„Ich esse auch gerne mal Kaviar“

Der Schauspieler Heino Ferch über seine Rolle als moderner Dandy Johann Friedrich von Allmen und die günstige Alternative zum teuren Drehort Zürich.
  • Privat ist Heino Ferch eher leger gekleidet. Foto: Hannes Magerstaedt/Getty Images
Früher markierte er im Film oft den starken Helden, den Retter der Witwen und Waisen – doch Heino Ferch ist längst zum vielgefragten Charakterdarsteller gereift. Im Krimi „Allmen und das Geheimnis der Dahlien“ nach einer Vorlage von Bestsellerautor Martin Suter ist der 55-Jährige erneut als eleganter Kunstdetektiv Johann Friedrich von Allmen zu sehen. Der Züricher Dandy muss ein geraubtes Ölgemälde wiederfinden und ermittelt in der Welt der Reichen und Schönen.

In Ihrem neuen Film verkörpern Sie wieder den Schweizer Lebenskünstler Johann Friedrich von Allmen. Hat es Ihnen Spaß gemacht, zum dritten Mal den Dandy-Detektiv zu spielen?

Heino Ferch: Natürlich, ich liebe diese Rolle. Allmen ist ein moderner Dandy mit einem Händchen für das Schöne im Leben, ein aus der Zeit gefallener Geselle, das macht einen Riesenspaß. Er liebt edle Stoffe, Kunst, schöne Frauen, den richtigen Wein zum guten Essen – ein echter Lebemann. Ich genieße es, dass ich in der Rolle diese wilde Haartolle habe und maßgeschneiderte Garderobe tragen darf.

Dürfen Sie die Garderobe nach dem Dreh behalten?

Nein, das bleibt alles in einem speziellen Allmen-Fundus. Wir werden ja auf jeden Fall weiterdrehen, und dabei wird auf die Garderobe zurückgegriffen – deshalb muss ich übrigens auch meine Figur halten, daran arbeite ich jeden Tag (lacht). Ich verfüge als Allmen über 30, 40 Anzüge mit den dazugehörigen Mänteln und Accessoires, da werden zum Teil Stoffe aus Italien und England verarbeitet. Die Kostümbildnerin hegt und pflegt das alles.

Es wird bei der Verfilmung der Romane also nicht gespart?

Wenn man in diese Welt eintaucht, so wie Martin Suter sie geschrieben hat, kann man nicht sparen. Wenn man spart, kriegt man diesen Look nicht hin, und dann braucht man gar nicht erst anzufangen.

Ist denn auch echter Schampus in den Champagnergläsern, die Allmen regelmäßig leert?

Leider nein, das ist alkoholfreier Sekt. Das Prickeln in den Gläsern bewirkt eine Prise Salz, damit perlt es wie bester Champagner. Beim Rotwein ist Johannisbeer-Schorle in den Gläsern, und der Weißwein ist Apfelsaft in unterschiedlicher Verdünnung – ein Chablis zum Beispiel ist dunkler als ein Sancerre. Aber die Austern waren immerhin echt (lacht).

Lieben Sie Luxus auch so sehr wie Allmen, der etwa für den superteuren weißen Kaviar schwärmt?

Davon hatte ich vorher noch nie gehört. Aber ich esse auch gerne mal Kaviar, und ich weiß auch, welche Weine ich mag. Bei der Garderobe bin ich eher ein klassischer Jeans-und-T-Shirt-Typ. Ich habe auch Anzüge zu Hause, klar, und zu einem entsprechenden Anlass ziehe ich mir auch gerne was Tolles an. Aber jeden Tag so exquisit – nein, ich bin da moderner.

Im neuen Allmen-Film wird in einem Züricher Luxushotel ein Gemälde geklaut. In welcher Nobelherberge haben Sie gedreht?

In einem alten Grand Hotel in Karlsbad. Das ist viel günstiger als das unglaublich teure Zürich, außerdem bieten Prag und Tschechien an Gebäuden und Räumen sensationell viel Jugendstil und Art Déco. Wir sind exakt einen Drehtag in Zürich, um die Szenen zu drehen, die im Boot auf dem Zürichsee spielen.

Die Bootsszenen wirken ein bisschen ungemütlich…

Stimmt, wir haben im November letzten Jahres gedreht, das war ein harter Drehtag. Wir sind um 7 Uhr aufs Wasser und es war bitterkalt. Wir saßen auf Wärmflaschen, mit Hitzepads in den Taschen und Hitzesohlen in den Schuhen.

Was sagt eigentlich Martin Suter, der bislang fünf Allmen-Romane geschrieben hat, zu Ihrer Verkörperung seines Helden?

Er war sehr begeistert. Er hat mir nach den ersten zwei Filmen persönlich geschrieben und das wunderschöne Kompliment gemacht, dass er jetzt mich im Kopf hat, wenn er die Figur schreibt.

„Allmen und das Geheimnis der Dahlien“ läuft am Samstag, 13. Juli, um 20.15 im Ersten.
© Südwest Presse 11.07.2019 07:45
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