Mit dem Schiff in eine ungewisse Zukunft

Bremerhaven Der Ort ist die größte Auswandererstadt Deutschlands. Im Containerhafen ist die längste Hafenmauer zu bestaunen, im Fischereihafen werden 1,5 Milliarden Fischstäbchen jährlich produziert.
  • Im Klimahaus „Bremerhaven 8? Ost“ erstreckt sich eine über 11?500 Quadratmeter große Ausstellung zu den Themen Klima, Klimawandel und Wetter. Foto: Marcus Meyer
  • Die große Kirche von Bremerhaven. Foto: Frühauf
  • Foto: Tourismus Bremerhaven/Helmut Gross

Noch vor einigen Jahren war dort nichts, wo man heute von den Aussichtsplattformen Sail City die Havenwelten erblickt – mit dem Klimahaus Bremerhaven 8? Ost, der Shoppingmall Mediterraneo, dem Neuen und Alten Hafen, dem Historischen Museum Bremerhaven sowie Zoo und Leuchtturm. Die Besucherterrassen sind im 20. und 21. Stock des über 140 Meter hohen Gebäudes, dem höchsten der Stadt. Bei entsprechendem Wetter schweift der Blick bis zu den Übersee- und Fischereihäfen und weiter zur Wesermündung in die Nordsee.

Auch vom 107 Meter hohen Radarturm bietet sich ein Panoramablick über die Stadt an der See. Die Antennen des Richtfunkturms empfangen Radarbilder und Funkgespräche, die zur Sicherung und Beratung des Schiffsverkehrs auf der Außen- und Unterweser dienen.

Die Spuren der Auswanderer

Geschichten, die berühren, erzählen Auswanderer im Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven.

Deutschland ist schon immer von Migration geprägt. Über sieben Millionen Menschen emigrierten hier zwischen 1830 und 1974 vom einst größten Auswandererhafen Europas. Ihre Geschichten werden im Museum erlebbar.

Gemeinsam geht es nach Übersee mit einem Auswanderer, der erzählt, wie es sich anfühlt, im Jahre 1888 an Bord eines Dampfschiffs zu gehen und einer ungewissen Zukunft entgegenzufahren. Mindestens 53 Millionen Menschen haben seit 1685 deutsche Grenzen überquert – manche für immer, andere nur auf Zeit. 33 Aus- und Einwanderer erinnern sich, welche Hoffnungen, Ängste und Sorgen sie umtrieben und wie sich ihr Leben veränderte.

Klima hautnah erleben

Zu heiße, zu kalte oder zu trockene Wetterbedingungen kennt inzwischen wohl jeder. Im Klimahaus Bremerhaven 8? Ost erstreckt sich eine über 11 500 Quadratmeter große Ausstellung zu den Themen Klima, Klimawandel und Wetter. Entlang des 8. Längengrades geht es auf Weltreise durch die Klimazonen der Erde. Hautnah werden die neun ausgewählten Orte auf fünf Kontinenten erlebt – schwitzend geht es durch die Wüste, eisig kalt ist es in der Antarktis und feucht im tropischen Regenwald. An Beispielen werden die Hintergründe der Klimaveränderungen dargestellt und Prognosen für die Zukunft gestellt. Anschaulich wird gezeigt, was jeder zum Klimaschutz beitragen kann. Die Klimaerlebniswelt feiert dieses Jahr zehnjähriges Bestehen, mehr zum Jubiläumsprogramm unter www.klimahaus-bremerhaven.de

Täglich finden rund 200 000 Tonnen Güter ihren Weg nach Bremerhaven.

Annette Frühauf Autorin

Segler, Schiffe, Pötte

Schiffe gucken – oder wie es auf Plattdeutsch heißt: „Pötte kieken“ – kann man an vielen Orten der Stadt, selbst mittendrin, beispielsweise im Museumshafen (Alter Hafen), der Teil der Havenwelten ist. Dort liegt die „Seute Deern“ (süßes Mädchen) – einer der letzten hölzernen Frachtsegler: heute ein Restaurant. Ganz in der Nähe hat das U-Boot „Wilhelm Bauer“ festgemacht. 58 Mann konnten damit auf Tauchfahrt gehen. Es wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs von der eigenen Besatzung versenkt, später geborgen und danach restauriert. Auch das erste deutsche Polarforschungsschiff „Grönland“ liegt ganz in der Nähe, im Neuen Hafen, vertäut. Hafenrundfahrten finden sowohl in den Überseehäfen als auch im Fischereihafen statt und mit den Weserfähren werden die umliegenden Orte der Nordseeküste angefahren. Das Fahrgastschiff MS „Oceana“ nimmt von Mai bis September Passagiere auf Weser-Rundfahrt mit.

Mit dem Hafenbus auf Tour

Von den Überseehäfen gehen die Waren in alle Welt. Allein rund 95 000 Autos stehen gut eingepackt auf dem wohl größten Autoparkplatz im Hafen für sperrige Güter. Von dort werden sie von Fahrern, die nur ein kleines Guckloch zum Herausschauen haben, in die riesigen Bäuche der Autofrachter manövriert. Im benachbarten Containerhafen ist die Kaje (Hafenmauer) mit fast fünf Kilometern die längste der Welt. Hier werden die Frachter mittels 41 Containerbrücken beladen. Täglich finden rund 200 000 Tonnen Güter ihren Weg nach Bremerhaven. Der Hafenbus ist das einzige Fahrzeug, das in den Containerterminal fahren darf. In die Häfen hinein erstreckt sich das gigantische Schienennetz des größten Rangierbahnhofs in Europa.

Ein Zoo direkt am Meer

Der kleinste wissenschaftliche Zoo mit seinen 800 Tieren liegt direkt am Wasser. Entstanden ist der Tierpark aus dem Nordsee-Aquarium und hat sich auf Tiere spezialisiert, die im und am Wasser leben. Hier gelang die erfolgreichste Nachzucht von Brillenpinguinen und die weltweit erste Nachzucht eines Seehundes sowie eines Kalifornischen Seelöwens. 1954 lebte „Hansi“ in Bremerhaven, der erste ausgewachsene Klappmützenbulle eines Zoos. Führend ist die Einrichtung auch bei den Eisbären – mit 36 Nachzuchttieren. Die zahlreichen Superlative sorgen für Begegnungen der ganz besonderen Art. Der Zoo hat täglich ab 9 Uhr geöffnet, Montag ist Familientag mit besonders günstigen Eintrittspreisen.

Bei den Bremerhavenern heißt die Kirche aus dem Jahr 1855 einfach nur „Große Kirche“, denn der rote neugotische Backsteinbau gehört mit dem 86 Meter hohen Turm zu den höchsten Gebäuden der Stadt. Obwohl der Bau zahlreiche mittelalterliche Details enthält, ist er nach klassizistischen Prinzipien gestaltet. Die Einweihung fand durch den damaligen Bürgermeister Smidt statt. Der einzige historische Straßenzug, der von den Angriffen im Zweiten Weltkrieg verschont geblieben ist, wurde ebenfalls nach dem Bürgermeister benannt: „Bürgermeister-Smidt-Straße“. Bekannt ist die beliebte Einkaufsstraße mit vielen Restaurants und angesagten Clubs aber kurz und knackig unter dem Namen „Bürger“.

© Schwäbische Post 26.04.2019 15:14
1388 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.