Archiveinsturz: Freisprüche in Köln

Zwei Tote und ein Milliardenschaden: Nach neun Jahren, vielen Gutachten und einem Strafprozess, der unter großem Zeitdruck geführt werden musste, sind die Urteile gefallen.
Neun Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs sind drei der vier Angeklagte im Strafprozess freigesprochen worden. Gegen einen Bauüberwacher der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) verhängte das Landgericht eine Bewährungsstrafe von acht Monaten wegen fahrlässiger Tötung Bei dem Einsturz sind zwei Anwohner getötet worden. Unzählige historische Dokumente wurden verschüttet, der Schaden liegt nach Schätzung der Stadt bei 1,2 Milliarden Euro. Der seit Januar laufende Prozess stand unter Zeitdruck, weil im März die Verjährungsfrist endet.

Die Unglücksursache konnte nach Überzeugung des Landgerichts im Prozess geklärt werden. Der Vorsitzende Richter Michael Greve sagte in der Urteilsbegründung, es stehe „eindeutig und zweifelsfrei“ fest, dass das Archiv wegen eines gravierenden Fehlers beim Bau einer Schlitzwand für eine neue U-Bahn-Haltestelle einstürzte. Demnach hatten Arbeiter 2005 beim Aushub einen Gesteinsblock nicht beseitigt. Dadurch entstand ein Loch in der Wand, durch das am Unglückstag große Mengen Wasser und Sand einbrachen. Dem Archivgebäude sei „förmlich der Boden unter den Füßen“ entzogen worden.

Der verurteilte KVB-Mitarbeiter ist laut Gericht seiner Pflicht zur Bauüberwachung nicht ausreichend nachgekommen. Die beiden freigesprochenen Bauleiter hätten zwar ebenfalls ihre Sorgfaltspflichten verletzt, jedoch sei dies nicht ursächlich für den Einsturz gewesen. Der Mitarbeiterin der KVB sei keine Pflichtverletzung nachzuweisen.

Pfusch am Bau klare Ursache

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hofft nach dem Ende des Strafprozesses auf Schadenersatz für die Stadt: „Es ist zumindest ein zartes Signal für den Ausgang des Zivilprozesses.“ Der Rechtsberater der Stadt, Werner Langen, sagte, es sei positiv, dass das Gericht „Pfusch am Bau“ als klare Einsturzursache benannt habe. Das Gericht sehe die Verantwortung dafür bei den Baufirmen.

Ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen (Arge) sagte dagegen, aus Sicht der Arge sei die Einsturzursache nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Zivilrechtlich werde die Beweiserhebung fortgesetzt. Eine Gerichtssprecherin betonte, dass die Zivilrichter eigenständig und unabhängig vom Ausgang des Strafprozesses entscheiden.

Christoph Driessen
© Südwest Presse 13.10.2018 07:45
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