Es ist alles Gold, was glänzt

Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen zeigen Schätze aus Java. Dort ist das erlesene Material auch Gegenstand intensiver Forschung.
  • Das Relief eines stolzierenden Vogels, vermutlich ein Pfau, beweist ein extrem hohes Niveau der Goldschmiedearbeit und die atemberaubende Schönheit der Gestaltung. Foto: Mauro Magliani
Strahlender Kopfputz, funkelnde Gürtelschnallen, schimmernde Ohrgehänge – in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen ist derzeit alles Gold, was glänzt. Erstmals öffnet ein deutsches Sammler-Paar seine überquellende Schatztruhe der Öffentlichkeit: Ketten, Armreifen, Statuen und Gefäße aus dem wertvollen Metall zeigen den Reichtum und die Handwerkskunst der buddhistischen und hinduistischen Königreiche auf Java zwischen dem 7. und dem 15. Jahrhundert.

Detailversessen und präzise

Detailversessen, präzise, fantasievoll schufen Goldschmiede die Kleinodien, etwa einen Ring mit Fratze, vogelartig fedrige Ohrringe und den glücksbringenden Elefantengott Ganesha mit Süßigkeiten. „Gold wird häufig mit Sonne und Feuer in Verbindung gebracht und ist als seltenes und teures Metall Symbol der Macht“, erklärt Kuratorin Sarah Nelly Friedland die Faszination, die Gold auch heute noch hat.

Der Reichtum der Javanischen Gesellschaft beruhte aber nicht auf eigenen Fundstätten. Teils kam das Gold aus Sumatra, teils brachten es Schiffe auf dem Handelsweg von China nach Indien auf die Insel, die heute zum vorwiegend islamischen Indonesien gehört.

Die Idee zur Sonderausstellung „Javagold“ entstand aus einer zehnjährigen Forschungskooperation mit der „Golden Lotus Foundation“ aus Singapur, hinter der das auf Bali lebende Sammler-Paar steht. Dabei spielt das Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie (CEZA), ein Institut zur Messung und Analyse archäologischer Funde, die Hauptrolle.

Spezialisten untersuchten dort bereits die Himmelsscheibe von Nebra, Goldfunde aus Troja und den Goldschmuck des Keltenfürsten von Hochdorf. „Die Verbindung von international renommierter Forschung und hochwertiger Präsentation macht uns einzigartig und ermöglicht es uns, solche hochkarätigen Objekte zu zeigen“, sagt Wilfried Rosendahl, Direktor an den Reiss-Engelhorn-Museen. Die rund 400 Prachtstücke aus Java werden vom 15. September bis 13. April 2020 nur im Museum Zeughaus in Mannheim zu sehen sein.

Herkunft, Herstellungsweise und Handel mit Gold sind Informationen, die die Forscher mit Datenabgleich, chemischen und physikalischen Methoden, darunter Elektronenmikroskopie und Röntgenfluoreszenzanalyse, herausfinden können. Auch die „Echtheit“ der Goldobjekte können sie überprüfen anhand der Zusammensetzung des Metalls und der Herstellungsweise. „Auf dem Kunstmarkt werden zuweilen Teile eines altes Objekts mit neuem Material erweitert, um den Wert künstlich zu steigern“, erklärt CEZA-Direktor Roland Schwab. Fälschern kommen er und sein Team schnell auf die Schliche.

An der Datierung von Goldschätzen beißen sich er und seine Kollegen bislang aber die Zähne aus. Die bisherige Methode zur Altersbestimmung basiert auf dem Kohlenstoffisotop C14. Sie ist geeignet für organische Materialien, die Kohlenstoff enthalten – etwa Holz, Knochen, Nahrungsreste. Im Gold kommt aber kein Kohlenstoff vor.

Den Schlüssel meinen die Experten nun mit Helium in der Hand zu halten. „Das Gold ist in der Lage, Helium in sein Kristallgitter einzubauen“, erklärt Schwab. Hier wollen er und sein Team ansetzen und dem Edelmetall durch stufenweises Erwärmen bis kurz vor dem Schmelzpunkt von über 1000 Grad das Helium entziehen. Das entweichende Helium soll Rückschlüsse auf den Zeitpunkt des Schmelzens und damit auf das Alter des Objektes zulassen.

Das CEZA-Team tüftelt noch an der Frage, wie es die extrem geringe Menge des aus dem Gold stammenden Gases von dem natürlich vorkommenden getrennt halten kann. Gelingt das, lautet die vereinfachte Formel: Je höher die Helium-Konzentration, desto älter ist das Goldobjekt. Ein russisches Forscherteam steht bei dem Vorhaben Pate. Dieses wandte eine ähnliche Methode erfolgreich an, um das Alter von Goldlagerstätten zu bestimmen. „Wir versuchen das für archäologische Funde umzusetzen“, erläutert Schwab, der mit Kollegen an einem eigenen Mess-Gerät arbeitet.

Kleinste Preziosen betrachten

Neueste Technik wird auch in der Ausstellung groß geschrieben: Besucher können an 3-D-Stationen auch kleinste Preziosen von allen Seiten und stark vergrößert betrachten. „Das ist ein Schritt in die Digitalisierung und schließlich die weltweite Vernetzung der Museen“, sagt Museumsdirektor Rosendahl. Warum sollten Interessierte angesichts dieses komfortablen Kunst-Konsums noch ins Museum gehen? Rosendahl glaubt nicht an leere Ausstellungsräume, sondern rechnet mit mehr Publikum: „Der digitale Kunstgenuss ist nur ein Appetizer für die Begegnung mit dem Original und seiner Aura – und die gibt es nur hier.“ Julia Giertz
© Südwest Presse 13.09.2019 07:45
117 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.