Der Millionär und die Mädchen

Die Vorwürfe gegen den US-Investmentbanker Jeffrey Epstein wiegen schwer und beschäftigen die Nation – bis hin zum Präsidenten.
  • Frauen protestieren mit Fotos vor dem Bundesgerichtsgebäude in New York gegen Jeffrey Epstein. Foto: Stephanie Keith/Getty Images/AFP
Der Skandal um einen schwerreichen US-Investmentbanker, der nach Ansicht der meisten Rechtsexperten schon längst hinter Gittern sitzen müsste, zieht Amerika in seinen Bann. Der Fall hat zudem eine skurrile politische Komponente, die US-Präsident Trump noch unangenehm werden könnte.

Schon vor elf Jahren wurde Jeffrey Epstein (66) in ein Register für vorbestrafte Sexualtäter eingetragen, weil er seinen Klienten minderjährige Prostituierte vermittelt hatte. Nun wird dem Multimillionär vorgeworfen, junge Mädchen selbst belästigt und teilweise sogar vergewaltigt zu haben.

Passagen aus der Klageschrift lesen sich wie das Drehbuch zu einem Kriminalfilm. In seinem Privatjet mit dem bezeichnenden Namen „Lolita Express“ flog Epstein mit Präsidenten wie Bill Clinton, Hollywood Stars und Prinzen durch die Welt. Sie besuchten seine zahlreichen Villen in Manhattan, Palm Beach oder auf Epsteins privater Insel in der Karibik. Immer waren junge Mädchen dabei, viele von ihnen nur 14 oder 15 Jahre alt.

In seinem schmucken, siebenstöckigen Reihenhaus in New Yorks „Upper East Side“ und dem Ferienhaus in Florida soll der Angeklagte den Minderjährigen ein paar hundert Dollar für eine „Massage“ angeboten haben. Angeheuert hatte er junge Frauen, um die Mädchen zu rekrutieren. „Das ist ein guter Typ, der kann dir helfen“ sagten sie den arglosen Teenagern, von denen viele auf der Straße lebten.

Unbequem wurde es dann, als der Banker sich mit den Mädchen zurückzog und nackt auf einem Massagetisch lag. Während der Massage berührte er sie und soll viele gegen deren Willen zum Geschlechtsverkehr genötigt haben.

Nach einem Urlaub in Frankreich wurde Epstein beim Verlassen seiner Boeing 727 im US-Staat New Jersey festgenommen. Konkret wirft ihm die Bundesstaatsanwaltschaft vor, von 2002 bis 2005 Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung betrieben zu haben. Bei einer Razzia in Epsteins 77 Millionen Dollar teurem New Yorker Anwesen entdeckte die Polizei später mehrere hundert Fotos und CDs nackter Mädchen, viele von ihnen minderjährig.

Der Finanzier bekannte sich zwar nicht schuldig und bestand auf seiner Freilassung. Anders aber sieht es der Staatsanwalt Geoffrey Berman, der Epstein als „ernsthafte Fluchtgefahr“ beschrieb. Bis zum Prozessbeginn soll er jedenfalls hinter Gittern bleiben und könnte im Fall eines Schuldspruchs zu einer 45-jährigen Haftstrafe verurteilt werden.

Politisch ist der Skandal wegen der Rolle von Trumps Arbeitsminister Alexander Acosta relevant. Der war 2008 der zuständige Staatsanwalt in Florida und handelte mit Epsteins Anwälten einen Vergleich aus, der zu einer nur 13-monatigen Haftstrafe führte. Acosta behauptet, dass Epstein ohne ihn damals auf freiem Fuß geblieben wäre. Das wiederum bestreiten Anwälte, die damals den Fall bearbeiteten, energisch.

Auch Donald Trump, damals ein Nachbar und Freund des Finanziers, der vor Jahren in einem Interview Epstein einen „fantastischen Typen nannte“, der ebenso wie er eine Vorliebe für Frauen „der jüngeren Sorte“ habe, stellte sich hinter seinen Minister. Demokraten hingegen fordern Acostas Rücktritt.
© Südwest Presse 12.07.2019 07:45
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