Drei Buchstaben und was dahinter steckt

Seit 70 Jahren gibt es die dpa. Heute liefert die Agentur sogar Nachrichten für Kühlschrank-Displays.
Wurde früher in der Medienszene über die Deutsche Presse-Agentur gesprochen, war oft vom „guten, alten Tanker“ die Rede. Wie überall im Journalismus durchlebt aber auch der Marktführer unter den deutschen Nachrichtenagenturen mit dem digitalen Wandel tiefgreifende Veränderungen. Inzwischen hat sich das Hamburger Unternehmen im Schnellboot-Tempo zum modernen Medienkonzern gewandelt. Am Sonntag feiert die Agentur ihren 70. Geburtstag. Eine Verschnaufpause gibt es nicht: Schließlich wird an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr gearbeitet.

„Kennedy tot“, „Apollo-Fähre auf dem Mond gelandet“, „Ratzinger zum Papst gewählt“: Wenn auf der Welt etwas wirklich Einschneidendes passiert, laufen wenige Minuten später solche „Blitz“-Meldungen von dpa in Redaktionen ein. Vielen Zeitungslesern sind die drei Buchstaben aber auch von Berichten über weniger bedeutsame Ereignisse vertraut. Was für ein großer Apparat dahinter steckt, wissen dagegen nur wenige: Rund 1000 Journalisten weltweit in 94 Ländern arbeiten für die Agentur. In vier Sprachen werden Nachrichten und Korrespondentenberichte verbreitet: Deutsch, Englisch, Spanisch und Arabisch.

Die Schnelllebigkeit im digitalen Zeitalter und die Verbreitung von Fake News haben den Druck erhöht. An ihren journalistischen Prinzipien hält dpa jedoch fest. „Sich zurückzunehmen, Behauptungen und Fakten zu verifizieren und zu falsifizieren ist mehr denn je Grundlage unseres Berufs“, sagt Chefredakteur Sven Gösmann. Technisch stellt sich die Agentur aber um. Gösmann zufolge wird derzeit mit Künstlicher Intelligenz (KI) experimentiert, etwa für die Erstellung einfacher Texte. Und für „weiße Ware“ wie Kühlschrank-Displays würden bereits Nachrichten geliefert.

Neben Texten gehören auch Fotos, Grafiken und Videos zum Angebot der dpa, der Umsatz lag 2018 laut Geschäftsbericht bei 93 Millionen Euro. Getragen wird die Nachrichtenagentur von 179 Gesellschaftern aus Verlagswesen und Rundfunk. Über das Angebot stellen diese die nachrichtliche Grundversorgung sicher, denn die wenigsten Medien können überall in der Welt eigene Mitarbeiter haben.

In der 70-jährigen dpa-Geschichte gab es natürlich auch Pannen. So wird die am 13. August 1964 verbreitete „Ente“, der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow sei tot, der Agentur wohl ewig nachhängen. 2016 fielen dpa und andere Medien auf die „Irrfahrt“ einer Pistenraupe rein, die sich als PR-Gag entpuppte. Wenn Fehler passieren, brauche es „ein transparentes, schonungsloses und schnelles Fehlermanagement inklusive Entschuldigung“, sagt Gösmann.

Zuletzt gab es bei der dpa interne Querelen. Vor wenigen Monaten fand am Standort der Zentralredaktion in Berlin erstmals in der Unternehmensgeschichte ein Warnstreik statt. Grund war ein Tarifkonflikt, der allerdings inzwischen gelöst wurde.

Offiziell gefeiert wurde schon vor dem runden Geburtstag. In Berlin gab es Anfang Juli einen Festakt. Die dpa habe „zum Gelingen der Demokratie“ beigetragen, lobte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede. Tanja Wolter
© Südwest Presse 16.08.2019 07:45
114 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.