Trend zum Onlinekauf geht weiter – Branche hat ihren Umsatz 2019 wieder steigern können

Immer mehr Menschen kaufen ihre Waren lieber bequem von zuhause aus, der Ostalbkreis bildet da keine Ausnahme. Doch so langsam reagiert der deutsche Einzelhandel. Mithilfe von Multi-Chanel-Angeboten sollen Online-Handel und Einzelhandel stärker ineinander übergehen, sodass Kunden die Vorteile beider Handelsformen nutzen können.
  • Bequem vom Bett aus shoppen – der Online-Handel macht es möglich. Bildquelle: justynafaliszek / Pixabay

Online-Handel generiert immer mehr Umsatz

Seit Anfang des Jahrtausends wachsen die Umsatzzahlen des Online-Handels kontinuierlich und lagen im Jahr 2018 laut Zahlenspiegel des Handelsverbandes Deutschland bei 53,6 Milliarden Euro. Der Wert übertraf den Vorjahreswert um gute 11 Prozent und reiht sich in die Geschäftsentwicklung des Online-Handels perfekt ein. Seit 2008 erzielte der Online-Handel Jahr um Jahr einen Umsatzzuwachs von mindestens 3 Milliarden Euro, während der Einzelhandel an Marktanteilen verlor.

Besonders kleine Fachhändler ohne weitere Filialen haben zwischen 2000 und 2017 massiv an Einfluss eingebüßt und mussten ihre Läden schließen. Von 31,9 Prozent Markanteil im Jahre 2000 blieben den Händlern nur noch 17,1 Prozent in 2017. Doch der Verlust von 14,8 Prozent Markanteil geht nicht allein auf die Online-Händler zurück, die 2017 gerade einmal über einen Marktanteil von 4,4 Prozent verfügen.

So haben sich auch die Marktanteile von großen Fachmärkten, Fachhändlern mit Filialen und den Discountern jeweils um 4 bis 5 Prozent erhöht, daher ist es ein Trugschluss zu behaupten, dass die Schließung vieler Läden in den Deutschen Innenstädten allein auf die Kappe der Online-Händler gehe.

Viele Menschen bevorzugen den Online-Handel wegen der Bequemlichkeit und der Möglichkeit, besser Preise zu vergleichen und Geld zu sparen. Auch können sie sich online besser über die Produkte informieren und sind nicht mehr von den Auskünften der jeweiligen Fachhändler abhängig.

So wird es beispielsweise auch immer beliebter, Autoteile nicht direkt in der Werkstatt zu kaufen, sondern online. Durch eine große Auswahl im Online-Zubehörkatalog finden die Kunden genau das Teil, das ihren Ansprüchen entspricht. Doch die beliebtesten Waren, die online bestellt werden, sind noch immer Mode- und Elektronikartikel.

Problematisches Verhalten der Kunden

Über die Jahre haben sich problematische Verhaltensweisen bei den Kunden eingebürgert, die den Einzelhandel und den Online-Handel treffen. Die Rede ist von dem sogenannten Showrooming und dem bewussten Planen von Retouren.

Showrooming bedeutet, in ein Fachgeschäft zu gehen, sich beraten zu lassen und das gewünschte Objekt aus- oder anzuprobieren. Gekauft wird es allerdings im Internet, da die Preise hier oft günstiger sind als im Einzelhandel. Nach einer Umfrage des Instituts „Valued Based Marketing“ gab ein Drittel der 1600 befragten Personen an, pro Jahr mindestens einmal bewusst Showrooming betrieben zu haben.

Die verbraucherfreundlichen Gesetzgebungen des Online-Handels ermöglicht Retouren ohne Angabe von Gründen, sofern die Waren nicht beschädigt sind. Viele Händler erstatten den Kunden sogar die Versandgebühren, sodass diese ohne zusätzliche Kosten Produkte bestellen und wieder zurückgeben können, sofern die Produkte ihnen nicht gefallen.

Problematisch ist es nur, dass mittlerweile 17 Prozent der Kunden von Online-Händlern ihre Waren ganz bewusst bestellen, um sie nach kurzem Gebrauch wieder zurückzuschicken. Die Online-Händler können dann die Produkte oft nicht mehr als neuwertig weiterverkaufen und müssen satte Preisnachlässe vergeben.

Reaktion des Einzelhandels durch Erweiterung auf Omni-Chanel-Handel

Mit Omni-Chanel-Handel ist die Verbindung aus Einzelhandel und Online-Handel gemeint. So eröffnen immer mehr Einzelhändler auch Onlineshops. Aber auch die Online-Händler wagen sich mit Filialen in den Einzelhandel. Neben der stärkeren Online- wie Offline-Präsenz profitieren Kunden auch über „Click & Collect“-Systeme, die die Händler immer häufiger in ihr Angebot integrieren.

Laut Handelsverband Deutschland rechnen 62 Prozent der Unternehmen, die das Omni-Chanel-Marketing bei sich eingeführt haben, mit Umsatzsteigerungen. Folglich bleibt abzuwarten, ob der Online-Handel dem traditionellen Einzelhandel weiter zusetzen wird oder ob sich aus den beiden Systemen ein erfolgreiches Gesamtkonzept entwickeln wird.

© Schwäbische Post 22.03.2019 09:08
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