Tödlicher Schuss mit Dienstpistole

Ein Polizist steht vor Gericht, weil er einen Kollegen aus Versehen erschossen hat. Die Frage ist, wie.
  • Paragrafen-Symbole am Eingang des Landgerichts Bonn. Foto: Oliver Berg/dpa
Hat ein 23-jähriger Polizist einen Kollegen mit einem gezielten Schuss aus einer Dienstpistole getötet, die er versehentlich für eine Übungspistole hielt, oder hat sich der tödliche Schuss gelöst, als er seine Dienstpistole checkte? Diese Frage will das Landgericht Bonn seit Donnerstag lösen, und die Antwort wird das Strafmaß bestimmen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 23-Jährigen fahrlässige Tötung vor. Er habe am 26. November 2018 mit dem späteren Opfer zunächst an einem Anti-Amok- und Anti-Terrorschießtraining teilgenommen. Das sei mit Trainingswaffen absolviert worden, mit denen man nicht schießen kann. Wegen ihrer roten Farbe heißen solche Waffen bei der Polizei „Rotwaffen“.

Später im Bonner Polizeipräsidium habe der Angeklagte einen Schuss aus seiner scharfen Dienstwaffe auf seinen Kollegen abgeben haben – in der Annahme, er halte noch eine Trainingswaffe in der Hand. Mit der vermeintlichen Rotwaffe hatte er laut Staatsanwaltschaft zuvor auf den Nacken seines Opfers gezielt. Der lebensgefährlich verletzte Polizist starb am 10. Dezember an den Folgen eines Halsdurchschusses.

In seiner Aussage teils unter Tränen widersprach der 23-Jährige der Darstellung des Staatsanwalts. Er habe nicht auf den Kollegen gezielt und dabei die scharfe mit der Trainingswaffe verwechselt. Vielmehr habe sich seine scharfe Dienstwaffe in seinem Beinholster verklemmt. Als er die sie überprüft habe, habe er sich wegen eines Geräuschs erschreckt und sei dabei offenbar an den Abzug gekommen.

Die Antwort auf die Frage, ob der 23-Jährige nach einer Waffenverwechslung gezielt schoss oder ob sich der Schuss unbeabsichtigt löste, könnte in dem Prozess über den Grad an Fahrlässigkeit bei der Tat entscheiden. Im ersten Fall hätte der Angeklagte womöglich grob fahrlässig gehandelt, was zu einer höheren Strafe führen könnte.

Augenzeugen gibt es offenbar nicht. Einer der Polizisten, die sich damals in unmittelbarer Tatortnähe aufhielten, sagte allerdings aus, dass der Angeklagte nach dem Schuss gesagt habe: „Ich dachte, das wäre die Rotwaffe.“ dpa
© Südwest Presse 16.08.2019 07:45
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