Ein Top-Favorit für die Niederlande

Dem 25-jährigen Duncan Laurence scheint der Sieg gewiss. Und dem deutschen Duo S!sters droht nach Wettbüro-Prognosen ein Desaster.
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  • Australiens Kandidatin Kate Miller-Heidke ist Opernsängerin. Foto: Persona Stars/dpa
  • Top-Favorit Duncan Laurence geht für die Niederlande ins Rennen. Foto: Ilia Yefimovich/dpa
  • Bilal Hassani singt für Frankreich. Der 19-Jährige musste sich gegen rassistische und homophobe Angriffe wehren. Foto: Valery Hache/afp
Zum Finale des Eurovision Song Contest (ESC) dürfen die Fans in den Niederlanden den Sekt kalt stellen. Ihr Kandidat Duncan Laurence geht als so klarer Favorit ins Finale wie lange kein Künstler mehr. Sollte doch jemand anderes das gläserne Mikrophon holen, wäre das ein Außenseitersieg – von diesem träumt in Deutschland angesichts ernüchternder Wettquoten für das Duo S!sters wohl niemand mehr.

Bei seinem Auftritt im zweiten Halbfinale am Donnerstagabend zeigte der 25-Jährige Laurence, weshalb er alle Abstimmungen von Fans und die Ranglisten der oft treffsicheren Wettbüros so dominiert. Sein Lied „Arcade“ über eine unglückliche Liebe klingt wie ein Hit, Laurence präsentiert ihn dabei mit viel Gefühl als einsamer Sänger am Klavier. Ein bisschen wie Udo Jürgens bei seinem Sieg mit „Merci, Chérie“ 1966 für Österreich.

Optisch Eindruck schinden

Kein Bühnenfeuerwerk, keine Windmaschinen, keine überdrehte Albernheit – und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb steht der Niederländer vorn. Unter den weiteren Teilnehmern gibt es allerdings einige, die es in ESC-typischer Manier am Samstagabend krachen lassen werden.

Allen voran die Australierin Kate Miller-Heidke steht für das ESC-Konzept, auch optisch viel Eindruck zu schinden. Auf einer mehrere Meter langen schwingenden Stange gleitet die Australierin anmutig in großer Höhe über die Bühne – ein faszinierender Anblick, der die ausgebildete Opernsängerin bis auf Platz zwei in den Wettbüros nach vorn brachte. Während dem Niederländer in den Wettbüros aber eine Siegchance von 46 Prozent gegeben wird, sind es bei der zweitplatzierten Australierin gerade zwölf Prozent.

Dahinter folgen Schweden, die Schweiz, Aserbaidschan, Russland, Italien oder Island mit sehr ähnlichen Werten in den Wettbüros. Für das größte Spektakel unter diesen Startern sorgen die Isländer mit ihrem Hardrockbeitrag, der übersetzt „Hass wird siegen“ bedeutet. In der zur Hälfte von Jury und Publikum erfolgenden Abstimmung könnten die Isländer gerade beim jungen Publikum einige Punkte machen.

Ob das deutsche Duo S!sters eher beim Publikum oder bei der Jury punktet, ist nicht absehbar – Hauptsache, die Punkte läppern sich überhaupt, muss mittlerweile das Motto sein. Im vergangenen Jahr hatten die Wettbüros den sehr guten vierten Platz von Michael Schulte genau vorhergesagt – in diesem Jahr will ARD-Moderator Peter Urban den prognostizierten letzten Platz aber nicht glauben. „Der Song wird nicht schlecht abschneiden“, meint der Fachmann.

2015 und 2016 hatte Deutschland den letzten, 2017 den vorletzten Platz belegt. Nach dem Erfolg Schultes droht die Rückkehr in diese Tristesse. Aber womöglich trifft ja zu, was Moderator Urban sagt, und die S!sters können mit ihrem eingängigen Refrain „Sister“ doch ein paar Punkte sammeln. Die Erwartungen sind kurz vor dem Finale jedenfalls schon so niedrig, dass alles andere als einer der hinteren Plätze ein Erfolg wäre. afp
© Südwest Presse 18.05.2019 07:46
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