Pop

Eine unerwartete Rückkehr

Dirk Darmstaedter meldet sich zurück. Mit einem Solo-Album und einer Tour mit seiner Band The Jeremy Days.
  • Dreht wieder auf: Dirk Darmstaedter. Foto: Johnny Johnson/dpa
Als „Hamburger Jung'“ neigt Dirk Darmstaedter zu nüchterner Sprache. Für seine Website wählt der Singer-Songwriter dennoch Worte aus dem Boulevard-Baukasten: „The Unlikely Return. The Jeremy Days sind zurück!“. In der Tat ist es eine unwahrscheinliche Rückkehr – und eine kleine Sensation für Freunde anspruchsvoller Popmusik.

Denn Darmstaedter war mit seiner Gitarrenpop-Band zwischen 1988 und 1996 eine große Nummer. Die Brit-Pop-affinen Jeremy Days mit dem perfekt Englisch singenden Frontmann galten zur Wende-Zeit als eine der erfolgreichsten deutschen Bands.

23 Jahre danach will er im Spätherbst weitgehend in Jeremy-Days-Originalbesetzung wieder auf die Club-Bühnen klettern. Und schon jetzt legt der 54-Jährige ein neues Soloalbum vor: „Strange Companions“ (Beg Steal and Borrow Records /The Orchard) setzt die Serie von Platten fort, mit denen der Musiker und Mitbegründer des feinen Hamburger Indie-Plattenlabels Tapete seinen guten Ruf seit Mitte der 90er Jahre kontinuierlich ausgebaut hat.

Ein dutzend Alben hat der mit seiner Frau Georgia bei Hamburg lebende Vater zweier erwachsener Kinder unter eigenem Namen oder als Me And Cassity aufgenommen – mit typischem Darmstaedter-Klang: warme, sauber komponierte Lieder in der klassischen Besetzung Gitarre, Bass, Schlagzeug, manchmal auch Klavier und Keyboards. „Ich möchte zeitlose tolle Popsongs schreiben. Ich laufe nicht hinter irgendwelchen Styles her.“

Auch „Strange Companions“ ist so ein schönes, grundsolides Werk: zehn Stücke, selbstgeschrieben und -produziert, mit wenigen Gastmusikern eingespielt. Besonders zufrieden ist er mit „Wilhelmsburg“ und „The Sea Before Us“.

Zum Comeback seiner Band, deren Ohrwurm „Brand New Toy“ (1989) immer noch im Radio läuft, sagt Darmstaedter: „Hätten Sie mich vor zehn Jahren gefragt, hätte ich gesagt: Wird nie stattfinden. Wir hatten ja seit fast 15 Jahren kaum mehr miteinander gesprochen. Aber wie das so ist im Leben: Manchmal passt es dann wieder.“ Werner Herpell

Info The Jeremy Days live am 22.11. in München und am 1.12. in Stuttgart
© Südwest Presse 16.08.2019 07:45
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.