes berichtet.

Kreativ werden

Onkel Willi träumt von einer Reise nach New York, die Tochter will nach dem Abitur nach Neuseeland – glücklich ist, wer nun ein Sammelsurium an fremden Münzen in seinen Schubladen hortet. Denn damit lassen sich kreative Geschenke für Reiselustige basteln. So können beispielsweise Landkarten der Traumreiseländer, aber auch Glückwunschkarten mit aufgeklebten Münzen aufgepeppt werden. In einem schönen Bilderrahmen kommen exotische Münzen zu neuen Ehren, oder man werkelt aus ihnen, aufgeklebt auf festem Papier und eingeschweißt in Folie, Lesezeichen für die nächste Reiselektüre.

Alte Währungen - wohin damit?

Wer tief in seinen Schubladen kramt, findet oft auch noch alte österreichische Schillinge, niederländische Gulden, spanische Peseten und andere ehemalige europäische Währungen. Diese Schätze können seit etwa 2012 bei Euromoney24, einem IT-Dienstleister in Wien, gegen eine Gebühr gewechselt werden. Diesen Dienst haben seither rund 1 000 Kunden genutzt.

Folgende ehemalige europäische Währungen wechselt Euromoney24: Scheine und Münzen der Deutschen Mark, des österreichischen Schilling, der estnischen Krone, des lettischen Lats, des litauischen Litas, des irischen Pfund und der spanischen Peseta sowie Scheine des luxemburgischen Franc, der niederländischen Gulden, des slowenischen Tolar, der slowakischen Krone, des portugiesischen Escudo und des belgischen Franc. Wie geht das? Über den Postweg oder mit einem kostenlosen Rücksende-Kuvert mit ausgedrucktem Formular, das man bei Euromoney24 anfordern kann, schicken Kunden ihre Münzen und Scheine nach Wien. Die anfallenden Gebühren können vorab im Internet im Währungsrechner eingesehen werden.

Wer mit seinen alten Währungen Gutes tun möchte, der kann über Euromoney24 auch spenden. Als offizieller Partner von Unicef Österreich und der Tierrechtsorganisation Peta bietet das Unternehmen die komplette Spendenabwicklung an und verspricht, dass 100 Prozent der Einnahmen an die Organisationen gehen. Sybille Boolakee

© Schwäbische Post 29.03.2019 16:25
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