Washingtoner Artenschutzkonferenz

Elefanten in Not

Die Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens tagen von Samstag an in Genf. Für einige Tierarten geht es ums Überleben.
  • In Singapur entdeckt: Elefantenstoßzähne im Wert von 43 Millionen Euro. Foto: Then Chih Wey/XinHua/dpa
  • Gefährdet: ein Afrikanischer Elefant. Foto: © cyo bo/Shutterstock.com
Vom 17. bis 28. August wird in Genf über den Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten debattiert. Im Mittelpunkt steht der internationalen Handel mit Elfenbein und Jagdtrophäen. Dieses Jahr sei es besonders wichtig, dass auf die Rolle Vietnams im Schmuggel bedrohter Arten eingegangen werde, sagt Arnulf Köhncke vom WWF Deutschland, der die Artenschutzkonferenz als Beobachter besuchen wird. Das Land sei der weltweit größte Umschlagplatz für Elfenbein und andere Produkte geschützter Tierarten.

Auch die südasiatischen „Tigerfarmen“ bereiteten Köhncke Kopfzerbrechen. Tiger würden dort für den Konsum gezüchtet – das heize jedoch letztlich nur die Nachfrage und somit die Wilderei an. Ein weiteres Beispiel, um das sich der Umweltschützer sorgt: Seegurken. Diese leisteten einen wichtigen Beitrag gegen die Versauerung der Meere, seien aber durch die Fischerei zunehmend bedroht.

Schon in den vergangen Jahren ging es auf den Konferenzen der Vertragsstaaten der Washingtoner Artenschutzübereinkommens (Cites) immer wieder um Elefanten. Einige afrikanische Länder haben nun angekündigt, das Handelsverbot in Teilen anfechten zu wollen. „Die wilde Population ist groß und stabil“, heißt es in der Regierung Sambias, die von rund 27 000 Tieren ausgeht. Botswana, Simbabwe und Eswatini (früher: Swasiland) wollen „nicht kommerziellen“ Handel mit Elfenbein und Tierhäuten treiben.

Tierschützer sind alarmiert: „Solche Anträge gab es schon einmal 2007, die Folgen waren verheerend“, sagt Daniela Freyer, Mitgründerin der Organisation Pro Wildlife. Damals durften die Länder Lagerbestände verkaufen, aber dem Elfenbein ist natürlich nicht anzusehen, ob es aus einem Lager oder von einem frisch getöteten Tier stammt.

„Auf dem Höhepunkt der Wildereikrise sind zwischen 2010 und 2012 mehr als 100 000 Elefanten gewildert worden“, sagt Freyer. „Es werden schätzungsweise immer noch 20 000 im Jahr nur wegen ihres Elfenbeins getötet.“ Zwar sei die Nachfrage stark zurückgegangen, seit China den Handel mit Elfenbein 2018 komplett verboten hat. Aber Japan habe weiter Interesse.

Ein effektives Vorgehen gegen den illegalen Elfenbeinhandel und die „immer noch tobende Wilderei“ auf Elefanten sei auch Hauptanliegen des WWF: „Wir haben es hier mit internationalen Kartellen zu tun, die jährlich 20 Milliarden Euro umsetzen“, sagt Köhncke. Mitte Juli hat der Zoll in Singapur eine der größten je entdeckten Elfenbeinlieferungen weltweit beschlagnahmt: fast neun Tonnen Stoßzähne von etwa 300 Elefanten. Sie waren in Kisten aus dem Kongo als Holz deklariert und sollten nach Vietnam geliefert werden. Singapur hat inzwischen angekündigt, den heimischen Handel mit Elfenbein von 2021 an zu verbieten.

Auch hierzulande werden immer wieder geschützte Arten illegal eingeführt. Zumeist handle es sich jedoch um Reisemitbringsel unwissender Touristen, nicht um organisierten Schmuggel, sagt Isabell Gillmann vom Hauptzollamt Frankfurt am Main. „Vor allem bei Korallen, Muscheln und Fechterschnecken meinen viele, dass die Einfuhr kein Problem sei, weil die ja überall am Strand herumliegen. Allerdings ist das unerheblich.“

Die erschreckendsten Funde seien lebende Tiere, die von Reisenden im Gepäck geschmuggelt würden. Erst im Juli sei am Frankfurter Flughafen ein Pennant-Sittich beschlagnahmt worden. Ein 55-jähriger Holländer habe versucht, den geschützten Papagei in einer Weinkiste im Handgepäck nach Ägypten zu transportieren.

Der Zoll gehe, auch beim Postverkehr, „risikoorientiert“ vor, kontrolliere also vermehrt Einfuhren aus Ländern, aus denen besonders häufig geschützte Arten kämen. Auch gebe es spezielle Artenschutzspürhunde, die auf das Auffinden von Tieren und Pflanzen trainiert seien. Sie seien ein sehr gutes „Hilfsmittel“.

(mit dpa)
© Südwest Presse 16.08.2019 07:45
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