Krimi

Beklemmend nah an der Realität

In ihrem Roman „Die letzte Witwe“ thematisiert Karin Slaughter das Treiben rechtsradikaler Milizen in den USA.
  • Karin Slaughter: Die letzte Witwe. Harper Collins, 560 Seiten, 20 Euro. Foto: Harper Collins
Karin Slaughter ist erfolgreich, extrem erfolgreich. Auch „Die letzte Witwe“, ihr bereits siebter Roman um die Ermittler Special Agent Will Trent und die Ärztin Sara Linton, landete auf Anhieb an der Spitze der Buchcharts. Wohl auch, weil der Leser bei Serien zumindest ahnt, was auf ihn zukommt: Und das ist bei Karin Slaughter eben Spannung und bekanntes Personal. Vor allem die Kinderärztin Sara Linton begleitet die Slaughter-Leser schon seit gut 15 Jahren – erst als Frau des Polizeichefs von Grant County. Nach dessen Tod durch eine Briefbombe geht Linton nun nach Atlanta, um dort als Gerichtsmedizinerin für das Georgia Bureau of Investigation (GBI) zu arbeiten.

Und dort lernt sie Special Agent Will Trent kennen und lieben. Keine einfache Beziehung: Die Ärztin stammt aus einer vermögenden Südstaatenfamilie, Trent ist im Waisenhaus aufgewachsen, hat eine Leseschwäche, wird von Selbstzweifeln und Minderwertigkeitskomplexen geplagt, die er mit hohem Einsatz in seinem Job ausgleicht.

Das traute Glück von Trent und Linton wird jäh durch zwei Detonationen auf dem Campus der Emory-Universität unterbrochen. Auf dem Weg dorthin kommen sie zu einem Verkehrsunfall und leisten erste Hilfe. Einiges an den Verletzungen der Unfallbeteiligten macht das Paar misstrauisch. Doch bevor Trent die Waffe aus Lintons Handschuhfach holen kann, wird die Ärztin von einem der Unfallopfer mit einer Waffe bedroht und entführt.

Zwei Bomben

Die Detonationen stammen von Bomben. Eine Frau, die offensichtlich eine weitere Geisel der Entführer ist, wird als eine vor Monaten entführte Spezialistin für Seuchenerkrankungen identifiziert, der in der Klinik der Universiät der Blinddarm entfernt werden musste.

Schnell wird klar, wer die Entführer sind: Mitglieder einer rechtsradikalen Miliz. Doch niemand weiß, wo diese Miliz ihren Unterschlupf hat und was die Männer vorhaben. Auch die entführte Sara Linton weiß das nicht. Im Lager der Terroristen sieht sie aber, wie einige Dutzend Uniformierte die Erstürmung eines großen Gebäudes üben und wie die im Lager lebenden Kinder an einer seltsamen Krankheit leiden. Das ist trotz einiger Längen spannend erzählt und gleichzeitig beklemmend nah an der Realität. Helmut Pusch
© Südwest Presse 14.09.2019 07:45
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