Regionale Braukunst steht hoch im Kurs

Regionale Brauereien stellen ihre Bierspezialitäten nach wie vor nach dem strengen deutschen Reinheitsgebot von 1516 her und bürgen für ihre hohe Qualität. Zu den Festtagen haben viele Brauer zudem besondere Festbiere mit extra würzigem Geschmack im Sortiment.
  • Von der Heubacher Brauerei gibt es neue Craft-Bier-Sorten. Foto: Heubacher Brauerei
  • Regionale Brauereien bürgen für ihre hohe Qualität und werden häufig mit Preisen ausgezeichnet. Foto: Brauerei Ladenburger
  • Beim großen Fest darf man gerne mit einem besonderen Bier anstoßen. Foto: Rotochsen-Brauerei Ellwangen

Die regionalen Brauereien bieten zu den Festtagen besondere Spezialitäten an, sei es Festbier, der klassische Bock oder auch Craft-Bier. Alle diese Spezialitäten zeichnen sich durch einen besonders würzigen Geschmack und eine goldgelbe Farbe aus.

Ausgereifter Geschmack

„Aus unserer Sicht sind all unsere Biere Spezialitäten,“ betont Alexander Veit, Geschäftsführer der Rotochsen-Brauerei in Ellwangen. „Aber saisonal haben wir natürlich unser Bock- und unser Festbier.“

Im Vergleich zum würzigen, aber vergleichsweise hellen Export-Bier zeichnet sich das traditionelle Weihnachtsbier durch seine dunklere, goldgelbe Farbe und eine feinporige Schaumkrone aus. Ein zum Anlass passendes, festlich gestaltetes Etikett darf natürlich nicht fehlen. „Das Malz wird für dieses Bier bei 80 °C gedorrt“, erklärt Veit. Durch diese höhere Temperatur, bei der das Malz getrocknet wird, kommt die dunklere Farbe zustande. Mehr Malz hat im Endprodukt auch einen höheren Alkoholgehalt zur Folge.

Für edlen Biergenuss stehe der Traditionsbock. Für diesen Klassiker verwende die Brauerei nochmals mehr Malz als Zutat, woraus der besonders kräftige, leicht süßliche Geschmack resultiere. „Unser Bockbier wird in der Winterzeit von November bis Februar angeboten und lagert bei etwa null Grad besonders lange“, berichtet der Geschäftsführer der Ellwanger Traditionsbrauerei. Dadurch komme ein besonders ausgereifter, vollmundiger Geschmack zustande.

Sich etwas Besonderes gönnen

Als vor vielen Jahren die Entscheidung fiel, diese Biere zu Weihnachten in das Angebot aufzunehmen, sei es auch darum gegangen, den Kunden zum Fest „Danke“ zu sagen. Beide Biere zeichnen sich durch ihre hohe Stammwürze aus. Beim Bockbier spricht das für sich, doch auch das Festbier ist gehaltvoller als das Exportbier. „So kann man sich in einer besonderen Zeit auch etwas Besonderes gönnen“, merkt Veit an. Damit Bock- und Festbier etwas Besonderes bleiben, werden sie, obwohl die Nachfrage hoch ist, ausschließlich und in begrenzter Menge nur in der Vorweihnachts- und Winterzeit angeboten. So sind die „Winterbiere“ zum Weihnachtsfest häufig schon ausverkauft.

Eine lange Tradition

Schon Ende des 19. Jahrhunderts begannen deutsche Brauereien mit dem Brauen von Weihnachtsbieren. Damals dürfte es sich in erster Linie um den Marketing-Coup einiger Großbrauereien gehandelt haben. Generell konnten damals die Brauereien meist erst mit Beginn der kälteren Jahreszeit ihr volles Können ausschöpfen. Zum einen waren nun die notwendigen Zutaten wie Hopfen und Getreide frisch geerntet, zum anderen hätten hohe Temperaturen dem Bier schon beim Reifen zugesetzt und Kühlgeräte gab es noch nicht. Rohstoffe in gleichbleibender Qualität und eine ausgefeilte Kühlung sind heute in den Brauereien kein Thema mehr. Die Tradition der Weihnachtsbiere hat sich aber durchgesetzt.

Neue Sorten und neues Outfit   

Die Heubacher Brauerei hat neue Craft-Biersorten auf den Markt gebracht – und es gibt neue Etiketten auf den Flaschen. „Die verschneite Heubacher Landschaft auf dem Etikett haben wir allerdings gelassen, denn diese ist uns als Wiedererkennungsmerkmal für so ein traditionelles Bier sehr wichtig“, führt Thomas Mayer, einer der Inhaber und Geschäftsführer der Heubacher Brauerei, aus. Alle Produkte der Heubacher Brauerei haben nun ein einheitliches Design erhalten. Prägnante Farben der Etiketten sollen den Kunden das Auffinden ihrer bevorzugten Biersorte erleichtern.

Wer zum Fest außergewöhnliche Biersorten sucht, wird bei den neuen Craft-Bieren möglicherweise fündig. „Heubacher Tropic Ale“ ist ein vollmundiges alkoholfreies Craft-Bier, bei welchem besondere Hopfensorten für ein Aroma von tropischen Früchten sorgen. Das neue „Heubacher Big Mama“ ist ein so genannter Barley-Wine – also ein Gerstenwein beziehungsweise ein starkes obergäriges Ale mit 11,5 Volumenprozent Alkohol.

Genuss ohne Glyphosat

Karl Friedrich Ladenburger von der Brauerei in Neuler betont, dass die regionalen Brauereien ausschließlich Getreide und Rohstoffe aus der Region verarbeiten. „Dies garantiert ein glyphosatfreies Bier, da die Verwendung von Glyphosat in Deutschland verboten ist“, sagt er. Warum in den Bierprodukten von etlichen Großbrauereien Glyphosat nachgewiesen wurde, erklärt er sich dadurch, dass die Großproduzenten ihr Getreide im Ausland zugekauft hätten. Diese Rohstoffe stammen häufig aus Polen, zum Teil sogar aus Amerika.

Für welchen Biergenuss man sich zum Fest auch entscheidet, eines haben all diese Raritäten gemeinsam: Sie reifen in speziellen Verfahren über längere Zeit. Dies folgt einem Trend zu besonderen Bieren mit teilweise überraschenden Aromen. So gibt es neben den „Klassikern“ mittlerweile viel zu entdecken. Zu Weihnachten darf man sich das ja auch durchaus mal erlauben. Genussvoll und in Maßen. Nur rechtzeitig einkaufen sollte man, damit das Bierglas zum Fest nicht leer bleibt. als

© Schwäbische Post 07.12.2018 15:30
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